Tierhaltungslogo kommt auf Speisekarten: Mehr Transparenz in Restaurants
Tierhaltungslogo für Restaurants: Mehr Transparenz bei Fleisch

Tierhaltungslogo soll auf Speisekarten kommen

In deutschen Restaurants, Kantinen und Imbissen könnte schon bald mehr Klarheit über die Herkunft von Fleischprodukten herrschen. Die schwarz-rote Koalition plant eine Ausweitung der staatlichen Tierhaltungskennzeichnung auf die Gastronomie. Bisher fehlen bei Gerichten wie Schnitzel, Steak oder Bratwurst meist jegliche Informationen darüber, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden.

Fünfstufiges System für mehr Transparenz

Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) hat einen Entwurf vorgelegt, der das bestehende Gesetz zum Tierhaltungslogo grundlegend überarbeitet. Kern des Vorhabens ist die Einführung eines einheitlichen Kennzeichnungssystems mit fünf Stufen – von der Basisstufe „Stall“ mit gesetzlichen Mindestanforderungen bis zur Premiumkategorie „Bio“. Dieses System, das bereits für den Lebensmitteleinzelhandel entwickelt wurde, soll nun auch in der Außer-Haus-Verpflegung Anwendung finden.

„In der Außer-Haus-Verpflegung gibt es üblicherweise nur wenige bis keine Informationen zu den Haltungsbedingungen der Tiere“, heißt es im Referentenentwurf des Ministeriums. Die geplante Kennzeichnung soll Verbrauchern ermöglichen, „eine informierte Kaufentscheidung“ zu treffen, indem sie Kriterien wie Platzangebot und Frischluftzufuhr im Stall transparent macht.

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Praktische Umsetzung in der Gastronomie

Die Umsetzung in der Gastronomie stellt besondere Herausforderungen dar, da Speisekarten regelmäßig aktualisiert werden müssen. Das Ministerium schätzt, dass etwa 100.000 Gaststätten betroffen sein werden. Restaurants beziehen ihr Fleisch typischerweise wöchentlich und haben oft langfristige Verträge mit Lieferanten, um konstante Qualität und günstige Preise zu sichern. Daher müssen Angaben in Speisekarten oder Preistafeln durchschnittlich einmal pro Woche angepasst werden.

Zur Erleichterung der Umsetzung sind verschiedene Kennzeichnungsmöglichkeiten vorgesehen:

  • Klassische Speisekarten zum Blättern
  • Digitale Menüanzeigen
  • Hinweise an der Theke mit der Möglichkeit, Haltungsformen auf Anfrage einzusehen

Ausgenommen von der Kennzeichnungspflicht sind „eher getränkegeprägte Gastronomiebetriebe“ sowie Gaststätten, die keine Schweinefleischgerichte anbieten. Auch bei verarbeiteten Produkten wie Bolognese-Sauce, Tortellini oder Maultaschen muss das enthaltene Fleisch nicht gesondert gekennzeichnet werden.

Neue Gestaltung und erweiterter Geltungsbereich

Der Gesetzesentwurf sieht neben der Ausweitung auf die Gastronomie auch eine optische Überarbeitung des Logos vor. Es bleibt in Schwarz-Weiß gehalten, zeigt aber in einem schmaleren, abgerundeten Rechteck nun den Schriftzug „Staatliche Tierhaltungskennzeichnung“ in Großbuchstaben. Die jeweilige Haltungsstufe wird durch einen fettgedruckten Haken in einem Kreis markiert.

Ein wichtiger neuer Aspekt ist die Möglichkeit, Fleisch mit der Angabe „mindestens“ aus einer bestimmten Haltungsform zu kennzeichnen. Dies gibt Anbietern mehr Flexibilität beim Abverkauf von Ware und entspricht Forderungen der Branche. Zudem soll die Kennzeichnung erstmals auch für importiertes Fleisch aus dem Ausland gelten – ein Schritt, der bisher aufgrund europarechtlicher Bedenken zurückgestellt wurde.

Starttermin und politischer Hintergrund

Der Start der staatlichen Tierhaltungskennzeichnung wurde mehrfach verschoben – ursprünglich von der Ampel-Koalition für August 2025 geplant, dann auf Anfang 2027 verlegt. In Supermärkten gibt es bereits seit 2019 eine freiwillige Kennzeichnung der Handelsketten, die ebenfalls das fünfstufige System verwendet und Fleisch von Schwein, Rind und Geflügel umfasst.

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten begrüßt die geplante Ausdehnung auf die Gastronomie als wichtigen Schritt. „Große Fleischmengen würden bisher komplett ungekennzeichnet in der Gastronomie verkauft“, betont die Organisation. Sie fordert jedoch, dass die Kennzeichnung deutlich sichtbar und dem jeweiligen Gericht eindeutig zugeordnet sein muss – nicht versteckt in einer Fußnote auf der letzten Seite der Speisekarte.

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Mit den neuen Plänen will die Koalition die lange politische Blockade bei der Tierhaltungskennzeichnung überwinden und Verbrauchern mehr Transparenz bieten – nicht nur im Supermarkt, sondern auch beim Restaurantbesuch.