Die Posse um den auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump blau lackierten Boden im „Reflecting Pool“ vor dem Lincoln Memorial hat nun ein Fahndungsvideo. Die U.S. Park Police veröffentlichte Aufnahmen einer einzelnen Frau, die am Rand des Beckens kniet, den Arm ins Wasser streckt und etwas herauszuziehen scheint. Die Szene soll sich kürzlich an einem Freitagnachmittag in aller Öffentlichkeit abgespielt haben. Die Behörden bitten um Hilfe bei der Identifizierung. Es gehe um den Verdacht der Zerstörung von Regierungseigentum.
Trump sieht sich bestätigt
Donald Trump sieht sich durch das Video in seiner Version bestätigt. Der Präsident behauptet seit Tagen, nicht die überhastete Renovierung, sondern „Vandalen“ hätten den Pool beschädigt. Im Oval Office sagte er: „Sie gingen wahrscheinlich mit einem Teppichmesser, einer sehr scharfen Rasierklinge oder einem Messer hinunter, schnitten hinein und fingen dann an, es herauszureißen. Wissen Sie warum? Weil sie kranke Menschen sind.“ Solche Leute sollten „für eine lange Zeit ins Gefängnis“, sagte Trump. Auf Truth Social schrieb er zuvor, es habe „wirkliche Probleme mit Vandalismus“ gegeben; große Rasenflächen um den Pool müssten ersetzt werden, Chemikalien seien „illegal ins Wasser gebracht“ worden.
Die Faktenlage: Schäden gemeldet
Zur Vandalismus-These erklärte Frank Lands, stellvertretender Betriebsdirektor des National Park Service, am 9. Juni seien Schäden gemeldet worden. Unter anderem sei Dichtmasse über Schaumfugen „mit einem scharfen Messer oder einer Rasierklinge“ eingeschnitten worden; außerdem seien rund 70 Zaunpfosten-Kappen ins Wasser geworfen worden. Nur beantwortet das nicht die zentrale Frage: Warum löste sich die neu aufgetragene blaue Beschichtung großflächig, und warum kippte das Becken kurz nach der Renovierung wieder ins Algengrün?
Experten zweifeln an Vandalismus-Theorie
Handwerker- und Beschichtungsexperten widersprechen der Trump-Erzählung. Fachleute verweisen auf mögliche Fehler bei Untergrundvorbereitung, Materialwahl und Verarbeitung. Polyurea-Beschichtungen müssten sehr präzise aufgetragen werden; bei falschem Zeitfenster, falschem Untergrund oder schlechter Haftung könne sich die Schicht lösen. Der Beschichtungsexperte David McFayden sagt sinngemäß: Bei solchen Schadensbildern gebe es selten nur eine Ursache. Der Poolfachmann Tim Auerhahn nennt die Haftung des Materials auf Granit ausdrücklich fragwürdig.
Neue Theorie: Trumps „Beast“ als Verursacher?
Eine weitere, politisch besonders peinliche Theorie macht die Runde: Hat ausgerechnet Trumps eigener Konvoi den frisch bearbeiteten Boden geschädigt? Belegt ist, dass der Präsident Anfang Mai in seinem panzerähnlich geschützten „Beast“ nicht nur zum Pool fuhr, sondern mit seiner Wagenkolonne durch das damals wasserlose Becken rollte, um die neue „American Flag Blue“-Beschichtung zu inspizieren. Bewiesen ist nicht, dass das Präsidentenfahrzeug oder Begleit-SUVs die später sichtbaren Schäden verursacht haben. Aber die Bilder wirken wie ein Sinnbild der ganzen Aktion: Der Präsident fährt durch ein Denkmalprojekt, das kurz darauf wieder repariert werden muss.
Verwaltung reagiert vor dem 4. Juli
Die Verwaltung versucht unterdessen, die Lage vor dem Feiertag am 4. Juli in den Griff zu bekommen. Rund um den „Reflecting Pool“ wurden Zäune aufgestellt, zusätzliche Kameras und Sicherheitstechnik installiert. Wasserqualität und Algenbefall sollen sich nach Wasserstoffperoxid-Behandlung und Ozon-Nanoblasen verbessert haben. Doch dauerhaft repariert werden kann die Beschichtung erst, wenn der Pool wieder abgelassen wird. Trump kündigte an, man werde „unmittelbar vor oder nach dem 4. Juli“ Wasser ablassen, um eine „permanente Reparatur“ vorzunehmen. Der National Park Service spricht in Gerichtsunterlagen von Arbeiten nach den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag.
Ein Beweisstück im Kulturkampf
So bleibt der Pool, der zum 250. Geburtstag der USA als patriotisch-blaues Schaufenster glänzen sollte, vorerst ein Beweisstück im Kulturkampf. Die Kombination aus Fahndungsvideo, Vandalismus-Vorwürfen, handwerklichen Mängeln und der möglichen Beteiligung des Präsidentenkonvois macht den Fall zu einem Politikum, das weit über die eigentliche Beschädigung hinausweist.



