Jeder altert anders: Die einen werden mit Ende 60 pflegebedürftig, andere sind bis in die 90er fast so fit wie ein Turnschuh. Spätestens, wenn der Alltag nicht mehr ganz so gut klappt wie früher, stellt sich die Frage: Wie und wo will ich eigentlich alt werden? Eine Antwort darauf entwickelt man besser früher als später. Denn Pflegebedürftigkeit kommt nicht immer schleichend, sondern oft abrupt – Herzinfarkt, Schlaganfall oder Sturz können die Lebenssituation innerhalb von Minuten grundlegend ändern. Ein guter Plan ist dann Gold wert.
Sarina Strumpen, Geschäftsführerin der Stiftung Zukunft Altenpflege, rät: „Rechtzeitig darüber nachdenken und auch mit anderen ehrlich darüber sprechen, wie man sich das Leben im Alter vorstellt und nicht damit warten, bis es dringlich geworden ist.“ Hier kommen sieben Fragen, die man sich stellen kann.
1. Wie sieht meine finanzielle Situation aus?
Stefan Arend, Gründer und Geschäftsführer des Instituts für Sozialmanagement und Neue Wohnformen, empfiehlt einen Kassensturz. „Nur wer weiß, welche Ressourcen ihm wirklich zur Verfügung stehen, kann einschätzen, welche Optionen realistisch sind.“ Rücklagen, der Wert von Wohneigentum, Renten und Pensionen ergeben den finanziellen Spielraum, der bis zum Lebensende reichen soll.
2. Wie ist es um mein soziales Umfeld bestellt?
Das soziale Umfeld ist im Alter von großer Bedeutung – für Wohlbefinden, Austausch und gegenseitige Unterstützung. Arend rät, rechtzeitig Verbindungen aufzubauen, von der Nachbarschaft bis zu Vereinstätigkeiten. Allerdings ist eine realistische Einschätzung wichtig: Nachbarn können beim Einkaufen helfen, aber wahrscheinlich nicht zehn Jahre am Stück. Man sollte sich einen Überblick über Angebote vor Ort verschaffen – von Seniorenbetreuung bis zu kommunalen Begegnungsstätten.
3. Was kann ich jetzt schon für den Ernstfall regeln?
Von heute auf morgen kann man in die Lage geraten, selbst keine Entscheidungen mehr treffen zu können. In einer Betreuungsverfügung oder Vorsorgevollmacht lässt sich regeln, wer einen vertreten soll. In einer Patientenverfügung kann man medizinische Maßnahmen festlegen. Arend rät, sich zu fragen: „Wem vertraue ich? Wer kann mir bei Behörden- und Krankenkassen-Korrespondenz oder Bankgeschäften helfen?“ Diese Fragen sollte man ohne Zeitdruck angehen.
4. Wenn ich zu Hause alt werden will – muss ich umbauen?
Mit ambulantem Pflegedienst, Tagespflege, Haushaltshilfe und ehrenamtlichen Besuchsdiensten kann man oft lange in den eigenen vier Wänden leben. Es kann sinnvoll sein, Badezimmer, Treppen und Türen zukunftsfit zu machen. Sarina Strumpen erklärt: „Liegt bereits Pflegebedürftigkeit vor, können Pflegekassen Wohnraumanpassungen bezuschussen. Auch die KfW kann helfen.“ Das gilt für Eigentum und Miete gleichermaßen.
5. Wer kann mich zu Hause unterstützen?
Kreative Lösungen sind gefragt. „Eine oft übersehene Möglichkeit ist Hilfe gegen Wohnraum“, sagt Arend. Jüngere Menschen wie Studierende wohnen bei Älteren und helfen im Gegenzug im Alltag. Wichtig: „Man sollte klar definieren, welche Leistungen erwartet werden.“ Auch Betreuungskräfte aus dem EU-Ausland, die im Haus wohnen, sind eine Option. Strumpen warnt: „Das Beschäftigen von Live-Ins bewegt sich in einem rechtlichen Graubereich.“ Wer sich das vorstellen kann, sollte sich genau informieren.
6. Ist eine WG oder betreutes Wohnen etwas für mich?
Vierter Stock ohne Fahrstuhl – manche Wohnung eignet sich nicht zum Altwerden. Neben Alten- und Pflegeheim gibt es Senioren-Wohngemeinschaften, die Bereitschaft zum Zusammenleben und klare Regelungen für den Pflegefall voraussetzen. Arend empfiehlt: „Wer diese Option anvisiert, sollte idealerweise WG-Erfahrung haben.“ Betreutes Wohnen gibt es in vielen Ausprägungen. „Hier lohnt es sich genau hinzuschauen, welche Services im Preis inkludiert sind und welche Pflegeoptionen dazu buchbar sind.“
7. Haben wir als Paar einen Plan?
Was passiert, wenn nur ein Partner pflegebedürftig wird? Das klassische Pflegeheim bedeutet oft die Trennung der Eheleute. Neben ambulanter Pflege kann die Kombination aus betreutem Wohnen und Pflegeheim in einer Einrichtung eine Lösung sein. Solche Plätze sind knapp, daher sollte man sich frühzeitig auf die Warteliste setzen lassen.
Immer eine gute Idee: sich beraten lassen. Die beste Lösung ist individuell. Man sollte das Gespräch mit Profis suchen. Strumpen sagt: „Die Pflegeberatung über einen Pflegestützpunkt oder die Pflegekasse ist ein guter Anlaufpunkt.“ Auch die Kommune kann über Angebote vor Ort informieren.



