Jährliche Herausforderung: Der Kampf gegen das Leid der Straßenkatzen
Der schwarz-weiße Kater, der seit einigen Wochen auf dem Lottihof bei Mühlen Eichsen versorgt wird, hat erst dort einen Namen erhalten. Christine Geburtig, die Leiterin des Hofs, gab ihm den Namen „Lucky“. Denn er hat das Glück, dass er nicht wieder zurück auf die Straße muss, wo er sich durchschlagen müsste. Geburtig ist überzeugt, dass Lucky schon einmal ein Zuhause hatte, denn wäre er auf der Straße geboren, wäre er längst nicht so zahm und verschmust.
Mehrwöchige Einfangaktion in Schwerins Feld- und Wallstraße
In einem gewissen Alter wurde der junge Kater wohl ausgesetzt und lebte mit vielen anderen Straßenkatzen in einem Areal in Schwerins Feld- und Wallstraße. Nicht kastrierte Straßenkatzen vermehren sich unkontrolliert, was jedes Jahr zu neuem Nachwuchs und neuem Leid führt. Das Team des Lottihofs setzt alles daran, dies zu verhindern. Mithilfe von Lebendfallen fangen die Tierschützer die Streuner ein, lassen sie kastrieren und medizinisch versorgen und nehmen sie auf dem Hof auf, wo sie aufgepäppelt werden können.
„Am 23. März haben wir die ersten drei eingefangen“, schildert Christine Geburtig. Inzwischen sind es 17 Katzen, die der Lottihof in den vergangenen Wochen aufgenommen hat. „Manchmal werfen sie sogar schon dreimal im Jahr. Da kann man sich ausrechnen, wie viele da nächstes Jahr herumgelaufen wären.“
Unterstützung durch Anwohner und gesundheitliche Herausforderungen
Vor Ort werden Christine Geburtig und ihr Team von Anwohnern unterstützt, die die Straßenkatzen regelmäßig füttern und so das Einfangen erst ermöglichen. „Wir haben zwei Anwohnern drei Fallen gebracht und die beiden stellen sie jeden Abend auf und benachrichtigen mich, wenn eine Katze drin ist“, erklärt die Lottihof-Leiterin.
Trotz der harten Lebensbedingungen und der permanenten Bedrohung durch Krankheit, Hunger und Straßenverkehr überleben viele der Jungtiere, sodass die Populationen ständig wachsen, wenn nicht eingegriffen wird. Die Liste an Parasiten und Krankheiten, mit denen die Streuner in den vergangenen Jahren schon zu Christine Geburtig gekommen sind, ist lang und umfasst:
- Würmer
- Giardien
- Katzenschnupfen
- Katzenaids
„Auch in diesem Fall waren alle verfloht und hatten Würmer“, berichtet Geburtig.
Vermittlung und Rückführung der Tiere
Kater Lucky ist keine typische Straßenkatze. Werden die Tiere schon auf der Straße geboren, sind sie meist wild und scheu. Eine ehrenamtliche Helferin auf dem Lottihof verbringt viele Stunden, um sich ihnen anzunähern. Doch nicht alle können wie Lucky künftig in ein neues Zuhause vermittelt werden. Neun der 17 eingefangenen Katzen haben Christine Geburtig und ihr Team deshalb inzwischen zurückgebracht. Um zu zeigen, dass sie bereits kastriert sind, wurden sie mit einem Farbklecks versehen.
Doch unkastrierte Straßenkatzen vermehren sich nicht nur untereinander, auch nicht kastrierte Privatkatzen tragen maßgeblich dazu bei, dass es auf der Straße immer wieder zu Nachwuchs kommt.
Forderung nach flächendeckender Kastrationspflicht
Seit Jahren pochen Tierschützer wie Christine Geburtig auf eine flächendeckende Kastrationspflicht. Im vergangenen Jahr machten sie etwa bei Demonstrationen in Nordwestmecklenburg auf die prekäre Lage aufmerksam und forderten eine Katzenschutzverordnung. In anderen Gemeinden Mecklenburg-Vorpommerns ist eine solche Verordnung, nach der für Freigängerkatzen eine Kastrationspflicht besteht, bereits in Kraft, unter anderem im Amt Bützow-Land.
„Auch Schleswig-Holstein hat jetzt zum Beispiel eine Kastrationspflicht. Zwar wird es immer noch Bürger geben, die sich nicht an diese halten und wir würden wieder ein paar Streunerkatzen haben, aber längst nicht in dem Maße, als wenn es die Kastrationspflicht nicht gibt“, betont Geburtig.
Immense Ausmaße des Problems
Die Ausmaße, die durch fehlende Kastrationen entstehen können, sind immens. Angenommen, dass eine Katze zwei Würfe pro Jahr hat und je Wurf drei Kitten überleben, können nach zehn Jahren aus einer Katze rund 200 Millionen Nachkommen entstehen, wie der Deutsche Tierschutzbund vorrechnet. Christine Geburtig und ihr Team werden deshalb weiter kastrieren – denn mit jeder Kastration wird künftiges Tierleid verhindert.



