Buckelwal-Drama vor Poel: Experten raten zu Geduld, während die Zeit drängt
Das Drama um den gestrandeten Buckelwal in der Ostsee vor der Insel Poel bei Wismar nimmt weiterhin kein Ende. Nachdem sich das tonnenschwere Tier am Montagmorgen bei steigendem Wasserstand zunächst selbstständig aus der flachen Kirchsee befreien konnte, strandete es nur zwei Stunden später erneut im hüfttiefen Wasser. In der Nacht zum Dienstag näherte sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus gemeinsam mit Fachleuten der Landesfischereiaufsicht dem Wal bis auf etwa 500 Meter. „Der Wal liegt ruhig“, berichtete der SPD-Politiker anschließend der Deutschen Presse-Agentur.
Die schwierige Lage des Wals in der flachen Bucht
Die Helfer hoffen, dass der Buckelwal nach einer nächtlichen Erholungspause erneut losschwimmt und den Weg aus der flachen Bucht findet. Am Abend waren noch einmal Bewegungen des Wals in Richtung der tiefen Fahrrinne zu beobachten, bevor das Tier wieder zur Ruhe kam. Sollte es dem Wal gelingen, sich erneut zu befreien, muss er nach dem Verlassen der Kirchsee in die richtige Richtung schwimmen – nach Nordwesten in Richtung offenes Meer. Mehrere Boote sollen ihm deshalb den Weg nach Osten, in Richtung Wismar, versperren. Dort war der Wal bereits Anfang März im Hafenbecken gesichtet worden.
Walforscher plädieren für Zurückhaltung bei Rettungsversuchen
Doch was geschieht, wenn sich das Tier nicht aus eigener Kraft befreien kann? Der Berliner Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter spricht sich entschieden gegen weitere aktive Rettungsversuche aus. „Wir müssen jetzt endgültig einsehen, dass es für uns nicht möglich ist, diesen Wal aktiv zu retten“, erklärte er. „Wir sollten ihm im Moment nur den größten Gefallen tun, indem wir ihn sein lassen.“ Der Experte ist überzeugt, dass der Wal die ruhende Position im flachen Wasser freiwillig einnimmt, um sich das Leben zu erleichtern. „Er liegt im Wasser, das trägt ihn, das heißt, er erdrückt sich nicht mit seinem eigenen Gewicht. Er muss nicht dafür sorgen, dass er an die Oberfläche kommt. Er braucht sich nicht bewegen, wenn er Schmerzen hat. Und er kann atmen, die ganze Zeit.“
Sinkende Wasserstände erhöhen den Druck
Doch die Zeit wird knapp: Die Wasserstände sollten in der Nacht und am Dienstag sinken. Laut dem Meeresbiologen Boris Culik könnte dies für den rund zwölf Tonnen schweren Wal verheerende Folgen haben. „Wenn er jetzt gemütlich mit dem Bauch auf einer Sandbank liegt und oben guckt das Blasloch raus, alles gut. Aber wenn dann 50 Zentimeter weniger Wasser da sind, dann entwickelt er ein unheimliches Gewicht, das dann auf seinen inneren Organen lastet. Er hat ein ganz schwaches Skelett im Vergleich zu uns.“ Culik betont, dass es höchste Zeit werde, den Wal von der Stelle zu bugsieren.
Wale atmen als Säugetiere mit Lungen über ein oder zwei Blaslöcher auf dem Kopf, die als modifizierte Nasenlöcher dienen. Sie atmen nicht durch das Maul, sondern stoßen beim Auftauchen Luft unter hohem Druck aus. Diese physiologische Besonderheit macht die Situation in der flachen Bucht besonders kritisch, da der Wal regelmäßig an die Oberfläche kommen muss, um zu atmen.



