Die iranischen Revolutionsgarden haben am Donnerstag ein Frachtschiff in der Straße von Hormus beschossen. Der Angriff auf die „Ever Lovely“ unter der Flagge Singapurs beschädigte die Brücke, verletzt wurde niemand. Die Weltschifffahrtsorganisation IMO setzte daraufhin die Evakuierung von über 11.000 Seeleuten aus der Region vorläufig aus.
Revolutionsgarden feuern auf Frachter „Ever Lovely“
Laut dem „Wall Street Journal“ unter Berufung auf zwei hochrangige US-Beamte griffen die Revolutionsgarden das Schiff in der Straße von Hormus nahe der Küste Omans an. Der Angriff traf die Brücke, Menschen kamen nicht zu Schaden. Die IMO hatte erst am Dienstag angekündigt, mehr als 11.000 Seeleute aus der Region zu evakuieren, nachdem die Meerenge wochenlang faktisch blockiert war. IMO-Generalsekretär Arsenio Dominguez erklärte: „Mir wurde heute ein Angriff im Golf von Oman auf ein Schiff gemeldet, das die Straße von Hormus durchquert hat. Dieses Schiff befand sich nicht im Rahmen des Evakuierungsplans der IMO auf der Durchfahrt.“ Er setze die Umsetzung des Evakuierungsplans „vorübergehend aus, um erneut zu überprüfen, ob die erforderlichen Sicherheitsgarantien für die Schiffe auf unserer Evakuierungsliste und alle Schiffe in der Region weiterhin gegeben sind“. Dominguez betonte: „Die Sicherheit der Seeleute hat oberste Priorität. Um daher ein koordiniertes Vorgehen und die Sicherheit der Schifffahrt zu gewährleisten, wird der Evakuierungsplan bis zur Klärung der Lage ausgesetzt.“
Hapag-Lloyd befreit alle Schiffe – Ölpreise fallen
Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd hat alle im Persischen Golf aufgehaltenen Schiffe freibekommen. Eine Sprecherin bestätigte am Donnerstag: „Alle Frachter, die von der vorübergehenden Schließung der Straße von Hormus betroffen waren und auf die Ausfahrt gewartet hatten, haben die Region inzwischen sicher verlassen.“ Dies sei „nach sorgfältiger Bewertung der Sicherheitslage und in enger Abstimmung mit den relevanten Behörden, Sicherheitspartnern sowie unseren Teams an Bord und an Land“ erfolgt. Der Ölpreis fiel unter das Niveau vor Kriegsbeginn: Die Nordseesorte Brent notierte bei 72,44 Dollar je Barrel, unter dem Schlusskurs von 72,48 Dollar am 27. Februar – dem Vorabend der US-israelischen Angriffe auf den Iran. Der Datenanbieter Kpler zählte am Mittwoch 70 Durchfahrten durch die Straße von Hormus, vor dem Krieg waren es täglich mehr als 100. Windward sprach von einer „funktionellen Normalität“.
Israel: Kein Abzug aus Südlibanon vor Hisbollah-Entwaffnung
Die israelische Armee wird den Libanon nach Angaben von Regierungssprecher David Mencer erst nach einer Entwaffnung der Hisbollah-Miliz verlassen. „Wir werden unsere Streitkräfte nicht aus dem Süden des Libanon abziehen, solange die Hisbollah eine Bedrohung darstellt und nicht entwaffnet und entmilitarisiert ist“, sagte Mencer. „Jegliche Verlegung der israelischen Streitkräfte wird nach – und nicht vor – der Demilitarisierung des Südens des Libanon und der Entwaffnung der Hisbollah erfolgen.“ Die USA vermitteln direkte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon. US-Außenminister Marco Rubio sagte in Bahrain: „Ich glaube, wir stehen kurz davor, eine Absichtserklärung beider Länder zu erhalten.“ Frankreich und Italien planen eine multinationale Koalition zur Ablösung der UN-Friedenstruppe Unifil im Libanon, deren Mandat im Dezember ausläuft. Präsident Macron erklärte, die Mission solle die Souveränität des Libanon stärken und verhindern, dass das Land „zur Ausgangsbasis für eine regionale Eskalation wird“. Italiens Ministerpräsidentin Meloni fügte hinzu, die Truppenpräsenz solle „ein gefährliches Sicherheitsvakuum verhindern“.
Iran warnt Schiffe – USA lehnen Gebühren ab
Der Iran hat Schiffe vor der Durchfahrt ohne Genehmigung gewarnt. Die Revolutionsgarden erklärten, eine Durchfahrt ohne Genehmigung sei „inakzeptabel und gefährlich“ und werde „angemessene Maßnahmen“ nach sich ziehen. Teheran plant, künftig Gebühren für die Durchquerung der Meerenge zu erheben. US-Außenminister Rubio warnte vor „Chaos“: „Würde eine Gebühr für eine internationale Wasserstraße akzeptiert, dann würde sich das auf der ganzen Welt verbreiten.“ Der Oman erklärte, das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran sehe keine Transitgebühren vor. Der Iran signalisierte über die neu gegründete Persian Gulf Strait Authority, dass für 60 Tage keine Gebühren erhoben würden – ein Hinweis auf längerfristige Absichten.
Weitere Entwicklungen: Drohnenangriff, Netanjahu-Rede, US-Budget
Bei einem israelischen Drohnenangriff im Südlibanon wurden drei Menschen getötet, ein weiterer verletzt. Es war der dritte tödliche Angriff seit Dienstag; insgesamt starben sieben Menschen. Israels Ministerpräsident Netanjahu wurde bei einer Rede vor Offiziersanwärtern mit Zwischenrufen wie „Geh nach Hause“ konfrontiert, erhielt aber auch Applaus. Er wies Kritik zurück und verwies auf militärische Erfolge gegen Iran, Hamas und Hisbollah. Der US-Senat lehnte eine Resolution zur weiteren Einschränkung von Trumps Befugnissen im Iran-Krieg ab. Trump hatte sich zuvor wütend über die ursprüngliche Einschränkung geäußert. Die US-Regierung beantragte zusätzliche 88 Milliarden Dollar, hauptsächlich für den Iran-Krieg, darunter 67 Milliarden für das Pentagon. Ein wichtiges Ölfeld im Irak, West Qurna-2, stellte den Betrieb ein. Der Iran ist laut einem Bericht der Weltorganisation gegen Folter einer der schlimmsten Folterstaaten; 2025 wurden mindestens 1639 Menschen hingerichtet.



