Rettungsaktion für gestrandeten Buckelwal vor Poel: Plan B aktiviert, Geldgeber pessimistisch
Der Fortgang der geplanten Rettungsaktion für den vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gestrandeten Buckelwal ist weiterhin ungewiss. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei Wismar hat sich das Tier über Nacht zwar minimal bewegt, verharrt jedoch weiterhin an nahezu derselben Stelle in der Wismarbucht vor der Insel Poel. Während Vertreter der privaten Rettungsinitiative vor Ort zuletzt von einem guten Fortschritt und einem eingehaltenen Zeitplan sprachen, äußerte sich einer der Hauptfinanziers der Aktion nun deutlich pessimistischer.
Geldgeber Walter Gunz sieht Rettungskonzept gefährdet
Walter Gunz, Mitgründer von Mediamarkt und gemeinsam mit der Unternehmerin Karin Walter-Mommert Geldgeber der Rettungsaktion, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, der gestiegene Wasserstand mache das ursprüngliche Vorhaben unmöglich. „Gestern hätten wir die richtige Wasserhöhe noch gehabt“, sagte Gunz. „Heute haben wir plötzlich 70 Zentimeter mehr.“ Diese Veränderung stelle eine völlig neue Situation dar und verhindere das Anbringen der Pontons sowie das geplante Begleiten des Wals.
Gunz betonte, der Wal nehme wahr, dass er frei sei, was die Frage aufwerfe, ob sich das Tier überhaupt noch führen lasse. Das langfristig entwickelte Konzept sei somit nicht mehr umsetzbar. „Jetzt sind wir quasi irgendwo Stunde null“, resümierte er. Zusätzlich könne auffrischender Wind, der für die kommenden Tage erwartet wird, die Rettungsbemühungen weiter erschweren.
Der Unternehmer kritisierte zudem bürokratische Verzögerungen, die die Aktion um etwa eineinhalb bis zwei Tage zurückgeworfen hätten. „Jetzt brauchen wir ein Wunder“, äußerte Gunz resigniert. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) wies diese Vorwürfe in einer Stellungnahme auf Poel zurück. Die Behörden hätten schnell und flexibel reagiert, betonte er. Das Umweltministerium des Landes beobachtet die Aktion und stimmt sich eng mit den zuständigen Behördenvertretern ab.
Plan B: DLRG-Boote in Bereitschaft für mögliches Freischwimmen
Der ursprüngliche Rettungsplan sah vor, eine Plane unter den festsitzenden Wal zu ziehen und an Pontons zu befestigen, die von einem Schlepper gezogen werden sollten. Auf diese Weise sollte das Tier in die Nordsee und möglichst bis in den Atlantik transportiert werden. Die Vorbereitungen hierfür laufen bereits seit Donnerstag. Die Plane liegt nach Behördenangaben bereits im Wasser und ist für den Wal sichtbar. Am Sonntag wurde zudem eine Rinne vom tieferen Wasser in Richtung des Wals geschaffen, indem Schlick abgesaugt wurde.
Vertreter der Initiative vor Ort berichteten zuvor von positiven Reaktionen und viel Lebensenergie des Wals. Sie schlossen nicht aus, dass sich der etwa zwölf Meter lange Meeressäuger aus eigener Kraft befreien könnte. Für diesen Fall ist ein Plan B vorgesehen. „Das heißt, die DLRG-Boote sind auf Stand-by, dass für den Fall, dass er losschwimmt, wir ihn dann guiden können“, erläuterte Rechtsanwältin Constanze von der Meden. „Und es ist sichergestellt, dass wir ihn dann auch bis in die Nordsee und dann über die Nordsee in den Atlantik leiten können.“ Zwischen dem Hafen in Kirchdorf und dem vor Poel liegenden Wal waren zuletzt DLRG-Boote im Einsatz, die auch der Sicherung des Personals dienten.
Der Wal hatte sich in der Vergangenheit bereits einmal selbst befreien können, sich dann jedoch erneut festgesetzt.
Wal seit Anfang März in der Ostsee unterwegs
Seit Anfang März war der Buckelwal wiederholt an der Ostseeküste gesichtet worden, zunächst im Hafen von Wismar, später in der Lübecker Bucht und an der Küste bei Steinbeck im Kreis Nordwestmecklenburg. Experten zufolge hatte sich das Tier mehrfach in Netzen verfangen. Einsatzkräfte und Meeresschützer der Organisation Sea Shepherd konnten es von einem Teil des Materials befreien. Vor Poel hat sich der Wal nun zum dritten Mal festgesetzt.
Messungen des Umweltministeriums ergaben, dass der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch ist. Das geschwächte Tier liegt bereits seit 21 Tagen in der Wismarbucht vor der Insel Poel.
GPS-Sender und tierärztliche Betreuung im Fokus
Umweltminister Till Backhaus gab fast zeitgleich zur Pressekonferenz der privaten Initiative eine eigene Pressekonferenz. Nach seinen Worten geht es dem Wal unter den gegebenen Umständen „einigermaßen“ gut. „Er lebt, er atmet“, so Backhaus. Der Wal stehe unter der Kontrolle von fünf Tierärzten, drei von der privaten Rettungsinitiative und zwei von der staatlichen Veterinärverwaltung. „Er signalisiert, er vokalisiert und er zeigt auch Aktionen.“
Falls der Buckelwal befreit werden oder sich selbst befreien kann, könnte das Tier mit einem GPS-Sender ausgestattet werden. „Es wird jetzt im Übrigen auch noch geprüft, ob wir ihm einen GPS-Sender verabreichen, wenn ich das mal so sagen darf, also aufkleben“, betonte Backhaus. Eine solche Ausstattung mache durchaus Sinn, um den Aufenthaltsort des Wals genau verfolgen zu können, da dieser für längere Zeit abtauchen könne.
Tierärztin zeigt sich zuversichtlich trotz Kritik
Die leitende Tierärztin der Initiative, Janine Bahr-van Gemmert, äußerte sich optimistisch zum Zustand des Wals. „Er atmet deutlich tiefer ein. Das ist ein gutes Zeichen“, sagte sie. Gemeinsam mit zwei weiteren Veterinären sei sie bei dem Wal gewesen. „Dass das ein Tier ist, das nicht in den letzten Zügen liegt, haben wir gesehen.“
Bedenken, dass ein Rettungsversuch dem Tier weiteren Schaden zufügen könnte, wies sie entschieden zurück. „Wir sind nicht hier, um irgendeinem Tier weiteres Leiden zuzufügen“, betonte sie. Vielmehr gehe es darum, den Wal aus seinem „Gefängnis“ zu befreien. Kritik von Wissenschaftlern und anderen Fachleuten an der Aktion wies Bahr-van Gemmert zurück: „Diese Leute haben diesen Wal ja nicht gesehen. Wir haben ihn vor Ort gesehen.“ Zuvor waren sich Wissenschaftler, Behördenvertreter und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen einig, dass der Wal Ruhe benötige und weitere Eingriffe massive Schäden verursachen könnten. Der Buckelwal sei orientierungslos und so geschwächt, dass er die Heimreise wahrscheinlich nicht überstehen werde.
Am vierten Tag der Rettungsaktion wurden weitere Maßnahmen ergriffen, darunter die bereits erwähnte Schlickabsaugung zur Schaffung einer Rinne. Die Situation bleibt angespannt, während alle Beteiligten auf eine Wendung zum Guten hoffen.



