Petersberger Klimadialog: Merz bezieht Stellung zur Energiekrise und Klimapolitik
Beim Petersberger Klimadialog in Berlin steht unvermittelt die weltweite Lieferkrise bei fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas im Mittelpunkt. Bundeskanzler Friedrich Merz wird als Hauptredner zum Abschluss der hochrangigen Konferenz erwartet, um zur deutschen Klimapolitik Stellung zu beziehen.
Hintergrund der Konferenz und Teilnehmer
Begonnen hatte der Petersberger Klimadialog bereits am Dienstag auf Einladung von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). Etwa 30 Staaten beraten über den internationalen Klimaschutz und den Umstieg von klimaschädlichen Energien wie Öl, Gas oder Kohle auf erneuerbare Quellen. Die Konferenz dient auch der Vorbereitung des nächsten Weltklimagipfels in der Türkei im November.
Zur Schlussrunde werden neben Merz auch der Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, sowie Vertreter der Wirtschaft erwartet. Manager der Salzgitter AG, des Baustoffkonzerns Cemex und der International Investors Group on Climate Change sollen darlegen, welche Rahmenbedingungen aus ihrer Sicht für eine erfolgreiche Klimapolitik nötig sind.
Energiekrise als Beschleuniger der Energiewende
Wegen der Auswirkungen des Iran-Kriegs und der stark gestiegenen Preise für Öl und Gas forderte Bundesumweltminister Schneider eine schnelle Energiewende. Er betonte, dass die Klimapolitik Lösungen liefere, um die Abhängigkeit von Importen zu verringern. „Längst gebe es mit erneuerbaren Energien, Elektromobilität und Wärmepumpen gute Gegenmittel“, sagte Schneider. Die fossile Energiekrise werde als Beschleuniger wirken.
Unstimmigkeiten in der deutschen Klimapolitik
Deutschland hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt: Bis 2030 sollen 65 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen werden als 1990, bis 2045 soll das Land klimaneutral sein. Zugleich plant die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD, strikte EU-Vorgaben für Autos mit Verbrennermotor zu lockern und mehr Spielraum für Heizungen mit fossilen Brennstoffen zu lassen. In der Regierung gibt es Unstimmigkeiten über Tempo und Förderung der erneuerbaren Energien.
Die Grünen kritisieren diese Pläne scharf. Parteichef Felix Banaszak warf in der „Rheinischen Post“ vor, dass Schneider von seiner eigenen Bundesregierung kaltgestellt werde. „Wir können nicht der Welt etwas von Klimapartnerschaften erzählen, während Kanzler Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche im eigenen Land die Klima-Erfolge der letzten Jahre innerhalb weniger Monate abreißen wollen“, sagte Banaszak.
Schneiders Verteidigung der Regierungspolitik
Schneider selbst verteidigte die Klima- und Energiepolitik der Bundesregierung. In seinem Klimaschutzprogramm seien acht Milliarden Euro zusätzlich für die nächsten Jahre vorgesehen. Die Änderungen beim Verbrenner bedeuteten, dass statt 100 Prozent Elektrifizierung bei Autos 2035 nur 97 erreicht würden – damit könne er leben. Bei Heizungen bleibe wegen des steigenden CO2-Preises das Signal: „Steig um.“ Beim Gebäudemodernisierungsgesetz werde es einen starken Mieterschutz geben, erklärte Schneider.
Merz‘ frühere Positionen und Erwartungen
Merz hatte beim Klimagipfel im brasilianischen Belém im November 2025 eine Rede zur internationalen Klimapolitik gehalten. Dort betonte er, Deutschland stehe zu den nationalen und europäischen Klimazielen. „Um diese zu erreichen, setzen wir auf Innovation und auf Technologie, wenn es darum geht, Wettbewerbsfähigkeit mit Klimaschutz und sozialer Ausgewogenheit zu verbinden“, sagte er damals. Seine heutige Rede wird mit Spannung erwartet, da sie klare Signale zur Bewältigung der Energiekrise und zur Zukunft der deutschen Klimapolitik geben soll.



