Mladićs Gesundheitszustand verschlechtert sich
Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladić, der 2017 wegen Kriegsverbrechen und Völkermords zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, strebt eine Verlegung nach Serbien an. Nach Angaben seiner Familie erlitt der 84-Jährige vor zwei Wochen einen Schlaganfall und befinde sich in einem dramatisch schlechten Zustand. Sein Anwalt beantragte am Freitag beim Internationalen Mechanismus für Strafgerichtshöfe (IRMCT) in Den Haag, Mladić vorläufig aus der Haft zu entlassen, damit er in einem serbischen Krankenhaus behandelt werden könne.
Opferverbände lehnen Verlegung ab
Fünf Verbände von Opfern des Bosnienkriegs haben sich in einem am Samstag veröffentlichten Brief an die IRMCT-Präsidentin Graciela Gatti Santana gegen eine mögliche Verlegung ausgesprochen. Sie sehen darin eine schwere Ungerechtigkeit und eine weitere Erniedrigung für die Opfer. Mladić sei mit Unterstützung genau des Staates, in den er verlegt werden solle, jahrelang der Justiz entkommen. Eine Verlegung würde die Glaubwürdigkeit der internationalen Justiz infrage stellen.
Hintergrund des Falls
Mladić war 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht in Serbien festgenommen worden. Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (IStGHJ) in Den Haag verurteilte ihn wegen seiner Verantwortung für das Massaker von Srebrenica und weiterer Kriegsverbrechen im Bosnienkrieg zu lebenslanger Haft. Im Juli 1995 ermordeten serbische Einheiten in Srebrenica rund 8000 muslimische Männer und Jungen – das schwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.
Trotz seiner Verurteilung wird Mladić von manchen Serben bis heute als Held verehrt. Seine Anwälte hatten in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, eine vorzeitige Haftentlassung aus gesundheitlichen Gründen zu erreichen. Der aktuelle Antrag auf vorläufige Entlassung könnte jedoch scheitern, wenn die Opferverbände und die internationale Gemeinschaft sich dagegenstellen.



