Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow hat die Mutter des Jungen am Donnerstag vor dem Landgericht Rostock als Zeugin ausgesagt. Ihre Schilderungen waren derart emotional, dass Richter Holger Schütt die Verhandlung nach etwa einer Stunde unterbrechen musste. Die 31-jährige Frau brach in Tränen aus und richtete sich direkt an die Angeklagte: „Gina, ich kann das nicht verstehen...“ Daraufhin ordnete der Richter eine Pause an.
Hintergrund der Tat
Der Angeklagten Gina H. wird vorgeworfen, Fabian im Oktober 2025 getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht von heimtückischem Mord aus niedrigen Beweggründen aus. Motiv soll die Beziehung der 30-Jährigen zum Vater des Jungen gewesen sein. Die Angeklagte schweigt bisher zu den Vorwürfen.
Aussage der Mutter
Fabians Mutter, die als Nebenklägerin an dem Prozess teilnimmt, schilderte zu Beginn ihrer Vernehmung die Beziehung zu ihrem Ex-Partner. Sie habe ihn 2015 in Güstrow kennengelernt, Fabian sei im März 2017 geboren worden – ein Wunschkind. Anfangs habe sie keine Bedenken gehabt, den Jungen beim Vater zu lassen. Doch dann habe sich der Mann verändert: Er trank mehr Alkohol, ging ohne Absprache aus und zerstörte bei einem Streit eine Tür. Ende 2018 trennte sie sich von ihm.
Der Kontakt zwischen Vater und Sohn blieb zunächst bestehen. Fabian besuchte seinen Vater regelmäßig in Klein Upahl, da die Mutter in Schichtarbeit tätig war. Etwa 2021 lernte der Vater die Angeklagte kennen. 2023 wurde Fabian eingeschult – der Vater war dabei nicht willkommen. Mitte 2024 weigerte sich der Junge plötzlich, zum Vater und dessen neuer Partnerin zu gehen. Auf Nachfrage der Mutter sagte er: „Ich habe gesehen, wie Papa die Frau geschlagen hat.“
Konsequenzen und letzte Tage
Daraufhin änderte die Mutter ihre Arbeitszeiten, um Fabian selbst betreuen zu können. Der Kontakt zum Vater brach ab. Als sie ihn auf den Vorfall ansprach, habe er erwidert, das gehe sie nichts an. Die Mutter beschrieb Fabian als „kuschelbedürftigen, zuverlässigen Jungen“, der gern in einen Jugendklub ging. Zu seinem achten Geburtstag bekam er ein Handy.
Am 9. Oktober 2025, einen Tag vor der Tat, holte sie Fabian wegen Nasenblutens und Kopfschmerzen früher von der Schule ab. Deshalb blieb er am Freitag, dem 10. Oktober, allein zu Hause – dem Tag seines Verschwindens.
Weiterer Verlauf
Die Anhörung der Mutter dauerte am Donnerstag noch an. Am Nachmittag sollte der Vater des Jungen als Zeuge aussagen. Von ihm erhoffen sich die Richter Aufschluss über das Verhältnis der Angeklagten zu Fabian. Die 30-Jährige soll den Jungen am 10. Oktober unter einem Vorwand von zu Hause abgeholt und an einem abgelegenen Wasserloch bei Klein Upahl erstochen haben. Die Leiche wurde erst vier Tage später entdeckt. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft stand Fabian der Beziehung der Angeklagten zu seinem Vater im Weg.



