Archäologen graben NS-Zwangsarbeiterlager in Leipzig aus
NS-Zwangsarbeiterlager in Leipzig archäologisch erforscht

Das ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager „Mangold“ in Leipzig steht im Mittelpunkt zeitgeschichtlicher archäologischer Ausgrabungen. Vor einer geplanten Bebauung wird das rund 9.000 Quadratmeter große Gelände untersucht, wie das Landesamt für Archäologie mitteilte. Bislang konnten etwa 600 Befunde dokumentiert werden.

Fundamente und Alltagsgegenstände entdeckt

Zu den Funden zählen vor allem Fundamente, Pfosten und Holzböden der Baracken, Wege, Gruben, ein Heizraum sowie Splitterschutzgräben. Zudem wurden Gegenstände aus dem täglichen Leben der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter geborgen, darunter Lederschuhe, Teller, Tassen, Löffel und Glasflaschen. Diese Objekte geben Aufschluss über die Lebensumstände im Lager.

Einblicke für die Nachwelt

„Mit der Ausgrabung der im Boden verbliebenen Reste des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers 'Mangold' bietet sich letztmalig die Chance, Einblicke in Struktur und Geschichte des Lagers zu erhalten und dies für die Nachwelt zu dokumentieren“, erklärte Landesarchäologin Regina Smolnik. Ziel sei es auch, Erkenntnisse zur Versorgung und zu den Lebensumständen der Zwangsarbeiter zu sammeln.

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Geschichte des Lagers

Das Zwangsarbeiterlager wurde 1942 in Betrieb genommen. Die Insassen arbeiteten vor allem für ein Unternehmen, das kriegsrelevante Produkte wie Gespanne, Maschinengewehr-Wagen, Hülsen für Bomben und Granaten sowie Grabenpflüge herstellte. Bis zum Kriegsende stieg die Zahl der Zwangsarbeiter auf 3.000 an.

Nachkriegsnutzung

Nach dem Krieg diente das ehemalige Zwangslager als Unterkunft für Menschen, die durch die Kriegsereignisse ihre Heimat verloren hatten. Im Frühjahr 1945 lebten zeitweise fast 1.300 Menschen in den Baracken. Nach deren Rückführung richtete die sowjetische Militärregierung ein Quarantänelager für deutsche Flüchtlinge aus dem Osten ein, das bis 1950 betrieben wurde. Anschließend wurden die Baracken abgerissen; ein Gebäude blieb bis 1996 in Nutzung, bevor es ebenfalls abgerissen wurde.

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