Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela am Mittwochabend läuft die Bergung der Opfer auf Hochtouren. Offiziell gelten mindestens 200 Menschen als verschüttet, wie der Präsident der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, mitteilte. Die bestätigte Zahl der Todesopfer stieg auf 188, mehr als 1.500 Menschen wurden verletzt. Rund 250 Gebäude sind komplett eingestürzt oder schwer beschädigt.
THW-Team mit Rettungshunden im Einsatz
Das Technische Hilfswerk (THW) aus Deutschland schickt knapp 50 Helfer in das Katastrophengebiet. Die Schnelleinsatz-Einheit umfasst vier Rettungshundeführer mit jeweils einem Hund. Der Abflug war für Freitagmorgen vom Fliegerhorst Wunstorf in Niedersachsen mit einer Bundeswehrmaschine geplant. „Im Vordergrund steht aktuell die Bergung und Rettung von verschütteten Personen aus zerstörten Gebäuden“, teilte das THW mit.
Die Bundesregierung stellte Hilfsgüter wie Wasserfilter, Feldbetten, Zelte und Generatoren bereit. Internationale Such- und Rettungsteams, unter anderem aus den USA, sollen die Arbeiten unterstützen. Das US-Außenministerium kündigte zusätzlich zur logistischen Hilfe 150 Millionen Dollar an Hilfsgeldern an, davon 100 Millionen für das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA).
Schäden an Infrastruktur und Plünderungen
Die Beben der Stärke 7,2 und 7,5 ereigneten sich im Abstand von nur 39 Sekunden. Laut Rodríguez wurden neben Wohngebäuden auch acht Krankenhäuser, 20 Einkaufszentren und 68 öffentliche Infrastruktureinrichtungen beschädigt. Es sei die schwerste Naturkatastrophe in Venezuela seit 30 Jahren, sagte er. In den betroffenen Gebieten kam es zu Plünderungen; in Catia la Mar beobachteten AFP-Reporter, wie Menschen ein ausgebranntes Lebensmittelgeschäft mit vollen Taschen verließen.
Die Kommunikationskanäle sind teilweise unterbrochen. Das US-Unternehmen Starlink von Tech-Milliardär Elon Musk kündigte an, bis Mitte Juli kostenlosen Internetzugang für Betroffene bereitzustellen. Die Beben ereigneten sich an einem Feiertag gegen 18 Uhr Ortszeit, als viele Menschen zu Hause waren. Es folgten mindestens 138 Nachbeben. Strom- und Wasserversorgung fielen vielerorts aus, Mobilfunk und Internet waren zeitweise gestört. Der Zugverkehr wurde eingestellt, der internationale Flughafen geschlossen, die U-Bahn in Caracas stellte den Betrieb ein, Schulen blieben zu.
Deutsche Botschaft beschädigt – Hilfe aus der Region
Der stellvertretende deutsche Botschafter in Venezuela, Stephan Wendt, berichtete im ZDF, dass das Botschaftsgebäude beschädigt sei. „Wir können aktuell nicht vom klassischen Botschaftsgebäude aus arbeiten. Wir befinden uns in der deutschen Residenz“, sagte er. Auch einige Kollegen hätten in der Residenz auf Feldbetten übernachtet, da sie nicht in ihre Wohnungen zurückkehren könnten.
UN-Generalsekretär António Guterres sprach den Betroffenen sein Mitgefühl aus und sicherte Solidarität zu. „Der Generalsekretär ist tief betroffen über die Todesopfer und die weitverbreiteten Zerstörungen“, teilte sein Sprecher Stéphane Dujarric mit. Die Vereinten Nationen in Venezuela mobilisieren Hilfe und arbeiten eng mit der Regierung zusammen.
Dutzende Menschen konnten lebend aus den Trümmern geborgen werden, darunter zwei verletzte Kleinkinder in La Guaira, deren Mutter noch vermisst wird. Auf Internetseiten und in sozialen Medien kursieren Listen mit rund 12.000 als vermisst gemeldeten Personen, diese Zahlen sind jedoch nicht verifiziert.



