Buckelwale in der Ostsee: Ossi, Bucki und die seltenen Gäste
Buckelwale in der Ostsee: Seltene Gäste seit Jahrhunderten

Buckelwale in der Ostsee sind selten, aber kein neues Phänomen. Seit Jahrhunderten werden immer wieder Großwale in dem Binnenmeer gesichtet – meist als Irrgäste. Die Ostsee ist für sie kein natürlicher Lebensraum: Der Salzgehalt ist niedrig, das Nahrungsangebot begrenzt, flache Küsten und enge Meerengen erschweren den Rückweg.

Weitere Großwalarten in der Ostsee

Neben Buckelwalen tauchten dort auch andere große Arten auf, darunter Pottwale, Finnwale, Weißwale, Narwale und Zwergwale. Heimisch ist in der Ostsee allerdings nur der Schweinswal.

Historische Sichtungen reichen weit zurück

Bereits aus dem Mittelalter gibt es Berichte über Wale in der Ostsee, oft im Zusammenhang mit Strandungen oder Fangversuchen. Schon zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert wurden Pottwale erwähnt. Als erste überlieferte Buckelwal-Strandung in der Ostsee gilt ein Fall von 1578 bei Libau im heutigen Lettland.

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1770 strandeten zwei Pottwale an der Ostküste Jütlands. 1825 folgte die dokumentierte Strandung eines Finnwals westlich von Rügen; sein Skelett hängt heute im Meeresmuseum Stralsund. Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein weiterer Finnwal in mehreren Ostseegebieten beobachtet und später tot angeschwemmt.

Frühe Funde und harte Eingriffe

Spätestens seit dem 19. Jahrhundert wurden Walfunde systematischer wissenschaftlich dokumentiert. Heute erfassen auch Monitoringprogramme, Studien und Medienberichte die seltenen Nachweise. Besonders häufig werden Wale in der westlichen Ostsee und an südlichen Küstenabschnitten registriert.

Wie anders man früher mit solchen Tieren umging, zeigt ein Fall aus dem März 1911: In der Flensburger Förde wurde ein Wal von der kaiserlichen Marine und Fischern gejagt und mit einer Sprengladung getötet. Aus heutiger Sicht ist das ein drastisches Beispiel für den damaligen Umgang mit gestrandeten oder verirrten Meeressäugern.

Die Ostsee bleibt problematisch

Für Buckelwale ist die Ostsee vor allem eines: ungeeignet. Große Krillvorkommen fehlen, der Salzgehalt liegt deutlich unter dem des Atlantiks. Zwar können die Tiere zeitweise von Fettreserven leben und Schwarmfischen folgen, dauerhaft reicht das aber nicht aus.

Hinzu kommen enge Flaschenhälse wie Öresund, Großer Belt und Kleiner Belt. Wale orientieren sich über Schall. In flachen, stark befahrenen Gewässern mit viel Unterwasserlärm kann genau das zum Problem werden. Fachleute sprechen deshalb immer wieder von einer Todesfalle für Großwale.

Ossi bleibt besonders bemerkenswert

In dieser langen Geschichte ragt ein Buckelwal besonders heraus: Ossi. Das Tier wurde 1978 über Monate in verschiedenen Teilen der Ostsee beobachtet und vor der damaligen DDR-Küste so getauft. Später wurde derselbe Wal auch in Schweden und Polen registriert.

Vor allem aber wurde Ossi später wieder in der Nordsee nachgewiesen. Genau das macht seinen Fall bis heute so bemerkenswert. Denn Buckelwale sind in der Ostsee von 1578 bis 2016 mindestens 24-mal gestrandet oder beobachtet worden. Wie viele Tiere nach Sichtungen unbemerkt wieder hinausfanden, ist jedoch nicht bekannt.

Weitere Nachweise folgten später

Nach Ossi folgten weitere Buckelwal-Nachweise. 2003 wurde ein junger Buckelwal tot in der Lübecker Bucht gefunden. 2008 gelangte der als Bucki bekannt gewordene Wal nach seinem Ostsee-Aufenthalt wieder in Richtung Kattegat. 2014 wurden zwei Buckelwale gleichzeitig in der westlichen Ostsee beobachtet, 2016 erneut ein Einzeltier. In den vergangenen Jahren kam es zu einer Zunahme von Nachweisen von Großwalen im Binnenmeer.

Der aktuell vor Poel gestrandete Buckelwal rückt diese lange Geschichte erneut ins Bewusstsein. Während Ossi als dokumentierter Rückkehrer in Erinnerung blieb, zeigt der neue Fall um das „Timmy“ oder „Hope“ genannte Tier vor allem, wie kompliziert der Umgang mit verirrten Großwalen in der Ostsee ist - ein Lebensraum, der für diese majestätischen Lebewesen nicht gemacht ist.

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