Im WM-Finalstadion von East Rutherford hat die deutsche Nationalmannschaft eine herbe Enttäuschung erlitten. Trotz des zweitschnellsten Tores der deutschen WM-Geschichte durch Leroy Sané nach 109 Sekunden verlor das Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann gegen Ecuador mit 1:2 (1:1). Nilson Angulo (9.) und Gonzalo Plata (77.) drehten die Partie für die Südamerikaner, die damit ihren ersten Turniersieg feierten und das Weiterkommen perfekt machten.
Frühe Führung reicht nicht
Der Traumstart schien die Richtung vorzugeben: Sané erzielte sein erstes Turniertor im fünften großen Turnier. Der Treffer war jedoch umstritten, da Aleksandar Pavlovic zuvor mit extrem hohem Bein den Ball gespielt und dabei den Kopf von Pedro Vite getroffen hatte. Der VAR griff nicht ein, sodass der Treffer zählte. Nur Ernst Lehner war 1934 beim Spiel um Platz drei gegen Österreich noch schneller gewesen.
Ecuador ließ sich davon nicht beeindrucken und übernahm zunehmend die Kontrolle. Besonders die linke deutsche Seite mit David Raum bot Angriffsfläche. Den entscheidenden Fehler zum Ausgleich machte Felix Nmecha, der gegen die Elfenbeinküste noch überragt hatte. Angulo traf zum 1:1, und die zahlreichen ecuadorianischen Fans im Stadion ließen die Arena beben.
Nagelsmann muss umstellen
Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte zwei Änderungen in der Startelf vornehmen müssen. Den angeschlagenen Nathaniel Brown ersetzte David Raum, für den verletzten Nico Schlotterbeck (Bänderriss am Knöchel) rückte Antonio Rüdiger in die Innenverteidigung. Schlotterbeck war als moralische Unterstützung auf Krücken im Stadion und wurde von den Fans gefeiert. „Ein super Zeichen“, lobte Nagelsmann. „Er hätte auch sagen können: Ich fliege in den Urlaub.“
Deniz Undav, mit drei Toren in den ersten beiden Spielen der erfolgreichste deutsche Angreifer, saß zunächst wieder auf der Bank. Nagelsmann setzt weiter auf dessen Joker-Qualitäten. „Wer ist der Spieler im Kader, der der Finisher ist? Wir haben nicht allzu viele Spieler im Kader mit der Quote von Deniz. Dieser klassische Finisher im Kader ist nur er“, begründete der Bundestrainer seine Entscheidung in der ARD.
Schwache Vorstellung trotz Joker-Einsatz
Zur zweiten Halbzeit brachte Nagelsmann Angelo Stiller für den schwachen Pavlovic. Kurz darauf zeigte Schiedsrichterin Tori Penso nach einem Foul gegen Kai Havertz auf den Elfmeterpunkt, nahm die Entscheidung aber nach VAR-Hinweis zurück, da Sané zuvor gefoult hatte. Die deutschen Fans riefen nach Undav, der nach einer Stunde für Havertz kam. Doch der Stürmer konnte kaum Akzente setzen. Einzige gute Chance: Sané vergab in der 76. Minute.
Ecuador drängte auf die Führung. Nach einem Missverständnis zwischen Manuel Neuer und Jonathan Tah verpasste Plata knapp (72.), dann blockte Stiller in höchster Not einen Schuss von Kevin Rodriguez (77.). Bei der anschließenden Ecke war es jedoch passiert: Plata spitzelte den Ball vor Neuer ins Tor. Der Rekordtorwart machte dabei eine unglückliche Figur, und auch Tah ließ seinen Gegenspieler gewähren.
Achtelfinale in Gefahr
Die 80.663 Zuschauer sahen den bislang schwächsten Turnierauftritt der DFB-Auswahl. Die Defensive wackelte in der zweiten Hälfte bedenklich, und im Angriff fehlten klare Aktionen und Durchsetzungsvermögen. Die Träume von einer Rückkehr nach New York zum Finale am 19. Juli sind vorerst geplatzt. Im Sechzehntelfinale am Montag (22.30 Uhr, ZDF und MagentaTV) in Foxborough muss sich das Team deutlich steigern, unabhängig vom Gegner.



