Fabians Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei im Mordprozess
Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei im Mordprozess

Prozess um getöteten Achtjährigen: Vater kritisiert Ermittlungen und offenbart Beziehungsgeflecht

Im Prozess um den Mord an dem achtjährigen Fabian aus Güstrow bleiben weiterhin entscheidende Fragen offen. Am zweiten Verhandlungstag, Donnerstag, wurden die Mutter und der Vater des Jungen als erste Zeugen vernommen. Richter Holger Schütt drückte zu Beginn sein tiefes Beileid aus, bevor er mit den Befragungen begann. Der Vater, ein 27-jähriger Metallbauer, sorgte dabei für mehrere Überraschungen.

Vater lächelt Angeklagte an und kritisiert Polizei

Der erste Blick des Vaters im Gerichtssaal galt nicht der Mutter von Fabian, sondern der Angeklagten, mit der er vier Jahre lang eine feste Beziehung hatte. Auf die Frage des Richters, wer Fabian getötet haben könnte, antwortete er: „Ich habe keine Idee, wer das gewesen sein könnte.“ Er habe nicht einmal gewusst, dass Fabian am Tattag, dem 10. Oktober 2025, allein zu Hause war. Zudem äußerte er sich „extrem enttäuscht“ über die Arbeit der Polizei. Auf Nachfrage erklärte er, dass er vom Tod seines Sohnes erst aus den Medien erfahren habe, anstatt persönlich benachrichtigt zu werden. Der Richter zeigte Verständnis für diese Kritik.

Kompliziertes Beziehungsgeflecht wird deutlich

Die Befragung der Eltern und die Auswertung von Chatnachrichten offenbarten ein äußerst komplexes Beziehungsgeflecht. Fabian starb am 10. Oktober 2025 an einem kleinen Wasserloch nahe Klein Upahl im Landkreis Rostock. Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-jährigen Angeklagten vor, den Jungen mit sechs Messerstichen aus Heimtücke und niederen Beweggründen getötet zu haben. Die schlanke Frau, die vor Gericht schweigt, soll Fabian unter einem Vorwand aus der Wohnung der Mutter abgeholt und getötet haben. Der Junge war wegen Kopfschmerzen allein zu Hause, während die Mutter arbeitete. Die Leiche wurde erst vier Tage nach der Vermisstenanzeige gefunden. Laut Staatsanwaltschaft soll die Angeklagte die Beziehung zum Vater des Jungen nicht akzeptiert haben.

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Frühere glückliche Zeiten und spätere Konflikte

Die Mutter von Fabian berichtete, dass sie den Vater 2015 kennengelernt hatte und Fabian im März 2017 als Wunschkind geboren wurde. Nach der Geburt habe sich der Vater jedoch verändert, mehr Alkohol getrunken und sei ohne Absprache feiern gegangen. Einmal habe er in einem Streit eine Tür kaputt gemacht. Die Mutter trennte sich Ende 2018 von ihm. Der Vater zeigte sich überrascht von der Trennung. Trotzdem hatte Fabian zunächst regelmäßig Kontakt zu ihm. Ab etwa 2021 lernte der Vater die Angeklagte kennen. Bei der Einschulung 2023 wollte Fabian den Vater nicht dabei haben. Später, Mitte 2024, weigerte sich der Junge plötzlich, zum Vater und dessen neuer Freundin zu gehen. Er sagte der Mutter: „Ich habe gesehen, wie Papa die Frau gehauen hat.“ Der Vater bestätigte einen Vorfall, sprach aber von einem Schubser. Daraufhin änderte die Mutter ihren Arbeitsrhythmus, um Fabian allein betreuen zu können. Der Kontakt zum Vater brach ab.

Rolle der Angeklagten und letzte Monate vor der Tat

Die Angeklagte, die ebenfalls einen kleinen Sohn hat, sprang in die Vater-Lücke ein. Sie holte Fabian manchmal ab und unternahm mit ihm Ausflüge, wie einen Badeausflug im August 2025. Nach diesem Ausflug trennte sich der Vater von der Angeklagten, wie aus Chatnachrichten hervorgeht. Er schrieb der Mutter von Fabian, er habe wieder mehr Zeit, da Gina nicht mehr über sein Leben bestimme. Die Angeklagte wollte dies offenbar nicht akzeptieren. Laut Staatsanwaltschaft schrieb der Vater der Angeklagten noch am 9. Oktober, einen Tag vor Fabians Verschwinden, dass er die Beziehung nicht wieder aufleben lassen wolle. Dies soll ein Tatmotiv gewesen sein.

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Vater wirft Polizei Ignoranz vor

Die Verteidigung der Angeklagten bestreitet die Tat und argumentiert, es gebe keine eindeutigen Beweise. So wurde bisher keine Tatwaffe gefunden. Fabians Vater behauptet, ein Bekannter habe ein Messer in einem Müllbehälter in Güstrow entdeckt, das als Tatwaffe infrage käme. Die Polizei sei diesem Hinweis jedoch nicht nachgegangen. Das Verhalten der Angeklagten nach der Tat sorgte ebenfalls für Verdacht. Sie will Fabians Leiche zufällig gefunden haben, als sie mit einem Hund spazieren war. In einer Sprachnachricht an ihre Friseuse hatte sie zuvor gesagt, dass mit Fabian „früher oder später mal was passieren musste“ und dass es sie nicht wundern würde, „wenn der weggelaufen wäre.“

Versicherungen und emotionale Momente im Gericht

Im Prozess wurde bekannt, dass der Vater eine Lebensversicherung und die Mutter eine Unfallversicherung auf Fabian abgeschlossen hatten. Beide zahlten eine vierstellige Summe aus. Die Mutter erklärte, sie habe keinen Kontakt mehr zum Vater, da es ihr nicht guttue. Sie könne nicht verstehen, dass er wieder feiern gehe und die Angeklagte im Gefängnis besuche. Am Vormittag musste der Richter die Anhörung unterbrechen, als die Mutter in Tränen ausbrach und die Angeklagte fragte: „Gina, ich kann das nicht verstehen...“ Der Richter ordnete eine Pause an. Danach verlief die Verhandlung ohne weitere Störungen. Die Mutter beschrieb Fabian als einen „kuschelbedürftigen, zuverlässigen Jungen“, der gern im Jugendklub war. Am Tag vor dem Mord holte sie ihn wegen Nasenblutens und Kopfschmerzen früher von der Schule ab. Deshalb blieb er am Freitag, dem 10. Oktober, allein zu Hause. Als sie um 15:15 Uhr zurückkam, war er weg. Unklar blieb, warum Fabian ohne sein Handy und Geldbörse ging. Der Prozess wird am 5. Mai fortgesetzt, dann soll der Vater weiter vernommen werden.