Die chinesische Zentralbank drängt Insidern zufolge inländische Banken, mehr Kredite zu vergeben. Sie habe einige Geschäftsbanken angewiesen, ihre Kreditvergabe in diesem Monat zu erhöhen, sagten mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.
Hintergrund: Schwache Kreditnachfrage und schwächelnde Konjunktur
Hintergrund sei die schwache Kreditnachfrage angesichts eines schleppenden Binnenkonsums. Ähnliche informelle Anweisungen habe es bereits in den beiden Vormonaten gegeben. Die Zentralbank war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Die Konjunktur in der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt entwickelte sich in vielen Bereichen schlechter als erwartet. So fielen die Einzelhandelsumsätze im vergangenen Monat zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren, während zugleich die Investitionen einbrachen. Die Vergabe neuer Bankkredite war im Mai weniger stark gestiegen als erwartet, nachdem sie im Vormonat sogar geschrumpft war.
Immobilienkrise als Bremsklotz
Als ein Grund gilt die anhaltende Krise am Immobilienmarkt, die die Nachfrage von Unternehmen und Haushalten dämpft. Durch den Preisverfall fühlen sich viele Eigenheimbesitzer ärmer, weshalb sie sich beim Geldausgeben zurückhalten. Die monatlichen Kreditdaten gelten als wichtiger Gradmesser für die wirtschaftliche Aktivität in China.
Widerspruch zu früheren Aussagen des Notenbankchefs
Die informellen Anweisungen stehen im Widerspruch zu jüngsten Äußerungen von Notenbankchef Pan Gongsheng. Dieser hatte erst vergangene Woche erklärt, die Verlangsamung des Kreditwachstums sei eine bewusste, strukturelle Veränderung und kein Grund zur Besorgnis.
Der Anteil der Bankkredite an der Gesamtfinanzierung gehe zurück, während die Finanzierung über Anleihen und Aktien zunehme. Dies spiegele eine tiefgreifende Umstrukturierung der Wirtschaft und einen Wandel der Wachstumstreiber wider. Es sei „schwierig und unnötig“, dass das Kreditwachstum sein bisheriges Tempo beibehalte, sagte Zentralbankchef Pan.
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