Berlin – Die Lage im Iran spitzt sich zu, und die Auswirkungen auf Deutschland sind bereits jetzt massiv. Der frühere Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg (54, CSU) schlägt Alarm: Die Krise treffe die Bundesrepublik „knüppelhart“. Im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer analysierte der USA-Kenner die aktuelle Situation und warnte vor den wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Konsequenzen.
Das Regime im Wandel
Zu Guttenberg erklärte, dass das ursprüngliche Regime im Iran nach der ersten Phase des Krieges nicht mehr existiere. Zwar gebe es einen Nachfolger des religiösen Führers in Form seines Sohnes, doch dieser sei schwer verwundet und von ihm existierten keine aktuellen Aufnahmen. Dennoch sei die neue Führung keineswegs harmloser oder gemäßigter. Im Gegenteil: Die Revolutionswächter, die bereits zuvor ein extremer Machtfaktor waren, hätten zunehmend die Zügel in der Hand. Als Beispiel nannte er Mohammad Ghalibaf, den Sprecher des sogenannten Parlaments, der die iranische Verhandlungsdelegation leitet.
Ausgebuffte Verhandler
Trotz der Tötung hochrangiger iranischer Führer sei das Regime in Verhandlungen geübt. „Wir haben es mit absolut ausgebufften Profis zu tun, die über Jahre hinweg darauf trainiert haben, einen Angriff zu überstehen“, warnte Guttenberg. Die USA und Israel hätten dies unterschätzt: „Die Köpfe wachsen wie bei einer Hydra nach.“
Wirtschaftliche Folgen
Die Blockade der Straße von Hormus und der Krieg im Iran hätten bereits dramatische Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. „Es ist bereits dramatisch“, so Guttenberg. Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe die Wachstumsprognose für Deutschland für 2026 von 1,1 auf nur noch 0,8 Prozent gesenkt. Auch andere Institute korrigierten ihre Erwartungen nach unten. Die Weltwirtschaft werde „knüppelhart getroffen“.
Europa in der Pflicht
Der Ex-Minister mahnte die Europäer, nicht nur zu reden, sondern zu handeln. Es sei an der Zeit, „unsere eigenen Interessen zu verteidigen“ – insbesondere in der für den Welthandel kritischen Straße von Hormus. Er hoffe, dass die europäischen Regierungen nicht nur mit Worthülsen agierten, sondern tatsächlich an Konzepten und Strategien arbeiteten. Deutschland könne sich nicht aus der Verantwortung ziehen: „Da wird sich auch Deutschland nicht einen schlanken Fuß machen können.“
Die Entwicklung im Iran und die Folgen für die globale Wirtschaft bleiben damit ein zentrales Thema, das die Bundesregierung und die EU vor große Herausforderungen stellt.



