Nur zwei Stunden, nachdem die russischen Besatzer den Ausnahmezustand in der Stadt Sewastopol ausriefen, schreibt Einwohnerin Tatjana: „Alle sind außer sich.“ Die Ukrainerin lebt auf der seit 2014 völkerrechtswidrig annektierten Krim. Der Tagesspiegel hat über eine im Ausland lebende Freundin Kontakt zu ihr.
Drohnenangriffe erschüttern Sewastopol
In Sewastopol auf der Halbinsel Krim gilt nach ukrainischen Drohnenangriffen der Ausnahmezustand. Zwei Ukrainerinnen erzählen, welche Folgen die Attacken für ihren Alltag haben. Die Angriffe haben die ohnehin angespannte Lage auf der Krim weiter verschärft. Die Bewohner berichten von panischer Stimmung und ständiger Angst vor weiteren Angriffen.
„Es ist furchtbar“, sagt Tatjana. „Die Explosionen sind ohrenbetäubend, und niemand weiß, wann die nächste Drohne kommt.“ Die ukrainischen Streitkräfte haben in den letzten Tagen verstärkt Drohnenangriffe auf militärische und infrastrukturelle Ziele auf der Krim durchgeführt. Sewastopol, der wichtigste Hafen der russischen Schwarzmeerflotte, steht dabei im Fokus.
Alltag unter Ausnahmezustand
Der Ausnahmezustand bringt strenge Einschränkungen mit sich. Ausgangssperren, Kontrollen und die Schließung öffentlicher Einrichtungen sind an der Tagesordnung. „Man kann kaum noch einkaufen oder zur Arbeit gehen“, berichtet eine andere Bewohnerin, Olena. „Die Geschäfte haben unregelmäßig geöffnet, und viele Menschen hamstern Vorräte.“
Die Strom- und Wasserversorgung ist nach Angaben der Bewohner teilweise unterbrochen. „Es gibt stundenlang keinen Strom, und das Wasser wird knapp“, sagt Tatjana. Die russischen Behörden versuchen, die Lage zu kontrollieren, aber die Bevölkerung ist verunsichert.
Psychologische Folgen der Angriffe
Die ständige Bedrohung hinterlässt Spuren. „Viele Menschen haben Angst, ihre Häuser zu verlassen“, so Olena. „Kinder können nicht zur Schule gehen, und die Erwachsenen sind gestresst.“ Psychologische Hilfe ist kaum verfügbar. Die Bewohner fühlen sich von der russischen Verwaltung im Stich gelassen.
„Die Versprechungen der Besatzer sind nichts wert“, sagt Tatjana. „Sie sagen, sie beschützen uns, aber in Wirklichkeit sind wir nur Kanonenfutter.“ Die Stimmung auf der Krim ist gereizt. Viele Ukrainer, die auf der Halbinsel leben, sehen sich zwischen den Fronten.
Internationale Reaktionen
Die Ukraine rechtfertigt die Angriffe als legitime Verteidigung gegen die russische Besatzung. Internationale Beobachter zeigen sich besorgt über die Eskalation. Die Vereinten Nationen haben zu einer Deeskalation aufgerufen. Russland hingegen droht mit Vergeltung und verstärkt seine militärische Präsenz auf der Krim.
Die Lage bleibt angespannt. Für die Bewohner Sewastopols bedeutet dies eine ungewisse Zukunft. „Wir wissen nicht, ob wir morgen noch ein Dach über dem Kopf haben“, sagt Olena. Die Hoffnung auf Frieden schwindet mit jedem neuen Angriff.



