Die Tischtennis-Weltmeisterschaft in London stellt für die deutschen Asse Annett Kaufmann und Benedikt Duda nicht nur sportlich eine Reise ins Ungewisse dar. Hassnachrichten auf Social-Media-Kanälen machten dem Duo in den vergangenen Monaten schwer zu schaffen. Kaufmann sprach im März sogar von Morddrohungen. Beide müssen bei den Titelkämpfen besonders im Fall von Misserfolgen befürchten, erneut ins Visier berüchtigter Hater zu geraten.
Sexistische Kommentare als Alltag
„Sexistische Kommentare und allgemeine Hasskommentare sind teilweise Alltag geworden“, beschrieb die 19-jährige Kaufmann im Gespräch mit dem SID vor der Reise nach England. Auch Duda beklagt die Situation: „Wenn man nicht gewonnen hat und dann noch solche Nachrichten bekommt von Leuten, die man nicht kennt und die sich das im normalen Leben gar nicht trauen würden, ist das noch frustrierender.“ Bereits vor einem Jahr gestand der EM-Zweite: „Das hängt mir zu Hals raus.“
Abwehrmaßnahmen der Spieler
Kaufmann und Duda haben unterschiedliche Abwehrmaßnahmen ergriffen. „Wenn es wirklich schlimm wird, mache ich auch was“, deutete Kaufmann beim WM-Lehrgang in Düsseldorf den Einsatz von Sperranträgen und Strafanzeigen an. Duda, der in der Vergangenheit sogar Angriffe gegen seine gesamte Familie erdulden musste, bestätigte dem SID die Verpflichtung einer Social-Media-Managerin. Sie pflegt seine Konten und kontrolliert eingehende Nachrichten: „Bevor ich reinschaue, frage ich immer, ob es da etwas gibt, und diese Nachrichten werden dann gelöscht. Ich bekomme das dadurch gar nicht mehr mit.“
Unterstützung durch den Verband
Unterstützung erhalten betroffene Aktive des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) auf konservative Weise. „Wir stehen unseren Spielerinnen und Spielern mit Rückhalt, Gesprächen und Solidarität bei“, betonte DTTB-Sportvorstand Richard Prause bereits 2025 nach Dudas öffentlichen Anklagen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bemüht sich seit Paris 2024 bei Olympischen Spielen durch einen sogenannten Hatespeech-Filter um Schutz vor anonymen Online-Attacken. Über dieses KI-System hinaus arbeitet der DOSB eng mit der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) zusammen. Für Kaufmann sind solche Modelle auch im Tischtennis denkbar: „Ich kann mir gut vorstellen, dass der DTTB da in Zukunft auch etwas machen wird.“



