Wort zum Feiertag: Auf in den Mai! Walpurgisnacht verbindet
Wort zum Feiertag: Auf in den Mai!

Die Walpurgisnacht ist ein traditionelles nord- und mitteleuropäisches Fest. Pfarrer Matthias Jehsert aus Retzin erinnert sich in seinem Wort zum Feiertag an die Feste zu Walpurgis aus seiner Kindheit.

Kindheitserinnerungen an Walpurgis

In meiner Kindheit wurde in Vorpommern noch Walpurgis gefeiert. Während der 1. Mai oft weltanschaulich vereinnahmt wurde, bot der traditionelle Vorabend eine Möglichkeit zum unbefangenen bürgerlichen und familiären Miteinander am großen Lagerfeuer. In jüngerer Zeit ist der alte, zwischen Skandinavien und den Alpen verbreitete Brauch vielerorts auf den Karsamstag ausgewandert, auf den Abend vor Ostern. Heute besinnt man sich gern darauf und lädt im Umfeld von Feiertag und langem Wochenende in der Nähe des St.-Florians-Tages erneut zum Feuermachen ein. Auch ältere Sitten, die an den Jahreswechsel oder an die Brocken-Szene aus Goethes Faust erinnern, treten wieder hervor.

Die heilige Walburga

Die heilige Walburga kam im 8. Jahrhundert als englische Königstochter nach Süddeutschland, wo sie sich mit einigen Verwandten als Missionarin betätigte, Klöster gründete und schließlich Äbtissin in Heidenheim wurde. Sie blieb im Mittelalter und bis weit in die Neuzeit hoch verehrt, etwa als Schutzpatronin vor Sturm und Seenot, vor Tollwut, Missernten und Piraten. Der 1. Mai gilt als Tag ihrer Heiligsprechung. Vielleicht hat man das Walburga-Gedenken gefördert, um den volkstümlichen Frühlingsbräuchen zwischen Tanz und Schabernack ein christliches Gepräge zu geben.

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Der verbindende Charakter des Festes

Menschen kommen zusammen: Auch wenn Walpurgis sich für moderne Zwistigkeiten rund um neue Religiosität oder das Menschenbild eignen mag, beeindruckt mich doch der verbindende Charakter, den dieses Fest vor 50 Jahren hatte. Unabhängig von gesellschaftlichen Rollen und weltanschaulichen Prägungen konnten Menschen zusammenkommen, um sich nicht von Amts wegen wahrzunehmen, sondern als Nachbarn, als Eltern, als Mitbürger. Als Leute, die aufeinander angewiesen sind, die miteinander scherzen und feiern dürfen, wie weit ihre Lebenswege sonst auch auseinanderliegen. Vielleicht lohnt es sich, einen solchen Anlass wiederzuentdecken und in seinem Sinne in den Mai zu tanzen.

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