PCK-Schwedt: Russland stoppt Öllieferungen am Tag der Arbeit
PCK-Schwedt: Russland stoppt Öllieferungen

Die Ölraffinerie PCK in Schwedt steht vor einer ungewissen Zukunft. Ausgerechnet am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, hat Russland den Ölhahn zugedreht. Konkret: Ab heute stoppt das Reich von Präsident Wladimir Putin den Durchfluss von kasachischem Öl zur Raffinerie. Dies ist ein symbolträchtiger Schritt, der die Abhängigkeit von russischen Lieferungen deutlich macht.

Bedeutung der Raffinerie für die Region

Die Raffinerie ist für die Versorgung des gesamten Nordostens Deutschlands, Berlins und auch für Teile Westpolens mit Kraftstoff und Kerosin von zentraler Bedeutung. Im vergangenen Jahr verarbeitete PCK etwa 2,15 Millionen Tonnen kasachisches Rohöl, was rund einem Fünftel der Anlieferungen entsprach. Nun stellt sich die Frage, woher Ersatzöl kommen soll, um die wirtschaftlich notwendige Auslastung der Anlagen zu gewährleisten.

Eigentümerstruktur und politische Reaktionen

54 Prozent der Anteile hält Rosneft Deutschland, die unter der Treuhänderschaft des Bundes stehen. Weitere 37 Prozent gehören Shell, 8 Prozent Eni. Brandenburgs Ex-Finanzminister Christian Görke (Linke) zeigt sich verärgert: „Die Task Force PCK Schwedt hat trotz der aktuellen Lage keine sofortigen Maßnahmen zur Stärkung der Versorgungssicherheit ergriffen. Man darf sich durch das aktuelle Russisch-Roulette nicht täuschen lassen. Die jetzige Eigentümerstruktur garantiert keine Zukunftsfähigkeit.“

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Görke fordert die unverzügliche Übernahme der Rosneft-Anteile durch den Bund sowie den Erwerb der zum Verkauf stehenden Shell-Anteile durch das Land Brandenburg. „Andere Länder wie Polen, Italien, Norwegen oder Österreich haben auch Raffinerie-Konzerne mit starker Staatsbeteiligung“, argumentiert er. Ein Staatseinstieg würde nicht nur Preisstabilität und Energieunabhängigkeit garantieren, sondern auch den sofortigen Neubau einer wasserstofffähigen Pipeline von Rostock nach Schwedt ermöglichen.

Gespräche mit Polen

Aus dem Bundeswirtschaftsministerium ist zu hören, dass intensive Gespräche mit Polen laufen, ob die Raffinerie zusätzlich mit Öl vom Hafen Danzig per Pipeline versorgt werden könne. Bisher flossen rund 60 Prozent des Rohöls über den Hafen Rostock nach Schwedt, ein weiteres Fünftel kam über Danzig. Die Ertüchtigung der Pipeline von Rostock nach Schwedt ist jedoch noch nicht abgesichert, ebenso fehlen milliardenschwere Investitionen für die Transformation zu einer „grünen Raffinerie“. Tausende gut bezahlte Arbeitsplätze sind in Gefahr, warnt Görke.

Die Zukunft der PCK bleibt ungewiss. Die Entscheidungen der nächsten Wochen werden zeigen, ob der Standort Schwedt langfristig gesichert werden kann.

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