WWF pflanzt Urwald von Morgen in der Uckermark: Interview mit Albert Wotke
Urwald von Morgen: WWF-Projekt in der Uckermark

WWF in der Uckermark: Urwald von Morgen entsteht in Zerweliner Heide

Mit einer Baumpflanzaktion in der Uckermark hatte jüngst der WWF auf sich aufmerksam gemacht. Im Interview spricht Albert Wotke, Naturschutzreferent des WWF in Deutschland, über das Engagement und die Pläne des Vereins in der Region.

Albert Wotke ist Programmleiter Flächennaturschutz in Deutschland.

Es war nicht die erste Baumpflanzaktion, die in der an sich schon waldreichen Schorfheide stattgefunden hat. Warum haben Sie sich dafür ausgerechnet die Uckermark ausgeguckt?

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Die Uckermark bietet die naturräumlichen Voraussetzungen. Sie liegt nahe bei Berlin, um auch Großstädter an solche Themen heranzuführen. Und die Uckermark ist unserer Naturschutzorganisation auch sonst besonders nah. Seit über 30 Jahren sind wir hier mit Projekten beschäftigt.

Andere Naturschutzvereine haben in der Vergangenheit regional mit ihren Aktivitäten eher von sich reden gemacht als der WWF. Was machen Sie in der Uckermark?

Zunächst einmal waren wir schon unterstützend dabei, als nach 1990 der Naturpark Uckermärkische Seen und das Biosphärenreservat Schorfheide Chorin eingerichtet wurden. Der WWF ist zum Beispiel Mitglied im Förderverein Feldberg-Uckermärkische Seenlandschaft. Ich selbst bin Mitglied im Vorstand der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, die in der Uckermark ebenfalls Naturschutzflächen hat. Aber wir betreiben als WWF hier auch eigene konkrete Naturschutzprojekte. Zum Beispiel begleiten wir ein Schreiadlerprojekt in der Norduckermark auf einer 350 Hektar großen Fläche, die dem WWF gehört. In Brandenburg brüten derzeit nur noch 20 Paare. Insbesondere kümmern wir uns aber um den Urwald von Morgen in der Uckermark.

Auf wessen Flächen denn?

Wir verfügen in der Uckermark über 2200 Hektar Naturschutzflächen und 17 Seen, die wir aus dem Nationalen Naturerbe erhalten oder gekauft haben. Unter anderem den 650 Hektar großen Barsdorfer Wald bei Fürstenberg, der im Naturschutzgebiet Kleine Schorfheide liegt.

Eines der größten Projekte verfolgen wir in unserem 800 Hektar großen Waldgebiet bei Zerwelin. Dort wollen wir den Wald und die Natur, so weit es geht, sich selbst überlassen, damit sich dort ein Urwald von Morgen entwickeln kann. Nur dort, wo standortfremde Kiefern und Fichten noch zu dicht stehen und keine andere Baumart hochkommen kann, entnehmen wir noch Bäume und stoßen die Naturverjüngung an. Wir wollen, dass wieder ein natürlicher Kreislauf im Wald möglich wird von der Naturverjüngung über das Wachsen, Altern, bis dahin, dass Baumriesen fallen, dem Waldboden wieder Licht und damit neuen Sämlingen eine Chance geben, was mit einer großen Artenvielfalt einher geht.

Die Zerweliner Heide bietet dafür gute Voraussetzungen. Dort befinden sich schon jetzt uralte Wälder, unberührte Seen und wertvolle Moore, auf etwa 150 Hektar über 200 Jahre alte Tieflandbuchenwälder, Eichenwälder, Bruchwälder und Moorwälder.

Wollen Sie solche Waldflächen perspektivisch für Besucher sperren?

Wir wollen diesen Wald forstwirtschaftlich nicht mehr bewirtschaften, wohl aber den Besuchern der Region Einblick in die natürliche Vielfalt und die Wildnis ermöglichen. Dafür muss natürlich nicht jeder überall hinstiefeln können. Deshalb wollen wir in der Zerweliner Heide im Herbst einen Naturerbe-Erlebnisweg eröffnen.

Wo soll der entlangführen?

Es handelt sich um einen fünf Kilometer langen Rundweg vom Großen Petznicksee durch alte Buchenwälder und an schönen Erlenbruchwäldern vorbei.

Wer kümmert sich um Ihre Waldflächen, die ja noch zum Teil erst zu naturnahen Mischwäldern umgebaut werden müssen?

Die Flächen werden natürlich beförstert. Das übernimmt in unserem Auftrag der Bundesforst.

Wer kontrolliert eigentlich die Arbeit solcher Vereine wie dem WWF, die doch schließlich bedeutsame Naturschutzflächen übertragen bekommen haben?

Wenn uns Flächen aus dem Nationalen Naturerbe übertragen wurden, unterliegen wir der Kontrolle des Bundesamtes für Naturschutz, ob unsere Maßnahmen auch dem Leitbild für Naturerbeflächen entsprechen. Auch das Landesamt für Umwelt kontrolliert stichpunktartig, wie wir die Grundsätze zur Entwicklung von Urwäldern einhalten. In Naturschutzgebieten (NSG) müssen wir natürlich die NSG-Verordnungen beachten.

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Sie durchforsten diese Wälder, ernten Holz und verdienen damit Geld. Wird der WWF damit zu einem Waldbesitzer wie jeder andere? Und versetzt Sie das in die Lage, anderen Waldflächen wegzukaufen?

Die Wälder werden nur zum Zwecke des Waldumbaus durchforstet. Die eingenommenen Gelder werden auch wieder nur für die Entwicklung dieser Flächen eingesetzt. Denn auch das kostet ja Geld. In der Zerweliner Heide wollen wir unsere eigenen Flächen als Naturschutzgebiet ausweisen lassen.