Toter Wal „Goliath“: Sensation auf Tiefladern in der DDR
Toter Wal „Goliath“: Sensation in der DDR

Seit Wochen zieht der in der Wismarer Bucht gestrandete Wal Timmy Schaulustige an. Ob es gelingen wird, ihn zurück in die Ostsee zu bringen, oder ob er dort sterben wird, ist derzeit noch unklar. Die Faszination für die großen Meeressäuger indes ist nicht neu. Mehrfach, so berichtet der „Berliner Kurier“, gingen Schausteller Mitte des 20. Jahrhunderts mit verendeten Meeressäugern auf Reisen und zeigten sie der Bevölkerung.

Schausteller reist mit totem Wal „Goliath“ durch die DDR

In den 60er Jahren wurde der Wal „Goliath“ in verschiedenen Städten Ostdeutschlands gezeigt, darunter Wittenberg und Görlitz (heute: Sachsen). So konnten im Hochsommer 1965 die Görlitzer das rund 68.000 Kilogramm schwere Tier bestaunen. Wie die „Sächsische Zeitung“ herausfand, wurde der Wal dafür auf einem großen Tieflader transportiert. Zum Schutz vor der Sonne habe man ihn unter großen Planen ausgestellt. In einem weiteren Zelt habe man die inneren Organe des Wals ansehen können. „Für mich als Zehnjährigen war das ein bisschen gruselig, denn diese Körperteile schwammen in großen Glasgefäßen in einer konservierenden Flüssigkeit“, berichtete ein Zeitzeuge gegenüber der Zeitung.

Zurschaustellung von Wal „Goliath“ bleibt bei DDR-Bürgern im Gedächtnis

Die Ausstellung des großen Tieres hat bis heute einen bleibenden Eindruck bei den Menschen hinterlassen. „Habe ihn in Gera auf dem Marktplatz gesehen. Unvergesslich!“, kommentierte eine Frau unter einem Foto von „Goliath“ in einer Facebookgruppe. „Hab ich als Kind in Magdeburg 'live' gesehen und ein Auge in einem Glas. War recht groß und beeindruckend“, schreibt ein anderer. Wer das Tier damals ausgestellt habe, sei nicht mehr zu ermitteln, so die Zeitung. Jedoch habe man herausgefunden, dass der tote Wal bereits 1954 in der Nähe von Trondheim in Norwegen gefangen wurde. „Goliath“ war also bereits seit mehr als zehn Jahren tot, bevor er in der DDR zur Schau gestellt wurde. Zuvor war er laut „Berliner Kurier“ unter anderem in Frankreich, Finnland und Italien zu sehen. Nach seiner Reise durch die DDR sei es für den Wal weiter nach Griechenland und nochmals nach Italien gegangen. Bis in die 90er Jahre soll er durch die Gegend transportiert worden sein.

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Zuschauer können Inneres von Finnwal-Kadaver erkunden

Doch „Goliath“ war nicht der einzige tote Wal, der in Deutschland zur Schau gestellt wurde. Wie die „Limmattaler Zeitung“ berichtet, reiste im Sommer 1963 ein Mann namens Kurt Breitenmoser mit dem Kadaver eines Finnwals herum. Dieser 20 Meter lange Wal sei mit 7.000 Litern Formalinlösung präpariert worden. Die Organe seien entfernt und das Innere des Wals mit einem stählernen Gerüst verstärkt worden. Auch Jonas, so der Name des Wals, sei mit einem Sattelfahrzeug transportiert worden. Die Zuschauer hätten durch eine Bodentür im Fahrzeug ins Innere von Jonas gelangen können. Acht große Verdampfer einer Kühlmaschine hätten dafür gesorgt, dass der Kadaver auch bei hohen Temperaturen kühl blieb. Über Tonbandaufnahmen seien die faszinierten Schaulustigen über die Geschichte von Jonas informiert worden.

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