Versenkung der „Goya“: Wrack liegt noch immer auf dem Grund der Ostsee – 7000 Menschen starben
Versenkung der „Goya“: Wrack liegt noch immer in der Ostsee

Versenkung der „Goya“: Wrack liegt noch immer auf dem Grund der Ostsee – 7000 Menschen starben bei Schiffskatastrophe

In der Nacht zum 16. April 1945 sank die „Goya“ binnen sieben Minuten in der Ostsee. Erst nach fast 60 Jahren wurde das Wrack in der Ostsee entdeckt – und liegt dort bis heute. Als der Frachter in jener schicksalhaften Nacht sank, blieben für Tausende Menschen nur wenige Minuten. Das Schiff war mit Verwundeten, Soldaten und Flüchtlingen überfüllt, als zwei Torpedos es trafen. Mehr als 7000 Menschen starben, nur 176 überlebten.

Der Jahrestag einer historischen Katastrophe

Der Jahrestag erinnert an eine Katastrophe, die zu den größten Schiffsunglücken der Geschichte zählt. Die „Goya“ war kein Passagierschiff, sondern ein Frachter – ursprünglich gebaut für Ladung, nicht für Tausende Menschen auf der Flucht. Gerade diese Bauart erklärt, warum der Untergang in so kurzer Zeit so viele Menschenleben forderte. Das Schiff verfügte nicht über ausreichende Rettungsmittel oder bauliche Sicherungen für eine solche Anzahl an Passagieren.

Vom norwegischen Frachter zum deutschen Fluchtschiff

Die „Goya“ war ein schnelles norwegisches Frachtschiff der Reederei A/S J. Ludwig Mowinckels Rederi in Bergen. Sie wurde in Oslo gebaut und am 4. April 1940 in Dienst gestellt. Benannt war das Schiff nach dem spanischen Maler Francisco de Goya. Nach der deutschen Besetzung Norwegens wurde die „Goya“ von der Kriegsmarine beschlagnahmt. Zunächst diente sie als Truppentransporter, später als Zielschiff bei einer U-Boot-Ausbildungseinheit in Memel.

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Erst in den letzten Kriegsmonaten wurde sie für die Evakuierung aus den deutschen Ostprovinzen eingesetzt. Bis Februar 1945 war sie unbewaffnet unterwegs gewesen, dann erhielt sie eine kleine Flugabwehrbewaffnung und eine militärische Besatzung. Im Frühjahr 1945 war die Lage in Ostpreußen, Westpreußen und Pommern zusammengebrochen. Die Rote Armee war weit vorgedrungen, Landwege waren abgeschnitten oder lebensgefährlich. Für viele blieb nur noch der Weg über die Ostsee.

Die Massenevakuierung über das Meer

Die Kriegsmarine organisierte in diesen Monaten eine Massenevakuierung. Schiffe aller Art brachten Menschen nach Westen. Die „Goya“ hatte vor ihrer letzten Fahrt bereits vier Evakuierungsfahrten hinter sich und dabei 19.785 Menschen aus dem Osten herausgebracht. Auf der fünften Fahrt sollte sie erneut Verwundete, Zivilisten und Soldaten aufnehmen. Ausgangspunkt der letzten Fahrt war die Halbinsel Hela an der Danziger Bucht.

Dort drängten sich im April 1945 Tausende Menschen, die auf einen Platz an Bord hofften. Die „Goya“ sollte verwundete Soldaten, flüchtende Zivilisten und 200 Angehörige des Panzerregiments 35 aus Westpreußen aufnehmen. Wie viele Menschen schließlich an Bord kamen, lässt sich nicht mehr genau feststellen. Der verantwortliche Zahlmeister zählte allein am Fallreep mehr als 7000 Personen. Passagierlisten im heutigen Sinn gab es nicht. Das Schiff war damit weit überbelegt.

Ein überfülltes Schiff mit fatalen Konsequenzen

Die Bauart des Schiffs verschärfte die Lage erheblich. Die „Goya“ war ein Frachter, kein Passagierdampfer. Die Menschen wurden in Laderäumen, Gängen und auf dem Deck untergebracht. Es gab nicht genug Platz, nicht genug Zugänge, nicht genug Rettungsmittel für diese Zahl an Bord. Zeitzeugen schilderten dicht gedrängte Räume, in denen Menschen mit ihren wenigen Habseligkeiten saßen oder lagen.

Unter Deck befanden sich Verwundete, viele von ihnen transportfähig nur im allernötigsten Sinn. Zwischen Taschen, Koffern und Bündeln warteten Familien, Soldaten und Verletzte auf die Abfahrt. Schon vor dem Auslaufen war klar, dass dieses Schiff zwar viele Menschen mitnehmen konnte – aber kaum Möglichkeiten bot, sie im Notfall schnell zu retten.

Vorschäden und verhängnisvolle Verzögerungen

Schon während der Beladung wurde Hela beschossen. Gegen 8.30 Uhr traf eine Fliegerbombe die „Goya“ im vorderen Drittel. Sie riss ein Loch in das Oberdeck und zerstörte die MES-Anlage, also den Mineneigenschutz des Schiffes und das U-Boot-Ortungsgerät. Der Schaden hatte unmittelbare Folgen. Die „Goya“ – eigentlich schneller als jedes U-Boot – konnte nicht mehr unabhängig und mit ihrer möglichen Geschwindigkeit laufen, sondern musste sich einem Geleitzug anschließen.

