PCK-Raffinerie Schwedt: Ohne Kasachen-Öl droht Bauindustrie der Stillstand
PCK-Raffinerie: Ohne Kasachen-Öl droht Stillstand

Russland macht Drushba-Pipeline zu: PCK ohne Kasachen-Öl

Kriege, Krisen, Konflikte – und mittendrin die Ölraffinerie im Osten Brandenburgs. Dass in Schwedt ab dieser Woche kein Öl aus Kasachstan mehr ankommt, hat dramatische Folgen. Die PCK-Raffinerie in Schwedt in der Uckermark im Nordosten von Brandenburg versorgt große Teile des Nordostens Deutschlands mit Treibstoff und Bitumen. Die nackten Zahlen zeigen das dramatische Dilemma: Produzierten die Raffinerien in Deutschland im Jahr 2021 noch 4.108.450 Tonnen Bitumen, sank die Zahl nach Beginn des Ukraine-Krieges im Februar 2022 auf 3.671.646 (2022) und 3.109.720 (2023). In den Jahren 2024 (3.287.531) und 2025 (3.220.159) stabilisierte sich die Produktion laut Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Christian Görke (Linke) zwar etwas – lag aber noch weit unter den Zahlen aus der Vorkriegsphase.

Bauindustrie: Kurzfristig drohen Versorgungsengpässe

Wenn jetzt das laut Branchenkennern für die Produktion von Bitumen „exzellent geeignete kasachische Schweröl“ ab dem 1. Mai nicht mehr Richtung Schwedt zur PCK-Raffinerie fließt, hat nicht nur unmittelbar die Raffinerie an der deutsch-polnischen Grenze ein massives Problem, sondern auch die (ost)deutsche Bauindustrie. Für sie ist Bitumen von existenziell wichtiger Bedeutung. Denn das schwarze, klebrige Material, das aus Erdöl gewonnen wird, wird aufgrund seiner wasserabweisenden und haftenden Eigenschaften vor allem im Straßenbau und zur Abdichtung von Gebäuden genutzt.

„Der Stopp der Durchleitung kasachischen Öls durch Russland hat spürbare Folgen für die Bauwirtschaft in Ostdeutschland. Nach Einschätzung unserer Mitgliedsunternehmen wird es mit großer Wahrscheinlichkeit zumindest kurzfristig zu Versorgungsengpässen bei Bitumen in unserer Region kommen – einem zentralen Baustoff bei der Herstellung von Asphalt für den Straßenbau“, warnt Dr. Robert Momberg, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes Ost. Zwar erfolge die Versorgung nicht ausschließlich über die PCK-Raffinerie in Schwedt, sondern auch über andere Standorte wie Karlsruhe oder Brunsbüttel sowie internationale Lieferketten. Dennoch bleibe Schwedt aufgrund etablierter Strukturen und kurzer Transportwege ein zentraler Baustein – jede Störung wirke sich unmittelbar auf den Markt aus, so Momberg, der mit seinem Verband die Interessen von 260 Bauunternehmen mit 20.000 Beschäftigten in den Ländern Berlin, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt vertritt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

„Treib- und Baustoffverknappung“

Gleichzeitig verschärfe sich die Lage entlang der gesamten Lieferkette deutlich. „Unsere Unternehmen berichten von täglichen Mehrkostenanzeigen, aufgekündigten Preisbindungen und zunehmend unsicheren Lieferbedingungen. Verfügbarkeit, Preise und Vertragsgrundlagen sind kaum noch verlässlich kalkulierbar. Parallel dazu ist der Bitumenpreis allein von Februar auf März 2026 um 36,4 Prozent gestiegen – auch infolge der Eskalation im Iran-Konflikt und der angespannten Situation rund um die Straße von Hormus, die für den globalen Öltransport von zentraler Bedeutung ist“, sagt der Hauptgeschäftsführer. Diese Dynamik komme faktisch einer Treib- und Baustoffverknappung gleich.

500 Tonnen Bitumen für einen Kilometer Autobahn

Die zusätzliche Unsicherheit rund um Schwedt werde den Handlungsdruck auf den Bund weiter erhöhen, insbesondere bei der Frage nach praxistauglichen Stoffpreisgleitklauseln – sowohl für laufende als auch für zukünftige Projekte. Unternehmen müssten laut Bauindustrieverband ihre Angebotspreise anpassen oder Risikoaufschläge einkalkulieren, sofern keine Preisgleitklauseln vereinbart worden seien. Momberg weiter: „Das führt zwangsläufig zu steigenden Baukosten und verzögert dringend notwendige Investitionen in Straßenbau und Infrastruktur.“ Zur Bedeutung des Bitums: Für den Bau von einem Kilometer Bundesautobahn mit zwei Fahrstreifen pro Richtungsfahrbahn werden rund 500 Tonnen Bitumen benötigt.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration