Belarus hat die Relaisstationen abgeschaltet, die russischen Kampfdrohnen bei Angriffen auf die Ukraine halfen. Das bestätigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 24. Juni 2026. Zuvor hatte er der Führung in Minsk ein öffentliches Ultimatum gestellt: „Wenn er das nicht macht, machen wir es“, drohte Selenskyj. Seit dem 22. Juni seien die Anlagen nicht mehr in Betrieb, erklärte er. Ob sie demontiert oder nur abgeschaltet wurden, ließ er offen.
Ein seltenes Zeichen der Wirkung
Für die Ukraine ist die Stilllegung mehr als eine technische Meldung. Sie könnte belegen, dass eine harte Warnung an den Kreml-Verbündeten Belarus nachhaltig war. Noch vor Tagen hatte Selenskyj dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko ultimativ gedroht. Die Botschaft: Schaltet die Anlagen ab – oder die Ukraine wird selbst aktiv. Damit drohte Kiew erstmals offen mit Angriffen auf Ziele in Belarus.
Die Entwicklung zeigt die heikle Lage des autoritär regierten Belarus. Lukaschenko gilt als engster Verbündeter von Kreml-Despot Wladimir Putin. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine stellt Minsk sein Territorium immer wieder für russische Militäraktivitäten zur Verfügung. Gleichzeitig versucht Lukaschenko seit Monaten, eine direkte Beteiligung belarussischer Truppen am Krieg zu vermeiden. Beobachter sehen darin den Versuch, das eigene Land nicht noch tiefer in den Konflikt hineinzuziehen.
Bedeutung für den Drohnenkrieg
Relaisstationen können bei der Steuerung und Navigation von Drohnen eine entscheidende Rolle spielen. Im modernen Drohnenkrieg sind solche Anlagen oft ebenso wichtig wie die Drohnen selbst. Werden sie ausgeschaltet, können Reichweite, Zielgenauigkeit oder Einsatzmöglichkeiten erheblich eingeschränkt werden. Bei den von Selenskyj erwähnten Anlagen geht es vermutlich um Kommunikations- oder Funkrelais, die russische Drohnen bei Einsätzen gegen die Ukraine unterstützen. Dadurch können Drohnen möglicherweise über größere Entfernungen gesteuert werden oder eine stabilere Verbindung zu ihren Operatoren halten.
Ob die russischen Streitkräfte durch den Ausfall der Anlagen tatsächlich beeinträchtigt werden, ist derzeit unklar. Unabhängige Bestätigungen für Selenskyjs Angaben fehlen. Weder die belarussische Führung noch russische Stellen haben sich öffentlich zu dem Vorgang geäußert. Auch die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Aussagen zunächst nicht verifizieren.
Ausweitung des Krieges
Fest steht jedoch: Der Vorfall macht deutlich, wie sehr sich der Krieg inzwischen über die eigentlichen Frontlinien hinaus ausdehnt. Nicht nur Soldaten und Waffen geraten ins Visier, sondern auch technische Infrastruktur in Nachbarstaaten – und damit die Länder, die Russlands Krieg indirekt unterstützen. Sollte Minsk die Relaisstationen tatsächlich auf ukrainischen Druck hin abgeschaltet haben, wäre das ein bemerkenswerter Vorgang. Er würde zeigen, dass Belarus trotz seiner engen Bindung an Moskau eigene Risiken abwägt – insbesondere die Gefahr, selbst zum Ziel ukrainischer Angriffe zu werden.



