Münchens Polizeipräsident: „So machen wir die Stadt sicherer“
Münchens Polizeipräsident: So machen wir die Stadt sicherer

Münchens Polizeipräsident Thomas Hampel hat im großen AZ-Interview über die Sicherheitslage in der Stadt gesprochen. Trotz des 50. Titels als sicherste Großstadt Deutschlands sieht er weiterhin Herausforderungen. „Wir wollen die Spitzenposition halten“, betont Hampel. Besonders Gewaltdelikte, Cyberkriminalität und Sexualstraftaten wie Kinderpornografie beschäftigen die Polizei. Zwar sei die Zahl der Straftaten um zwei Prozent gesunken und die Aufklärungsquote liege bei rund zwei Dritteln, doch das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger sei deutlich niedriger als die objektive Lage erwarten lasse.

Verbesserungen an Brennpunkten

Hampel verweist auf Erfolge an früheren Brennpunkten wie dem Alten Botanischen Garten, Riem und Pasing. „Diese Bereiche haben wir gut in den Griff bekommen“, so der Polizeipräsident. In Pasing konnten Gewalttäter durch intensive Ermittlungen überführt und zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt werden. Jugendliche Tätergruppen, die sich im Internet als „große Bosse“ inszenierten, wurden mit Kontakt- und Betretungsverboten belegt. „Dann sind die auch verschwunden“, sagt Hampel.

Bahnhofsviertel im Fokus

Das Bahnhofsviertel bleibe ein Schwerpunkt. „Es gibt verschiedene Problempunkte um den Hauptbahnhof, die die Sicherheitslage und das Sicherheitsgefühl negativ beeinflussen“, erklärt Hampel. Die gemeinsame Kontrollaktion mit 500 Beamten von Polizei und Zoll in der Landwehrstraße sei ein Erfolg gewesen. „Das Signal nach außen ist klar: Wir sehen nicht weg, wir packen die Probleme gemeinsam an.“ In der Landwehr- und Schillerstraße seien Drogenhandel, Schwarzarbeit und illegaler Aufenthalt feststellbar. Die Aktionen kämen bei Anwohnern und Gewerbetreibenden gut an.

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Videoüberwachung als Ergänzung

Mobile Videotürme in der Schillerstraße und Adolf-Kolping-Straße haben sich bewährt. „So konnten wir zwei Räuber kurz nach der Tat in einem Hotel festnehmen“, berichtet Hampel. Die Polizei setze auf punktuelle Videoüberwachung, nicht auf flächendeckende. Die Ankündigung von Innenminister Joachim Herrmann, die gesetzlichen Voraussetzungen für kommunale Videoüberwachung zu vereinfachen, begrüße er. Am Stachus und im Alten Botanischen Garten seien die Kameras bereits erfolgreich im Einsatz. Dort seien die Straftaten um zwei Drittel zurückgegangen, Gewaltdelikte massiv gesunken. „Randgruppen gehen nicht mehr gerne hin. Der Drogenhandel ist verschwunden, Alkoholexzesse ebenso“, so Hampel. Das Verbot von Waffen, Cannabis und Alkohol wirke, ebenso wie mehr Licht und Rückschnitte der Vegetation.

Ängste der Bevölkerung ernst nehmen

Viele Menschen fühlten sich unsicher, obwohl München sicherer sei als vor 30 Jahren. Hampel führt dies auf die anhaltenden Krisen und die rasante Verbreitung von „schlimmen Nachrichten“ über Social Media zurück. „Wenn heute irgendwo in Deutschland ein Messerangriff erfolgt, haben alle das innerhalb von Minuten auf dem Handy. Das macht etwas mit den Leuten“, sagt er. Die Polizei nehme die Ängste ernst und setze auf Aufklärung, etwa mit der Kampagne „Sicher unterwegs“ im ÖPNV. Zivilcourage-Kurse sollen die Menschen ermutigen, im Notfall zu helfen und den Polizeinotruf 110 zu wählen.

Digitale Gewalt und Deepfakes

Der Fall Collien Fernandes zeige die Verbreitung sexualisierter Gewalt im Internet. Deepfakes seien eine große Herausforderung, auch wenn es noch keine verlässlichen Zahlen gebe. „Die Gesetzesänderung gegen digitale Gewalt wird uns die Arbeit erleichtern“, hofft Hampel. Er begrüßt auch den Gesetzentwurf zur längeren Speicherung von Verbindungsdaten, IP-Adressen und ähnlichen Informationen. „Das war schon lange eine Forderung der Polizei und ist längst überfällig.“

Zusammenarbeit mit dem neuen OB

Mit dem designierten Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) habe die Zusammenarbeit bereits gut funktioniert, etwa beim Thema Alter Botanischer Garten. „Er zeigte sich offen gegenüber unseren Argumenten“, sagt Hampel. Auch beim Cannabis-Gesetz sehe Krause Verbesserungsbedarf. Hampel selbst spricht von „erheblichem Verbesserungsbedarf“: „Cannabis ist noch immer Einstiegsdroge Nummer 1. Die eigentliche Zielrichtung der Teillegalisierung, nämlich der Kinder- und Jugendschutz, wurde völlig verfehlt.“

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Schutz jüdischer Einrichtungen

Nach dem Angriff auf das jüdische Lokal Eclipse in der Maxvorstadt betont Hampel die hohe Priorität des Schutzes jüdischer Bevölkerung und Einrichtungen. Der Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 habe die Situation verschärft. Die Polizei stehe im ständigen Austausch mit Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten.

Fußballfans und Polizeiarbeit

Die konspirative Anreise von 500 gewaltbereiten Stuttgart-Fans zur Allianz Arena habe die Polizei vor Probleme gestellt. „Die Fans kamen in Privatautos und Kleinbussen. Von Großhadern aus ging es geschlossen in einer U6 nach Fröttmaning“, erklärt Hampel. Da es keine Hinweise gab, sei die Partie nicht als Hoch-Risiko-Spiel eingestuft worden. Zum Pokalfinale in Berlin sagt er lachend: „Die Berliner Polizei wird die Lage im Griff haben, da bin ich mir sicher.“