Rund 160.000 Berlinerinnen und Berliner verlassen jedes Jahr ihre Stadt. Die meisten ziehen ins benachbarte Brandenburg. Die Gründe dafür sind vielfältig und oft schmerzhaft. Eine aktuelle Umfrage unter Fortgezogenen hat die zehn häufigsten Missstände ans Licht gebracht – eine traurige Top Ten der Unzufriedenheit.
Steigende Mieten als Hauptgrund
Tom Förster, ein Ur-Berliner, der fast sein ganzes Leben in der Hauptstadt verbracht hat, kennt das Problem aus eigener Erfahrung. Er arbeitete als Stadtführer und Chauffeur und kutschierte Prominente wie den früheren russischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow und den Musiker Prince durch Berlin. Doch die Mietexplosion wurde ihm zum Verhängnis. Zuletzt zahlte er 2400 Euro monatlich für seine 100 Quadratmeter große Mietwohnung in Berlin-Marienfelde. „Ich bin wirklich kein Spießer“, sagt Förster, „aber Berlin wird immer dreckiger und verwahrloster.“
Verschmutzung und Verwahrlosung
Neben den hohen Mieten beklagen viele Fortgezogene die zunehmende Verschmutzung und Verwahrlosung der Stadt. Die Straßen seien dreckiger, die Parks vernachlässigt, und das Stadtbild leide unter Müll und Graffiti. Förster, der als Fahrprofi täglich im Berliner Verkehr unterwegs war, beobachtet auch eine wachsende Aggressivität: „Bei manchen Autofahrern ist die Zündschnur mittlerweile sehr kurz.“
Die zehn Hauptgründe im Überblick
Die Umfrage, durchgeführt von der Berliner Zeitung, ergab folgende zehn Hauptgründe für den Wegzug: 1. Steigende Mieten, 2. Zunehmende Verschmutzung, 3. Verwahrlosung öffentlicher Räume, 4. Aggressiver Verkehr, 5. Hohe Lebenshaltungskosten, 6. Mangel an bezahlbarem Wohnraum, 7. Lärmbelästigung, 8. Kriminalität, 9. Schlechte Luftqualität, 10. Fehlende Grünflächen.
Folgen für die Stadt
Der anhaltende Wegzug hat weitreichende Konsequenzen für Berlin. Die Stadt verliert nicht nur Einwohner, sondern auch Steuerzahler und Fachkräfte. Besonders betroffen sind Familien und junge Menschen, die in Brandenburg günstigeren Wohnraum und eine höhere Lebensqualität suchen. Die Abwanderung verstärkt den Druck auf den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt und führt zu einer sozialen Entmischung der Stadtteile.



