Frank Lampard feiert Triumph mit Coventry: Vom Gespött zum Aufstiegshelden
Nach schwachen Resultaten in der Premier League wurde Frank Lampards Eignung als Trainer massiv in Frage gestellt. Jetzt schlägt der frühere Weltklasse-Mittelfeldspieler eindrucksvoll zurück und feiert mit Coventry City den vorzeitigen Aufstieg in Englands Fußballoberhaus.
Emotionale Rückkehr nach 25 Jahren
Nachdem er gemeinsam mit Spielern und Fans im Überschwang der Gefühle gefeiert hatte, wurde Frank Lampard auf der anschließenden Pressekonferenz gefragt, wo er die vorzeitig perfekt gemachte Rückkehr von Coventry City nach 25 Jahren in die Premier League in seiner bewegten Laufbahn einordnen würde.
„Ich würde die Champions League niemals kleinreden“, erklärte der langjährige Chelsea-Star mit Blick auf den Triumph in der Königsklasse 2012. „Das steht immer ganz oben auf der Liste, aber dieser Moment kommt dem sehr, sehr nahe“, verdeutlichte Lampard die Kragenweite des Erfolgs mit dem englischen Zweitligisten.
„Coventry war immer Erstligist, als ich aufgewachsen bin, aber damals habe ich das nicht so bewusst wahrgenommen. Jetzt sind wir zurück“, sagte der 106-malige Nationalspieler Englands nach dem 1:1 bei den Blackburn Rovers, mit dem die „Sky Blues“ drei Spieltage vor Saisonende als erster Aufsteiger feststehen.
Persönlicher Wiederaufstieg nach Rückschlägen
Mit Coventry kehrt nicht nur ein schwer gebeuteltes Gründungsmitglied, das zwischenzeitlich sogar in die vierte Liga abgestürzt war, in Englands Fußballoberhaus zurück – auch für Lampard persönlich ist es die Rückkehr auf die große Bühne, wo der 47-Jährige einst zu den besten Mittelfeldspielern seiner Generation zählte.
„Das ist nicht nur der Wiederaufstieg Coventrys, es ist auch der Wiederaufstieg Lampards“, stellte The Independent nun fest, nachdem viele annahmen, dass sein schmachvolles zweites Engagement bei Chelsea ihn als Trainer erledigt hätte.
Seine vorherigen Engagements hatten seinem Ruf auf der Insel stark geschadet:
- Bei Everton holte er von 2022 bis 2023 durchschnittlich lediglich einen Punkt pro Spiel
- Eine kurze Rückkehr als Interimstrainer zu Chelsea im April 2023 brachte nur 0,45 Punkte pro Spiel
- Die Kritik fiel entsprechend heftig aus – Medien verhöhnten ihn teilweise als schlechtesten Trainer in der Geschichte der Premier League
Neuanfang unter skeptischen Blicken
Als Coventry City im November 2024 Fanliebling Mark Robins entließ, war die Empörung unter den Anhängern groß. Dass ausgerechnet der vielfach kritisierte Lampard dieses Erbe antrat, löste im Umfeld nicht gerade Jubelstürme aus.
„Sie können mich nicht alle lieben“, erklärte Lampard damals offen. „Meine einzige Antwort auf solche Kritik ist: Gebt mir eine Chance, zu arbeiten.“
Und Lampard arbeitete – und wie. In seiner ersten Saison führte er die Mannschaft vom 17. Tabellenplatz auf Rang fünf und damit in die Aufstiegs-Playoffs. In der folgenden Spielzeit entwickelte er das Team kontinuierlich weiter und startete komplett durch.
Erfolgsrezept: Tempo, Pressing und Gelassenheit
Lampards Handschrift ist klar erkennbar: Der Engländer vereint bei Coventry hohes Tempo, aggressives Pressing und mutigen Offensivfußball. Mit 85 Toren stellt das Team nach 43 Spielen den mit Abstand besten Angriff der Liga.
Top-Torschütze ist der Ex-Schalker Haji Wright mit 16 Treffern, womit er Rang zwei der Championship belegt. Bei seiner Arbeit greift Lampard auf die Erfahrungen aus seiner aktiven Karriere unter großen Trainern zurück.
„Unter José Mourinho zu arbeiten, war eine unglaubliche Erfahrung. Er war sehr praxisorientiert und emotional, taktisch stark und gut im Umgang mit der Mannschaft. Carlo Ancelotti war sehr ruhig und gelassen“, blickte Lampard zurück und verortete sich selbst in der Mitte: „Ich liege wahrscheinlich irgendwo dazwischen.“
Anerkennung und Auszeichnung
Auffällig ist die Gelassenheit, die Lampard inzwischen als Trainer an den Tag legt. Auch als Coventry rund um den Jahreswechsel nur zwei Siege in acht Spielen einfuhr, blieb er besonnen – und übertrug diese Ruhe auf sein Team.
„Es ist wichtig, in schwierigen Momenten ruhig zu bleiben, aber auch die richtige Reaktion zu finden“, betonte Lampard. „Ein paar Spiele lang nicht zu gewinnen, ist in dieser Liga normal.“
Mit dem 3:1-Sieg gegen Middlesbrough leitete Coventry schließlich eine Serie von sechs Erfolgen in Folge ein und untermauerte seine Dominanz. Bei der EFL-Preisverleihung am Sonntagabend wurde Lampard als „Championship Manager of the Season“ ausgezeichnet.
„Nach der Art und Weise, wie er nach seiner zweiten Amtszeit bei Chelsea und seiner Zeit bei Everton dargestellt wurde, ist es schön zu sehen, wie er seinen Ruf wieder aufbaut“, freute sich der frühere Premier-League-Profi Curtis Davies bei Sky.
Der ehemalige Verteidiger fügte an: „Was Frank antreibt, ist seine Eigenmotivation. Er braucht weder das Geld noch muss er Trainer sein. Er will erfolgreich sein.“ Und genau das kann Lampard in der kommenden Saison auch wieder in der Premier League unter Beweis stellen.



