Vierter Tag der Walrettung: Initiative drängt auf schnellen Transport – auch nachts
Vor der Insel Poel in der Ostsee erreicht die Rettungsaktion für einen gestrandeten Buckelwal ihren vierten Tag. Die private Initiative, finanziert von Mediamarkt-Gründer Walter Gunz und Unternehmerin Karin Walter-Mommert, bereitet den Transport des geschwächten Tieres in die Nordsee vor. Nach Verzögerungen durch bürokratische Hürden könnte der Transport nun sogar spätabends oder nachts starten, wie Gunz gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärte. „Wir haben einen Tag verloren und wollen keine Zeit mehr verschwenden“, betonte er. Der etwa zwölf Meter lange Wal liegt seit Ende März in der Bucht und hat bundesweit Anteilnahme ausgelöst.
Plan der Rettungsinitiative: Luftkissen und Schlepper im Einsatz
Das Konzept der Initiative sieht vor, den Schlick unter dem Wal wegzuspülen, um ihn mit Luftkissen anzuheben. Anschließend soll das Tier auf einer Plane zwischen zwei Schwimmkörpern von Schleppern in die Nordsee gezogen werden. Der Schlepper „Robin Hood“ ist bereits im Hafen von Wismar eingetroffen und könnte den Wal bei einer Geschwindigkeit von zwei bis vier km/h über etwa 100 Stunden bis zur Nordspitze Dänemarks transportieren. Walter Gunz zeigt sich optimistisch: „Unser Wal-Flüsterer Sergio Bambaren hat einen tollen Kontakt zum Tier aufgebaut“. Bambaren, ein Schriftsteller, der als „Wal-Flüsterer“ bezeichnet wird, soll eine positive Beziehung zum Wal entwickelt haben und dessen Gesundheitszustand als stabil einschätzen.
Kritik von Experten und Behörden: Skepsis bleibt bestehen
Trotz der Bemühungen der Initiative bleiben Experten und Behörden skeptisch. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace äußerte deutliche Zweifel an den Überlebenschancen des Wales. Ein Sprecher sagte: „Die Chancen, dass er in der Nordsee landet und frei schwimmt, sind gering“. Auch die Band Santiano, Botschafter der UN-Ozeandekade, sprach sich in einem Statement gegen weitere Rettungsversuche aus und warnte vor einer Verlängerung des Leidens. Das Schweriner Umweltministerium unter Till Backhaus (SPD) duldet die Aktion, hat sie aber nicht genehmigt. Eine Sprecherin wies pauschale Behördenkritik zurück: „Wir sind hochgradig flexibel, aber es gibt Grenzen“. Die Behörden bestehen auf Abstimmungen, etwa bei Eingriffen direkt am Tier.
Ablauf der Rettungsaktion: Vorbereitungen und Herausforderungen
Am Sonntagmorgen begannen die Helfer mit der Ausbreitung des Transportnetzes, um den Wal daran zu gewöhnen. Ein Bagger auf einer Schwimmplattform arbeitete daran, Schlamm aus der geplanten Fahrrinne zu entfernen. Allerdings erwies sich der Grund unter dem Schlick als härter als angenommen, was zu weiteren Verzögerungen führte. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist mit fünf Booten und etwa 20 Kräften vor Ort, um das Einsatzpersonal zu sichern. Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert, die an der Aktion beteiligt ist, äußerte sich vorsichtig optimistisch: „Es besteht eine reelle Chance, dass er das gut schafft“. Sie wies darauf hin, dass Buckelwale im Winter wenig Nahrung benötigen, betonte aber, dass das Tier in seinem „Gefängnis“ leide.
Öffentliche Reaktionen und ethische Debatten
Die Rettungsaktion hat eine breite öffentliche Debatte ausgelöst. Der Deutsche Ethikrat wies darauf hin, dass das Drama bei einigen Menschen ein Gefühl der Handlungsfähigkeit statt Ohnmacht auslöse. Viele Schaulustige reisten aus ganz Deutschland an, darunter Ali T. aus Hannover, der eine fünfstündige Fahrt auf sich nahm: „Ich finde das spektakulär und hoffe auf eine Rettung“. Gleichzeitig machen Verschwörungstheorien die Runde, und einige Anwohner klagen über Störungen durch den erhöhten Verkehr und Medienrummel. Die Fraktionen im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern äußerten sich unterschiedlich: Die AfD kritisierte den Sinneswandel des Ministers, während die Grünen auf fachliche Expertise pochten.
Ausblick: Ungewisse Zukunft für den Buckelwal
Die nächsten Stunden werden entscheidend sein. Die Initiative hofft, den Wal bald transportieren zu können, während Kritiker wie Greenpeace und Santiano vor einem qualvollen Ende warnen. Umweltminister Backhaus betonte, dass auch die Wissenschaft sich irren könne, und unterstützt die Chance auf Rettung. Unabhängig vom Ausgang hat die Aktion bereits jetzt die Aufmerksamkeit auf den Schutz der Meere und den Umgang mit gestrandeten Tieren gelenkt. Die Region bleibt in Atem, während die Helfer gegen die Zeit und die Naturgewalten ankämpfen.



