Nach einer fünfwöchigen Pause und anhaltender Kritik an den neuen Regeln kehrt die Formel 1 in Miami zurück. Der Weltverband Fia hat ein Soforthilfeprogramm geschnürt, doch Chefkritiker Max Verstappen zeigt sich wenig begeistert. Der Red-Bull-Pilot rechnet nicht mit einer grundlegenden Veränderung des Racings, erkennt aber zumindest den guten Willen der Verantwortlichen.
Verstappen: „Mario Kart“-Vergleich und Frust
Der viermalige Weltmeister hatte die Regelrevolution zu dieser Saison scharf kritisiert und das aktuelle Rennfahren mit dem Videospiel „Mario Kart“ verglichen. „Es macht mir im Moment keinen Spaß, dieses Auto zu fahren“, gestand Verstappen, dessen Red Bull in den ersten drei Grand Prix nur hinterherfuhr. Der 28-Jährige fühlt sich durch das permanente Batterie-Management eingebremst, da die neuen Autos zu gleichen Teilen von Verbrenner und Batterie angetrieben werden.
Fahrer fordern mehr Mitsprache
Verstappen und seine Kollegen fühlen sich immerhin gehört. „Das Positive ist, dass wir einige gute Gespräche mit der Formel 1 und der Fia geführt haben“, sagte Verstappen, der sich künftig mehr Mitsprache in Regelfragen wünscht. Auch Rekordweltmeister Lewis Hamilton appelliert an die Verantwortlichen: „Sprecht mit uns, wir arbeiten Hand in Hand. Wir haben derzeit keinen Platz am Verhandlungstisch, das muss sich aber ändern.“
Zähe Verhandlungen wie bei der EU
Der Technikchef für Einsitzer bei der Fia, Jan Monchaux, verglich den Entscheidungsprozess mit der EU, wo 27 Mitgliedsstaaten ihre eigenen Interessen verfolgen. „Es ist mühsam. Da sitzen nur Ingenieure. Und der Ingenieur meint immer, er hat die Lösung“, sagte Monchaux. Die Fia erhielt den Auftrag, während der durch den Iran-Krieg verlängerten Pause nachzuschärfen, insbesondere bei Qualifikation und Sicherheit.
Maßnahmenpaket für mehr Spannung
Das Sofortpaket, das innerhalb von drei Wochen verabschiedet wurde, umfasst Änderungen in Qualifikation, Rennen, Starts und bei feuchten Bedingungen. In der Startplatzjagd wird die maximale Energierückgewinnung pro Runde von acht auf sieben Megajoule reduziert, um mehr Vollgasfahrten zu ermöglichen. Im Rennen können Piloten mit dem Boost-Knopf nur noch 150 kW zusätzlich nutzen, statt 350 kW, um Geschwindigkeitsunterschiede beim Überholen zu verringern und die Sicherheit zu erhöhen.
Monchaux zeigte sich zuversichtlich: „Ich glaube, wir haben das Qualifying deutlich verbessert und die Risiken im Rennen deutlich reduziert.“ Allerdings rechnet er bereits mit Nachbesserungen. Fahrer wie McLaren-Pilot Oscar Piastri merkten an, dass die Änderungen im Simulator kaum spürbar seien. „Alleine die Regeländerungen werden die Rangordnung nicht umwerfen, dafür waren die Korrekturen einfach zu gering“, so Piastri.
Russell verteidigt die Verantwortlichen
George Russell, Vorsitzender der Fahrergewerkschaft und WM-Zweiter, fand die Kritik an den Regeln überzogen. „Die Wahrheit ist: Die Formel 1 und die Fia sind keine Dummköpfe. Sie wissen, was sie tun, und die Fans lieben die Rennen derzeit. Ob zu Recht oder zu Unrecht: Die Rennen sind spannend“, sagte der Mercedes-Fahrer. Ob das Soforthilfeprogramm bereits in Miami greift, wird sich im Grand Prix am Sonntag zeigen.



