Die Allianz Arena, Heimspielstätte des FC Bayern München, ist weit mehr als nur ein Fußballtempel. Sie hat sich zu einem Vorzeigeprojekt für Stadionnachhaltigkeit entwickelt. Die Arena-Betreiber setzen auf drei Säulen: Energiereduktion, Effizienzsteigerung und Umstieg auf erneuerbare Energien. Kontinuierlich werden Verbesserungen umgesetzt, um die Umweltbilanz zu optimieren.
Rasenheizung auf Wärmepumpen umgestellt
Eine der markantesten Veränderungen betrifft die Rasenheizung. Bisher wurde das Spielfeld mit Gas beheizt – ein energieintensives Verfahren. Nun wurde die gesamte Rasenheizung auf Luft-Wasser-Wärmepumpen umgestellt. Bereits im ersten Betriebsjahr konnten rund 750.000 Kilowattstunden eingespart werden. Langfristig soll die gesamte Wärmeversorgung ohne fossile Energieträger auskommen. Das Ziel ist eine energetische Autarkie.
Warmwasserversorgung und LED-Technik
Auch die Warmwasserversorgung wurde neu organisiert. Die Umstellung auf dezentrale Warmwasserbereitung bringt Einsparungen von mehr als 2.000 Kilowattstunden pro Tag allein in den Sommermonaten. Flächendeckend wurde auf LED-Technologie umgestellt. Die Stromkosten für die Außenhülle sanken um etwa 60 Prozent. Ein LED-System für die Rasenpflege erlaubt zudem eine separate Steuerung von Licht und Wärme, sodass die Pflanzen genau das benötigte Spektrum erhalten, ohne unnötige Wärmeentwicklung.
Photovoltaik und Ökostrom
Auf den Dächern des Gästeparkhauses und der Vorkontrolle Süd liefern Photovoltaikanlagen mit rund 1,3 Megawattpeak einen relevanten Teil des täglichen Grundstrombedarfs der Arena. Den Rest deckt das Stadion vollständig aus zertifiziertem Ökostrom. Die Deaktivierung der Lufttrockner in den Fassaden-Folienkissen brachte weitere Einsparungen von mehr als 47.000 Kilowattstunden pro Jahr. Präzise Steuerungssysteme sorgen dafür, dass nur genutzte Räume beheizt werden. Kühlsysteme nutzen bei niedrigen Außentemperaturen verstärkt natürliche Frischluftzufuhr.
Wasserverbrauch, Mülltrennung und regionale Lieferketten
Der Gesamtwasserverbrauch der Arena liegt bei 85.472 Kubikmetern pro Jahr, davon entfallen 15.635 Kubikmeter auf die Gastronomie und 5.368 Kubikmeter auf die Rasenberegnung. Pro Spieltag sind das rund 2.800 bis 3.400 Kubikmeter – für ein Stadion mit 75.000 Zuschauerplätzen vertretbare Werte. Beim Abfall fallen zwischen zehn und fünfzehn Tonnen pro Spiel an, die konsequent getrennt werden, sowohl vor Ort als auch beim Entsorger. In der Gastronomie setzt die Arena gemeinsam mit dem Partner DO & CO auf regionale Lieferketten. Kurze Transportwege senken den CO₂-Ausstoß und stärken die lokale Wirtschaft.
Konzerte belasten die Energiebilanz
Seit das Olympiastadion wegen Renovierungsarbeiten bis Sommer 2028 ausfällt, finden in der Allianz Arena auch Open-Air-Konzerte statt. In diesem Sommer treten unter anderem Linkin Park, Foo Fighters, The Weeknd, BTS und Helene Fischer auf. Konzerte haben jedoch eine deutlich schlechtere Energiebilanz als Fußballspiele. Auf- und Abbau der Bühnentechnik, individuelle Lichtinstallationen und zusätzlicher Strom für Soundsysteme führen zu höheren Emissionen, verstärkt durch den internationalen Transport von Tournee-Lkws und Technikcrews.
Ladepark für E-Lkws und -Busse
Immer mehr Fans kommen mit Elektroautos, doch das Stromnetz des Stadions ist an Spieltagen ausgelastet. Eine gleichzeitige Versorgung tausender Fahrzeuge ist derzeit nicht möglich. Stattdessen wurde ein Ladepark für Elektro-Lkws und -Busse am Busparkplatz Süd realisiert. Gemeinsam mit MAN wurden vier Schnellladesäulen installiert, die ausschließlich mit Ökostrom betrieben werden. Bei Bedarf kann die Kapazität erweitert werden, sobald die öffentliche Infrastruktur den nötigen Ausbau erfahren hat.
EMAS-Zertifikat und Nachhaltigkeitsstandards
Die Allianz Arena ist seit 2006 nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS zertifiziert. EMAS verpflichtet zur kontinuierlichen Verbesserung. Auch die DFL schreibt ihren Klubs Nachhaltigkeitsstandards vor, die in Satzung und Lizenzierungsordnung verankert sind. Die Arena überführt diese Vorgaben in messbare Praxis und nutzt ihre Strahlkraft, um Millionen von Fans für das Thema zu sensibilisieren. LED-Technik, Wärmepumpen, Photovoltaik, regionale Lieferketten, Ökostrom und Mülltrennung sind gelebte Praxis. Die Investitionen rechnen sich ökologisch wie wirtschaftlich und senden ein Signal: Großveranstaltungen und Klimaverantwortung sind keine Gegensätze, sondern eine Frage des Willens.