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Damit war sie an langsamere Schiffe gebunden und verlor einen Teil ihres wichtigsten Vorteils: das Tempo. Gegen 19 Uhr lief der Konvoi aus. Zu ihm gehörten die „Goya“, der Dampfer „Kronenfels“ und der Wassertanker „Ägir“. Gesichert wurden sie von den Minensuchbooten M 256 und M 328. Der Geleitzug fuhr völlig abgedunkelt. Selbst das Rauchen an Bord war verboten.

Das Tempo bestimmte die „Kronenfels“, die nur rund neun Knoten schaffte. Für die Menschen an Bord bedeutete das eine langsame Fahrt durch die dunkle Ostsee. Zunächst war Swinemünde das Ziel, später kam ein neuer Befehl: Der Konvoi sollte nach Kopenhagen laufen. Kurz nach dem Kurswechsel trat ein weiterer Zwischenfall ein. Die „Kronenfels“ erlitt einen Maschinenschaden, der den ganzen Geleitzug zu einem etwa 20-minütigen Stopp zwang. Erst nach einer Reparatur mit Bordmitteln setzte der Verband seine Fahrt fort.

Der tödliche Angriff und der schnelle Untergang

Wenig später griff das sowjetische U-Boot L-3 unter Kapitänleutnant Wladimir Konowalow an. Um 23.52 Uhr feuerte es vier Torpedos auf die „Goya“. Zwei trafen das Schiff. Einer schlug im Bereich des Vorschiffs ein und beschädigte den Kiel schwer, der zweite traf mittschiffs. Damit war das Schicksal des Schiffs entschieden. Als Frachter verfügte die „Goya“ nicht über bauliche Sicherungen, wie sie Kriegsschiffe teilweise hatten.

Das Wasser drang schnell ein, das Schiff bekam Schlagseite und sank binnen sieben Minuten. In den unteren Bereichen des Schiffs blieben Menschen in den dicht belegten Räumen eingeschlossen. Die wenigen Wege nach oben wurden sofort zu Engstellen. Wer verwundet war oder sich in den überfüllten Laderäumen befand, hatte kaum eine Chance, rechtzeitig an Deck zu kommen.

Panik und die Kälte der Ostsee

Mit den Treffern begann an Bord eine Kettenreaktion. Erschütterungen, Dunkelheit, eindringendes Wasser und das Gedränge auf engem Raum machten jede geordnete Flucht nahezu unmöglich. Menschen drängten gleichzeitig zu den Treppen und Ausgängen. Dort stauten sich die Flüchtenden, während das Schiff bereits zur Seite kippte. Viele starben wahrscheinlich schon in den unteren Decksbereichen, weil Räume vollliefen oder Ausgänge versperrt wurden.

Andere erreichten noch das Oberdeck, standen dort aber vor dem nächsten Problem: Es gab nur wenige Rettungsmöglichkeiten, und die Zeit lief ab. Selbst wer das sinkende Schiff verlassen konnte, war noch längst nicht gerettet. Die Ostsee hatte in jener Nacht nur etwa drei Grad Celsius. Menschen sprangen ins Wasser oder klammerten sich an treibende Teile, Kisten oder Flöße.

Doch in dieser Kälte setzte Unterkühlung sehr schnell ein. Nur ein einziges Rettungsboot konnte noch rechtzeitig ins Wasser gelassen werden, aber es kenterte sofort, weil sich zahllose Ertrinkende an der Bordwand festklammerten. Die Begleitschiffe verließen zunächst die unmittelbare Gefahrenzone und kehrten dann zur Suche zurück. Aus dem Wasser konnten nur wenige Schiffbrüchige geborgen werden.

Das Seekriegsgrab auf dem Meeresboden

Nach einer Aufstellung des Begleitschiffs M 328 wurden zunächst 157 Menschen lebend aufgenommen, von denen neun später an Unterkühlung starben. Im Laufe des 17. April kamen weitere Gerettete hinzu. Daraus ergibt sich die heute oft genannte Zahl von 176 Überlebenden. Die genaue Zahl der Opfer lässt sich bis heute nicht sicher bestimmen, weil die Zahl der Passagiere nicht vollständig dokumentiert wurde.

Fest steht jedoch, dass mehr als 7000 Menschen starben. Der Untergang der „Goya“ gehört damit zu den schwersten Katastrophen der Seefahrtsgeschichte. Das Wrack wurde erst 2002 in 76 Metern Tiefe entdeckt. Spätere Berichte über unerlaubte Tauchgänge machten erneut deutlich, dass es sich um ein Seekriegsgrab handelt.

Von einem polnischen Taucher stammt die verstörende Schilderung, der Frachtraum des Schiffes habe ausgesehen, als hätte es „nur Knochen und Kinderwagen transportiert“. Diese Beschreibung steht heute als spätes, erschütterndes Bild für das, was in jener Nacht auf der Ostsee geschah. Die „Goya“ liegt bis heute auf dem Grund des Meeres – ein stummes Zeugnis einer der größten Schiffskatastrophen des 20. Jahrhunderts.