Niedriger Wasserstand erschwert Rettung gestrandeten Buckelwals vor Poel
Ein mehrköpfiges Rettungsteam kämpft unter schwierigen Bedingungen um das Leben eines gestrandeten Buckelwals in der Bucht der kleinen Ostsee-Insel Poel. Der gesunkene Wasserstand macht den Helfern erheblich zu schaffen, obwohl es ihnen gelungen ist, den zwölf Meter langen Meeressäuger durch stundenlange Schwerarbeit tiefer ins Wasser zu bringen.
Stundenlange Schwerarbeit zeigt erste Erfolge
Den ganzen Tag über waren die Helfer damit beschäftigt, Schlick unter dem tonnenschweren Tier abzusaugen und wegzublasen. Diese mühsame Arbeit zeigte am Abend erste Erfolge: Der Wal liegt nun wie erhofft tiefer im Wasser. Diese Position lindert seine akute Not, da der Meeressäuger in zu flachem Wasser von seinem eigenen Gewicht erdrückt werden könnte. In der Abenddämmerung fütterten Helfer den Wal mit Makrelen – eine Maßnahme, die vor allem als Animation gedacht war, wie Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) erklärte.
Niedrigwasser bleibt kritischer Faktor
Das Niedrigwasser wird die Rettungsarbeiten weiterhin massiv erschweren. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie sagt für Mittwoch erneut einen Wasserstand von bis zu 30 Zentimetern unter Normal voraus. Da der Wal nun in einer künstlich frei geblasenen Kuhle liegt, dürfte es für ihn umso schwerer werden, sich daraus wegzubewegen. Um zu verhindern, dass der Wal noch weiter in den ausgedehnten Flachwasserbereich am Ausgang der Bucht gerät, sollten mit Sand gefüllte Säcke in seinem Rücken im Wasser platziert werden. Bis zum Einbruch der Dunkelheit war in Livestreams jedoch nichts davon zu sehen.
Komplexe Rettungsgeschichte des Buckelwals
Die Geschichte dieses Rettungseinsatzes begann bereits vor rund sieben Wochen mit ersten Sichtungen des Buckelwals Anfang März. Am 3. März tauchte er im Hafen von Wismar auf, in den folgenden Tagen wurde er vor der Ostseeküste Schleswig-Holsteins sowie der Küste Mecklenburg-Vorpommerns gesichtet. Das Tier hatte sich Experten zufolge wiederholt in Netzen verfangen und wurde von Einsatzkräften sowie Meeresschützern der Organisation Sea Shepherd befreit.
Am 23. März strandete der Wal erstmals auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in der Lübecker Bucht. Nach umfangreichen Rettungsversuchen schwamm das Tier schließlich selbst los, nur um wenige Tage später auf einer Sandbank in der Wismarbucht erneut zu stranden. Bei steigendem Wasserstand schwamm der Wal in der Nacht kurzzeitig weiter, lag dann aber in der Wismarbucht wieder auf und schwamm erneut weiter. Seit dem 31. März saß er dann erneut fest, diesmal in der Kirchsee-Bucht. Am Montag folgte am Ausgang der Bucht die inzwischen fünfte Strandung.
Sender ermöglicht Verfolgung des Wals
Inzwischen wurde laut Umweltminister Backhaus ein Sender an dem Tier angebracht. Sollte es dem Wal gelingen, sich zu befreien und davonschwimmen, könnte sein Weg damit verfolgt werden. Ob es dazu kommt, bleibt jedoch ungewiss. Backhaus beschrieb den Wal als kurzatmig und in einem kritischen Zustand, betonte aber gleichzeitig, dass das Tier dennoch vital sei und eine Chance habe. Der Walforscher Fabian Ritter plädierte erneut dafür, das Tier in Ruhe zu lassen, um es nicht weiterem Stress auszusetzen.
Behörden koordinieren Rettungsmaßnahmen
Die Behörden werden über alle Schritte der privaten Rettungsinitiative informiert und entscheiden letztlich, was getan werden darf und was dem Tier nicht zugemutet werden sollte. Diese enge Koordination zwischen privaten Helfern und staatlichen Stellen ist für den Erfolg der Rettungsaktion von entscheidender Bedeutung. Die Wasserstände in der Wismarer Bucht bleiben laut Vorhersage vorerst niedrig, was die ohnehin schwierige Situation zusätzlich verschärft.



