Holzschädlinge in Eberswalde: Zucht und Prüfung für den globalen Markt
In Eberswalde, Brandenburg, hat sich ein Unternehmen auf die Zucht von Holzschädlingen spezialisiert. Die Materialprüfanstalt Brandenburg GmbH (MPA) züchtet Hausbockkäfer, Nagekäfer, Splintholzkäfer und Termiten, um die Wirksamkeit von Holzschutzmitteln zu testen. Die Kunden kommen aus aller Welt.
Ideale Bedingungen für die Larven
Thomas Kolling von der MPA erklärt, dass die Larven unter kontrollierten Bedingungen optimal gedeihen. In den Laboren herrscht tropisches Klima mit hoher Luftfeuchtigkeit und Wärme. Dadurch verkürzt sich der Entwicklungszyklus der Hausbocklarven auf etwa 14 Monate, während er in der Natur mehrere Jahre dauert. Die Larven fressen sich durch Holzplatten, die in Stahlschränken gestapelt sind. Das feine Bohrmehl, das dabei entsteht, nennt Kolling „Genagsel“.
Prüfverfahren für Holzschutzmittel
Die MPA testet im Auftrag von Herstellern aus aller Welt, wie effektiv Holzschutzmittel sind. Dabei gibt es zwei Hauptverfahren: Entweder werden frisch geschlüpfte Larven auf behandeltes Holz gesetzt, um zu prüfen, ob sie absterben. Oder es wird Holz mit bereits vorhandenen Schädlingen behandelt, und nach einer bestimmten Zeit wird untersucht, ob die Larven tot sind. Diese Tests sind entscheidend für die Qualitätssicherung von Holzschutzprodukten.
Bekämpfung in historischen Gebäuden
Die MPA unterstützt auch bei der Bekämpfung von Schädlingen in Kirchen, Museen und anderen historischen Holzbauwerken. Oft müssen Räume begast werden, um die wertvolle Einrichtung zu schützen. Dafür liefert das Unternehmen sogenannte Prüfbalken, die mit Larven bestückt sind. Diese Balken werden während der Behandlung in den Räumen belassen. Nach der Behandlung öffnen die Experten die Balken und prüfen, ob die Insekten abgestorben sind. So kann der Erfolg der Bekämpfung nachgewiesen werden.
Tradition und Internationalität
Die Wurzeln der MPA reichen bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Schon damals war der Holzschutz in Eberswalde ein wichtiges Forschungsthema, insbesondere für den Verkehrswegebau. In der DDR war die Arbeit im Institut für Forstwissenschaften gebündelt. Nach der Privatisierung in den 2000er Jahren arbeitet die MPA heute als privatwirtschaftliches Labor mit knapp 20 Beschäftigten. Geschäftsführer Robby Wegner betont, dass das Unternehmen heute viel internationaler ist als in den 1990er Jahren. Die meisten Kunden kommen aus Europa, aber es gibt Aufträge aus allen Kontinenten außer der Antarktis.
Termitenzucht und besondere Herausforderungen
Neben den Hausböcken werden in einem weiteren Labor Zehntausende Termiten gezüchtet. Zwei Arten aus Frankreich und Australien sind hier heimisch. Die Termitenprüfungen sind ausschließlich vorbeugend: Bereits behandeltes Holz wird den Insekten ausgesetzt, um zu prüfen, wie tief sie trotz der Behandlung Schaden anrichten können. Entscheidend ist die Tiefe der Fraßaktivität, da Termiten in großen Kolonien auftreten. Selbst wenn einzelne Tiere sterben, kann sich der Schaden summieren. Daher sind die Anforderungen besonders hoch: Termiten dürfen eigentlich so gut wie keinen Schaden anrichten.
Hamburg und die Zukunft der Termiten in Deutschland
Das bekannteste Termitenvorkommen in Deutschland gab es lange Zeit in Hamburg. Im dortigen Oberlandesgericht waren die Tiere jahrzehntelang aktiv, nachdem sie Ende der 1920er Jahre mit importiertem Bauholz eingeschleppt worden waren. Seit 2008 liegt der Befall jedoch unter der Nachweisgrenze, wie der Biologe Rüdiger Plarre von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin erklärt. Er betont, dass Termiten für Deutschland kein grundsätzliches Problem darstellen, solange der Winter Bodenfrost bringt. Extreme Kälteereignisse verhindern eine Etablierung. Erst wenn diese dauerhaft ausbleiben, könnte sich das ändern – ob das in 50 oder 100 Jahren der Fall ist, weiß niemand.
Zusammenarbeit zwischen MPA und BAM
Die BAM unterhält Zuchten von mehr als 25 Termitenarten aus nahezu allen Erdteilen. Das Artenspektrum ist dort größer, weil die BAM nicht nur prüft, sondern auch forscht. Beide Einrichtungen kooperieren eng, nicht nur in der Insektenzucht, sondern auch bei der Normungsarbeit. Die MPA Eberswalde hat maßgeblich an den deutschen und europäischen Normen mitgewirkt, die den Holzschutz regeln.



