Formel 1 in Miami: Neustart nach Dauerkritik an Regeln
Formel 1 in Miami: Neustart nach Regeldauerkritik

Nach fünf Wochen Pause und anhaltender Kritik an den neuen Regeln kehrt die Formel 1 in Miami zurück – mit einem Soforthilfeprogramm. Chefkritiker Max Verstappen zeigt sich jedoch skeptisch, ob das Racing sich grundlegend ändern wird. Der Red-Bull-Pilot erkennt aber guten Willen.

„Die Formel 1 ist ein komplexer und politischer Sport. Jeder hat sein Bestes gegeben, um etwas zu tun, aber das wird die Welt nicht verändern“, sagte Verstappen vor dem Grand Prix in Florida am Sonntag (22.00 Uhr MESZ/RTL und Sky). Der viermalige Weltmeister hatte die Regelrevolution scharf kritisiert und das Fahren mit „Mario Kart“ verglichen. „Es macht mir im Moment keinen Spaß, dieses Auto zu fahren“, gestand er, nachdem sein Red Bull in den ersten drei Rennen nur hinterherfuhr.

Fahrer fordern mehr Mitsprache

Verstappen fühlt sich durch das Batterie-Management ausgebremst. Die neuen Autos beziehen etwa 50 Prozent Leistung vom Verbrenner und 50 Prozent aus der Batterie, die ständig geladen werden muss. Im Cockpit dominiert Kalkül den Impuls. „Das Positive ist, dass wir gute Gespräche mit der Formel 1 und der Fia geführt haben – eine gute Basis für die Zukunft“, so Verstappen, der sich mehr Mitsprache wünscht. Auch Rekordweltmeister Lewis Hamilton appelliert: „Sprecht mit uns, wir arbeiten Hand in Hand. Wir haben keinen Platz am Verhandlungstisch, das muss sich ändern.“

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Zähe Verhandlungen wie bei der EU

Der Technikchef der Fia, Jan Monchaux, verglich den Prozess mit EU-Verhandlungen, bei denen 27 Mitgliedstaaten ihre Interessen verfolgen. „Warum war ich fünf Tage auf Gran Canaria? Es ist mühsam. Da sitzen nur Ingenieure, und jeder meint, er hat die Lösung“, sagte er. Seine Abteilung erhielt den Auftrag, während der durch den Iran-Krieg verlängerten Pause nachzuschärfen – vor allem bei Qualifikation und Sicherheit. „Wir hatten alle die Pistole am Kopf.“

Der Zeitrahmen war eng: Normalerweise benötigt ein Sofortpaket drei bis vier Monate Vorlauf, diesmal waren es nur drei Wochen. Daher sei die neue Software nicht so erprobt wie gewünscht.

Maßnahmen für mehr Spannung

Die Änderungen betreffen Qualifikation, Rennen, Starts und nasse Bedingungen. In der Startplatzjagd wird die maximal wiedergewinnbare Energie pro Runde von acht auf sieben Megajoule reduziert, damit die Piloten mehr Vollgas fahren können. Das Superclipping-Limit wurde von 250 kW auf 350 kW erhöht, sodass Autos Energie zurückgewinnen können, während der Fahrer Vollgas gibt. Im Rennen können Piloten mit dem Boost-Knopf nur noch 150 kW zusätzlich freisetzen, statt bisher 350 kW, um Geschwindigkeitsunterschiede beim Überholen zu verringern und die Sicherheit zu erhöhen.

„Ich glaube, wir haben das Qualifying verbessert und die Risiken im Rennen reduziert“, sagte Monchaux, der mit Nachbesserungen rechnet. McLaren-Pilot Oscar Piastri merkte an: „Alleine die Regeländerungen werden die Rangordnung nicht umwerfen, die Korrekturen waren zu gering.“ George Russell, Vorsitzender der Fahrergewerkschaft, fand die Kritik überzogen: „Die Formel 1 und die Fia sind keine Dummköpfe. Sie wissen, was sie tun, und die Fans lieben die Rennen – sie sind spannend.“ Ob das Programm in Miami greift, wird sich zeigen.

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