Massive russische Angriffswelle auf Ukraine vor Nato-Gipfel
Massive russische Angriffe auf Ukraine vor Nato-Gipfel

Kurz vor dem Nato-Gipfel in Ankara hat Russland eine schwere Angriffswelle auf ukrainische Städte gestartet. Kurz nach Mitternacht löste die Flugabwehr in fast allen Landesteilen Luftalarm aus. Aus Kiew wurden heftige Explosionen gemeldet.

Sieben Tote und Dutzende Verletzte in Kiew

Behörden und Medien berichteten über zahlreiche Einschläge in der Hauptstadt und ihren Vororten. Mehrere Gebäude wurden beschädigt, mindestens sieben Menschen getötet und zwei Dutzend weitere verletzt. Tausende flohen vor den Angriffen in U-Bahn-Stationen, berichtete das Nachrichtenportal „The Kyiv Independent“. In Kiew wurden Wohngebäude in mehreren Stadtteilen getroffen. Ein Plattenbau stürzte teilweise ein, in der Mitte des Wohnblocks klaffte ein riesiges Loch. Unter den Trümmern wurden verschüttete Menschen befürchtet.

Selenskyj warnte vor Angriffen

Staatschef Wolodymyr Selenskyj hatte am Abend in einer Videobotschaft davor gewarnt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin noch vor Beginn des Nato-Gipfels eine weitere Welle schwerer Luftangriffe befehlen dürfte. Er berief sich auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes. „Das entspricht ganz Putins Art – unmittelbar nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag und vor dem Nato-Gipfel in Ankara“ wolle er „noch mehr Unheil anrichten und Menschen töten“, sagte Selenskyj.

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Drohnen, Marschflugkörper und Raketen

Die Angreifer setzten in der Nacht neben zahlreichen Drohnen auch Dutzende Marschflugkörper und Raketen ein. Marschflugkörper können besser manövriert werden und sind wegen ihrer geringen Flughöhe schwerer vom Radar zu erfassen. Ballistische Raketen sind aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit schwieriger abzuwehren.

Selenskyj fordert mehr Patriot-Systeme

In seiner Videobotschaft appellierte Selenskyj an die Partner der Ukraine, den Abwehrkampf entschlossener zu unterstützen. „Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die Patriot-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen“, sagte er. Die Welt verfüge über die notwendige Menge und Qualität an Flugabwehrsystemen. Nötig sei aber, diese der Ukraine bereitzustellen. „Und das sind natürlich in erster Linie die Entscheidungen der USA, die Entscheidungen der Mächtigen in Europa und in der Welt.“

Der Ukraine sei klar, dass der politische Wille der USA ausreichen würde, um den Mangel an Patriot-Systemen zu beheben, führte Selenskyj aus. „Doch bislang fehlt es an einer solchen Unterstützung.“ Die ukrainische Flugabwehr hat eine relativ hohe Trefferquote gegen Drohnen und Marschflugkörper, ist aber gegen ballistische Raketen weitgehend machtlos. Patriot-Systeme sind das einzige wirksame Mittel gegen Russlands Raketen. Im Frühjahr beklagte Selenskyj, dass sein Land kaum noch Munition dafür habe. Der US-Krieg gegen den Iran verknappte die weltweiten Bestände der Abwehrraketen weiter. Zuletzt brachte Selenskyj die Möglichkeit einer eigenen Patriot-Produktion ins Spiel und verwies auf eine europäische Produktion in der Ukraine.

Selenskyj trifft Trump in Ankara

Beim Gipfel in Ankara wird Selenskyj die Gelegenheit erhalten, seine Bitte um weitere Patriots direkt an US-Präsident Donald Trump zu richten. Die beiden Staatschefs treffen am Mittwoch zusammen, um auch über Wege zur Beendigung des Kriegs zu sprechen. Keine der beiden Kriegsparteien mache nennenswerte militärische Fortschritte, sagte ein hochrangiger US-Beamter vor Journalisten. Gleichzeitig entstünden enorme Kosten und die Angriffe beider Seiten reichten jeweils weit ins andere Land. „Der Präsident verspürt daher ein echtes Gefühl der Dringlichkeit, zu versuchen, das zu einem Ende zu bringen“, sagte der Beamte.

Man sei zuversichtlich, Fortschritte erzielen zu können, wenn Trump und Selenskyj zusammenkommen – und er sei sich sicher, dass sich der US-Präsident auch mit Putin in Verbindung setzen werde. Sowohl der Kremlchef als auch Selenskyj hatten am Wochenende mit Trump telefoniert und ihm ihre Sichtweise auf den Kriegsverlauf geschildert.

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Milliardenschwere Militärhilfen geplant

Bei dem Nato-Gipfel soll die Ukraine ein neues Versprechen für milliardenschwere Militärhilfen bekommen. Darauf verständigten sich in Brüssel Vertreter der 32 Bündnisstaaten wenige Tage vor dem Spitzentreffen in abschließenden Beratungen über die geplante Gipfelerklärung, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr.