Frankfurt (Hessen) – Ein Oscar-Preisträger hat seine begehrte Trophäe verloren, und die Lufthansa steht im Zentrum des Geschehens. Regisseur Pavel Talankin (35), der für seinen Dokumentarfilm „Mr. Nobody Against Putin“ mit der Goldstatue ausgezeichnet wurde, musste diese am 29. April am John-F.-Kennedy-Flughafen in New York als Aufgabegepäck aufgeben – und seitdem fehlt jede Spur von ihr.
TSA-Mitarbeiter: Oscar könnte als Waffe dienen
Laut Co-Regisseur David Borenstein (37) wollte Talankin die Trophäe zunächst im Handgepäck mit an Bord nehmen. Doch ein Mitarbeiter der US-Sicherheitsbehörde Transportation Security Administration (TSA) habe ihm erklärt, die Statue könne „als Waffe benutzt werden“. Daher müsse sie in einer speziellen Box verstaut und im Frachtraum transportiert werden. Talankin befolgte die Anweisung, gab den Oscar auf – und in Frankfurt angekommen, war die Box leer.
Beweisfotos und Hilferuf bei Instagram
Um den Vorfall zu dokumentieren, veröffentlichte Borenstein auf Instagram mehrere Fotos: eines zeigt Talankin mit dem Oscar in einer Tasche, ein weiteres die von der TSA verwendete Box sowie einen Verlustbeleg für das Gepäck. In seinem Beitrag markierte er sowohl die TSA als auch die Lufthansa und bat um Unterstützung. Zugleich übte er scharfe Kritik: Er habe keinen einzigen Fall gefunden, in dem ein Oscar-Preisträger gezwungen worden sei, seine Statue einzuchecken. Zudem stellte er die Frage, ob Talankin anders behandelt worden wäre, „wenn er ein berühmter Schauspieler gewesen oder fließend Englisch gesprochen“ hätte.
Lufthansa reagiert auf Instagram
Die Fluggesellschaft ließ nicht lange auf sich warten. In den Kommentaren zu Borensteins Beitrag schrieb Lufthansa: „Oh nein, ein vermisster Oscar! Wir haben Dich gehört und wir sind hier, um zu helfen.“ Man nehme den Vorgang „super-ernst“ und verspreche: „Unser Team wird alles dafür tun, damit die Statue wieder dahin kommt, wo sie hingehört. Wir tun alles, was wir können.“
Wie wertvoll ist ein Oscar wirklich?
Die Herstellungskosten einer Oscar-Statuette werden auf 400 bis 1.000 Dollar (340 bis 850 Euro) geschätzt. Mit einem Gewicht von etwa 3,85 Kilogramm besteht sie hauptsächlich aus Bronze und ist nur mit einer dünnen Schicht 24-karätigen Goldes überzogen. Seit 1951 gilt eine strenge Regel: Wer seinen Oscar verkaufen möchte, muss ihn zuerst der Academy of Motion Picture Arts and Sciences für einen symbolischen Dollar (85 Cent) anbieten. Die Akademie kauft die Statue in der Regel zurück, wodurch ein legaler Weiterverkauf praktisch unmöglich ist. Selbst ältere Oscars wurden nachträglich eingezogen, wenn sie dennoch veräußert wurden. Da die Statuetten kaum verkäuflich sind, werden sie von Dieben oft einfach weggeworfen. Von den etwa 70 bisher gestohlenen Oscars wurden fast alle wiedergefunden. Dank individueller Seriennummern lassen sich die Besitzer eindeutig identifizieren. Ein bekanntes Beispiel ist Whoopi Goldberg (70): Ihr Oscar wurde 2002 gestohlen, tauchte aber wenige Tage später in einem Müllcontainer wieder auf. Verliert ein Preisträger seinen Oscar, stellt die Akademie Ersatz aus – manchmal kostenlos, manchmal gegen eine Gebühr.
Ob Talankins Statue ebenfalls wieder auftauchen wird, bleibt abzuwarten. Die Lufthansa hat jedenfalls ihre Hilfe zugesagt.



