Buckelwal Timmy vor Wismar: Warum Fütterung keine Lösung für den gestrandeten Wal ist
Buckelwal Timmy: Warum Fütterung keine Lösung ist

Buckelwal Timmy: Seit Wochen in der Ostsee gestrandet

Seit rund vier Wochen kämpft Buckelwal Timmy vor der Küste Wismars um sein Überleben. Das etwa zwölf Meter lange Tier strandet immer wieder in den flachen Gewässern der Ostsee, schafft es zeitweise ins freie Wasser – und schwimmt dann erneut fest. Die anstrengenden Rettungsversuche kosten den geschwächten Wal viel Energie. Viele besorgte Beobachter fragen sich: Könnte man Timmy nicht einfach füttern, um ihm mehr Kraft zu geben?

Biologische Besonderheiten der Buckelwale

Die Idee erscheint zunächst logisch: mehr Nahrung, mehr Energie. Doch Expertin Bianca König von Whale and Dolphin Conservation (WDC) erläutert, warum dies bei Buckelwalen nicht funktioniert. „Buckelwale gehören zu den wandernden Walarten“, erklärt König. „Sie verbringen unsere Wintermonate in den warmen Gewässern der Karibik, wo sie sich paaren und ihre Jungen gebären. In dieser gesamten Zeit nehmen sie keine Nahrung zu sich.“

Erst wenn die Wale in den Sommermonaten in die kalten Gewässer des Nordatlantiks zurückkehren, beginnen sie wieder mit der Jagd. Wochen- oder sogar monatelange Fastenperioden sind für diese Tiere also völlig normal und biologisch vorgesehen.

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Der Blubber als natürlicher Energiespeicher

Hinzu kommt eine weitere Besonderheit: Buckelwale verfügen über eine dicke Fettschicht, den sogenannten Blubber. Diese mehrere Zentimeter starke Schicht dient als Energiereserve, von der die Tiere während ihrer langen Wanderungen zehren. Der Blubber erfüllt gleich mehrere Funktionen:

  • Energiespeicherung für Fastenperioden
  • Kälteschutz in kalten Gewässern
  • Stabilisierung des Körperbaus

Ein Buckelwal ist somit biologisch darauf ausgelegt, lange Zeit ohne Nahrungsaufnahme auszukommen. Ein vorübergehender Nahrungsmangel stellt für diese Tiere nicht automatisch eine lebensbedrohliche Situation dar.

Praktische und gesundheitliche Hürden

Doch selbst wenn eine Fütterung theoretisch möglich wäre, gibt es zahlreiche praktische und gesundheitliche Gründe, die dagegen sprechen. „Den Buckelwal in der Ostsee zu füttern, wird nichts an seinem Gesundheitszustand ändern“, betont Bianca König. „Hier spielen viele andere Faktoren eine Rolle.“

Mögliche Probleme, die durch Fütterung nicht gelöst werden könnten:

  1. Verfangen in Fischereinetzen im Maul oder Verdauungstrakt
  2. Hautverletzungen und Infektionen
  3. Irreversible Organschäden durch lange Strandungszeit
  4. Folgen möglicher Schiffskollisionen

Auch praktisch ist eine Fütterung kaum umsetzbar. „Ein Futterangebot mit totem Fisch würde der Buckelwal wahrscheinlich ignorieren“, so König. „Lebendiger Fisch würde einfach wegschwimmen, bevor der Wal ihn fangen könnte.“

Natürliches Jagdverhalten als Hindernis

Buckelwale jagen normalerweise im offenen Meer mit einer speziellen Technik: Sie treiben Fischschwärme zusammen und schießen dann mit weit geöffnetem Maul durch die Beuteansammlung. Einzelne Fische im flachen Ostseewasser entsprechen nicht diesem natürlichen Jagdverhalten und würden den Wal wahrscheinlich nicht zum Fressen animieren.

Rettungsplan setzt auf technische Lösungen

Die Rettungsteams setzen daher weiterhin auf technische Lösungen statt auf Fütterungsversuche. Der aktuelle Rettungsplan sieht mehrere Schritte vor:

  • Taucher sollen Leinen unter Timmys Körper durchziehen
  • Eine spezielle Plane soll unter dem Wal platziert werden
  • Luftkissen sollen den Wal anheben
  • In einem Netz zwischen Pontons fixiert soll Timmy vom Schlepper „Robin Hood“ Richtung Nordsee gezogen werden

Ob dieser aufwendige Rettungsplan Erfolg hat, hängt nicht davon ab, ob Timmy frisst, sondern ob sein geschwächter Körper die anstrengende Prozedur noch verkraften kann. Die Hoffnung der Helfer liegt in der schonenden Befreiung des Wales aus den flachen Gewässern und seinem sicheren Transport zurück in seinen natürlichen Lebensraum.

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