Teterow schafft dauerhaftes Wald-Schutzgebiet mit finanzieller Vergütung
Die Stadt Teterow in Mecklenburg-Vorpommern verfolgt ein ambitioniertes Naturschutzprojekt, das sowohl ökologische als auch wirtschaftliche Vorteile bietet. Am westlichen Stadtrand der Stadt befindet sich der Hollerberg mit einem neun Hektar großen Waldgebiet, das nun teilweise unter besonderen Schutz gestellt werden soll.
Wertvolles Waldgebiet mit historischem Bestand
Revierförster Stefan Blumrich beschreibt das Areal als ökologisch besonders wertvoll. „Es handelt sich um ein Gebiet mit alten Eichen und Buchen sowie seltenen Gehölzen wie Hainbuche und Feldahorn“, erklärt der Forstexperte. Viele Bäume weisen Höhlen und Baumpilze auf, die den ökologischen Wert des Waldes deutlich steigern. Die Forstwirtschaft konnte den Wald aufgrund der schwierigen Geländebedingungen schon lange nicht mehr wirtschaftlich nutzen, was nun zu einer innovativen Lösung führt.
Öko-Konto bringt finanzielle Vergütung für Nutzungsverzicht
Die Stadt Teterow plant, etwa die Hälfte des Waldgebietes – rund vier Hektar – in ein sogenanntes Öko-Konto zu überführen. „Die Stadt verzichtet hierbei auf jegliche Nutzung des Waldes in wirtschaftlicher, touristischer oder sonstiger Hinsicht“, erläutert Ludwig Neumann von der Landesforst, der Fachmann für das Thema Öko-Konto ist. Für diesen dauerhaften Nutzungsverzicht erhält die Stadt Öko-Punkte, die auf ein spezielles Konto fließen.
Laut den Forstexperten liegt der Wert eines Öko-Punktes zwischen 2,50 und 3 Euro. Pro Quadratmeter werden zwei Punkte vergeben, was bei der vier Hektar großen Fläche zu einer Gesamtsumme von schätzungsweise über 200.000 Euro führt. „Das Geld kann für städtische Anliegen aller Art eingesetzt werden“, betont Revierförster Stefan Blumrich.
Dauerhafter Schutz mit rechtlicher Absicherung
Die Besonderheit des Öko-Kontos liegt in seiner dauerhaften Ausrichtung. Die Öko-Punkte werden nur einmalig vergeben, während der Nutzungsverzicht des Waldes dauerhaft gilt und durch einen Grundbucheintrag rechtlich abgesichert wird. Dieser Vermerk führt zwar zu einer Wertminderung des Grundstücks, schafft aber gleichzeitig langfristige ökologische Perspektiven.
„Wir sind auch vom Gesetzgeber angehalten, solch hochwertige Flächen in Ruhe zu lassen, weil solche Areale für seltene Arten wie die Mopsfledermaus oder die Käferart Eremit besonders geeignet sind“, hebt Blumrich hervor. Zudem kommen in dem Waldgebiet nahezu alle Spechtarten vor, was die ökologische Bedeutung unterstreicht.
Touristische Nutzung bleibt eingeschränkt
Im Umweltausschuss wurden auch Fragen zur touristischen Nutzung des Gebietes diskutiert. Auf Nachfrage von Wolfgang Blanck (Die Teterower) erklärte Blumrich, dass der Rundweg im Hohenholz nicht mehr gepflegt werde. „Wenn der Weg erhalten bleiben soll, müssen ihn die Menschen nutzen“, so der Revierförster. Ein am Waldrand befindlicher Grillplatz bleibt zwar weiterhin nutzbar, gehört aber nicht zur Fläche des Öko-Kontos.
Nächste Schritte zur Umsetzung
Damit das Öko-Konto Wirklichkeit wird, erstellt die Landesforst derzeit die Antragsunterlagen. Diese müssen von der Stadt bei der Unteren Naturschutzbehörde eingereicht werden. „Nach der Zustimmung erfolgt der Grundbucheintrag“, erklärt Ludwig Neumann den weiteren Verfahrensablauf. Das Projekt zeigt, wie Kommunen Naturschutz mit finanziellen Anreizen verbinden können, während gleichzeitig wertvolle Lebensräume für bedrohte Arten geschaffen werden.
Der Hollerberg entwickelt sich damit Jahr für Jahr zu einem ökologisch wertvolleren Gebiet, das nicht nur der Stadt Teterow finanzielle Mittel bringt, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz in der Region leistet. Die Kombination aus rechtlicher Absicherung, finanzieller Vergütung und ökologischer Aufwertung macht dieses Projekt zu einem Modell für nachhaltige Stadtentwicklung.



