Die Lage der jüdischen Gemeinden in Deutschland bleibt auch zweieinhalb Jahre nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel angespannt. Laut einer neuen Umfrage des Zentralrats der Juden in Deutschland fühlen sich 68 Prozent der 102 befragten Gemeinden unsicherer als vor dem 7. Oktober 2023. Zentralratspräsident Josef Schuster spricht von einer „neuen Normalität“, in der Antisemitismus im öffentlichen Raum normalisiert sei.
Drittes Lagebild der jüdischen Gemeinden
Der Zentralrat hat zum dritten Mal ein Lagebild erstellt. Die Daten wurden im März 2026 erhoben. Bundestagswahl berichtete fast jede zweite Gemeinde von antisemitischen Vorfällen in den vergangenen zwölf Monaten. 49 Prozent dieser Vorfälle waren Sachbeschädigungen oder Schmierereien an Gebäuden. Hinzu kamen Beleidigungen, Anfeindungen, Drohanrufe und Protestaktionen.
Auswirkungen des Iran-Krieges
Der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas im Oktober 2025 hat die Lage für 61 Prozent der Gemeinden nicht verändert. 18 Prozent sahen eine Verbesserung, 13 Prozent eine Verschlechterung. Der Krieg Israels und der USA gegen den Iran seit Februar 2026 führte bei 62 Prozent der Gemeinden zu einer Verschlechterung ihrer Lage.
Fehlende Solidarität und veränderte Beziehungen
Die Unterstützung aus der Zivilgesellschaft nehmen nur noch 35 Prozent der Gemeinden wahr – ein deutlicher Rückgang von 62 Prozent Ende 2023. Zudem berichten 45 Prozent von einer Verschlechterung der Beziehungen zu Moscheegemeinden und muslimischen Institutionen. Trotz allem läuft das religiöse und soziale Leben in 95 Prozent der Gemeinden weiter, wenn auch mit Einschränkungen.
Viele Juden zeigen ihre Identität in der Öffentlichkeit nicht mehr. Ein Umfrageteilnehmer sagte: „Ich trage aus Sicherheitsgründen meinen Davidstern nicht mehr offen.“ Ein anderer berichtete: „Dinge, die früher selbstverständlich waren – das offene Tragen religiöser Symbole, der unbeschwerte Weg zur Synagoge – sind heute oft begleitet von Vorsicht und einem bewussteren Abwägen.“
Schuster kritisierte, dass selbst Mordaufrufe in Berliner Graffitis keinen Sturm der Entrüstung auslösen. „Diese Zustände sind unhaltbar“, so Schuster. Die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden bewerten 90 Prozent der Gemeinden als gut, dennoch sehen 33 Prozent Defizite bei den Sicherheitsmaßnahmen.



