Wässrige Augen: EHC-Boss Winkler über Abschied von Abelshauser
EHC-Boss Winkler über Abschied von Abelshauser

Nach zehn Jahren, vier Meistertiteln und über 500 DEL-Spielen endet beim EHC Red Bull München die Ära von Verteidiger-Ikone Konrad Abeltshauser. Der 33-Jährige, liebevoll „Kini“ genannt, verlässt den Klub. EHC-Boss Christian Winkler spricht im AZ-Interview über die emotionale Trennung, die Beweggründe und die Zukunft des Teams.

Ein Abschied mit wässrigen Augen

Konrad Abeltshauser sitzt vor seinem Platz in der Kabine, hinter ihm hängen Trikots mit der Nummer 16 und Teile der Ausrüstung. Er trägt eine Kappe, ein weißes T-Shirt und eine Kette, die er von seiner Tochter Cecilia bekommen hat. Als der „Kini“ in einem aufgezeichneten Video seine Abschiedsworte spricht, läuft Trauermusik – und dem 33-Jährigen fällt es sichtlich schwer, das unausweichliche Servus auszusprechen. „Irgendwann findet alles mal ein Ende. Es war besser, als ich es mir je erträumt habe“, sagt er langsam und emotional ergriffen. Nach zehn Jahren ist eine Ära Geschichte, eine, die für Abeltshauser und den EHC unvergessen bleiben wird. Alle vier DEL-Meisterschaften seit 2016 tragen auch seinen Namen. Der Verteidiger kam als 23-Jähriger mit seiner heutigen Ehefrau Erica aus Nordamerika zurück nach Bayern und wurde zur Identifikationsfigur. Aus Unterbuchen bei Bad Tölz brach er einst in die Eishockey-Welt auf und hat sich nahe der Heimat in die Fanherzen gespielt.

Das Angebot des EHC passte nicht zu Abeltshausers Planung

„Er war ein absoluter Anker dieser Mannschaft, dieser Organisation“, sagte EHC-Boss Christian Winkler im Gespräch mit der AZ über den 23-maligen Nationalspieler. Doch Winkler musste die Entscheidung treffen, dass es keine weitere gemeinsame Saison geben wird. „Wir haben uns in die Augen geschaut“, berichtete der 54-Jährige, „das waren dann auch wässrige Augen, das muss ich sagen, und sind zusammen zu dem Schluss gekommen, dass es vielleicht besser ist, wenn der Koni sich noch mal eine andere Herausforderung sucht, wo er die Rolle spielt, die er sich aktuell vorstellt.“ Es war nicht so, dass der EHC Abeltshauser abgeschoben hätte. Der 1,96 Meter große Hüne bekam ein Angebot vom Klub, aber das passte nicht zu seinen Zukunftsplänen. „Wir müssen auch weiterdenken. Wir haben auch den einen oder anderen jüngeren Spieler, von dem wir den nächsten Entwicklungsschritt erwarten“, begründete Winkler und betonte: „Das Wichtige ist, dass man nicht im Groll oder im Ärger auseinandergeht. Der Koni hat das ganz große Tor verdient, wo er rausmarschiert.“

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Wohin geht Abeltshauser? Winkler: „Er hat Optionen“

Das große Tor wird der Saisonabschluss am Samstag sein, wo Abeltshauser viele Fragen beantworten und Autogramme geben muss. Er wird gefeiert für seine Leistungen in weit über 500 DEL-Spielen für München. Wohin es ihn zieht, ist noch offen. „Er hat Optionen und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er eine dieser Optionen wahrnehmen wird“, so Winkler. Zum Abschied stilisierten die Grafiker des EHC ihn mit königlichem Umhang und Krone – der „Kini“ verlässt seinen Thron. Abeltshauser ist einer von sechs Abgängen, die der EHC am Freitag bekanntgab. Neben ihm verlassen Alberts Smits (Ziel: Nordamerika oder Finnland), Nikolaus Heigl (Nürnberg), Simon Wolf und Vadim Schreiner (beide Schwenningen) sowie Dillon Heatherington, der nach nur einer Saison wieder geht, den Klub. Offen ist die Situation bei Stürmer Adam Brooks. „Es kann immer noch was in beide Richtungen passieren. Aber ich denke, mit den 21 Spielern, die wir da auf dem Papier haben, schaut es sehr gut aus“, urteilte Winkler.

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Der Kapitän bleibt, die Spitze soll besser werden

Zu den 21 Spielern zählt auch Kapitän Patrick Hager, der nach einer überzeugenden Spielzeit noch ein Jahr dranhängt. Veit Oswald, an dem NHL-Klubs wie die Edmonton Oilers Interesse zeigen, bleibt ebenfalls. Winkler sieht keinen großen Veränderungsbedarf, aber die geplanten Zugänge (bisher Lucas Thaler und Elis Hede, noch nicht bestätigt) müssen sitzen. „Wir werden das Hauptaugenmerk darauflegen, in der Spitze besser zu werden“, sagte er. Diese Saison habe „sehr viel Positives“ gebracht: „Wir spielen wieder richtiges, attraktives Red-Bull-Eishockey. Wir wissen, wir sind auf unserer Bergtour den Berg schon deutlich höher gestiegen.“ Den Weg zum nächsten (Titel-)Gipfel wird Abeltshauser nun als Außenstehender verfolgen. „Servus. Macht's gut“, sagt er im Video, dann steht er auf und geht aus dem Bild.