Seit mehr als einem Monat treibt der russische Flüssigerdgastanker „Arctic Metagaz“ führerlos im Mittelmeer. Ein erneuter Versuch, das havarierte Schiff abzuschleppen, ist am Mittwoch gescheitert. Wie die libysche Hafen- und Seefahrtbehörde mitteilte, riss ein Schleppkabel aufgrund der schlechten Wetterbedingungen. Das Schiff sei nun „komplett außer Kontrolle“ und treibe nördlich der Küstenstadt Bengasi auf offener See.
Hintergrund der Havarie
Die „Arctic Metagaz“ war Anfang März vor der libyschen Küste nach Explosionen in Brand geraten. Russland macht die Ukraine für den Vorfall verantwortlich und behauptet, das Schiff sei mit Wasserdrohnen angegriffen worden. Die ukrainische Regierung hat sich dazu offiziell nicht geäußert. Die gesamte 30-köpfige Besatzung konnte damals gerettet werden. Seither treibt der Tanker ohne Antrieb und Steuerung durch das Mittelmeer.
Gefahr einer Umweltkatastrophe
An Bord der „Arctic Metagaz“ befinden sich große Mengen Flüssiggas (LNG) sowie Diesel. Sollte es zu einem Leck oder einem größeren Schaden am Rumpf kommen, droht eine schwere Umweltkatastrophe im Mittelmeer. Die libyschen Behörden haben Schiffe in der Region aufgefordert, das Gebiet mit äußerster Vorsicht zu passieren und einen Mindestabstand von fünf Seemeilen einzuhalten. Jegliche Anzeichen von Gaslecks, Rauch oder Veränderungen im Auftrieb des Schiffes sind umgehend zu melden.
Technische Daten und Wert der Ladung
Der Tanker ist 277 Meter lang und 43 Meter breit. Er wurde vor 23 Jahren unter dem Namen „Berge Everett“ für eine norwegische Reederei gebaut. In seinen vier riesigen Tanks kann das Schiff Erdgas transportieren, das auf etwa minus 162 Grad Celsius heruntergekühlt wird, um es als LNG platzsparend zu verschiffen. Der Wert der Ladung an Bord wird auf viele Millionen Euro geschätzt.
Fehlalarm und ungewisse Zukunft
Kurzzeitig war der libysche Seenotrettungsdienst davon ausgegangen, dass die „Arctic Metagaz“ gesunken sei. Diese Information stellte sich jedoch als falsch heraus. Wie es nun mit dem Geisterschiff weitergehen soll, ist völlig unklar. Bergungsexperten haben verschiedene Optionen vorgeschlagen, darunter einen erneuten Schleppversuch bei besserem Wetter oder die kontrollierte Evakuierung der Ladung auf See. Die Behörden stehen vor der schwierigen Aufgabe, eine weitere Eskalation der Lage zu verhindern.



