Auf der diesjährigen Hannover Messe hat der Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer (66) eindringlich für einen verstärkten Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der Industrie geworben. „Jedes Unternehmen muss ein KI-Unternehmen sein“, erklärte der aus der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ bekannte Investor. Diese Forderung gelte für Maschinenbauer, Hidden Champions, Marktführer, Zulieferer und insbesondere für Start-ups.
Deutschlands Stärken und Schwächen
Maschmeyer sieht in Deutschland gute Voraussetzungen für die KI-Integration. Das Land verfüge über eine starke industrielle Basis und eine gewachsene Ingenieurskompetenz – „auch wenn die Regierung und die Bürokratie versuchen, das abzuschaffen“. Die Unternehmen generierten täglich riesige Datenmengen. „Dieser Datenschatz muss gehoben werden“, betonte er. Darin liege die Chance, „dass aus einer KI-Revolution weltweit eine Evolution made in Germany entsteht“.
Der Unternehmer wagte sich sogar als Dichter hervor: „Reimt sich auch: Industrie mit KI.“ In der industriellen Anwendung sei Deutschland besser, als viele denken. Dennoch sieht er bei Investitionen klare Vorteile in den USA. „Hätte ich die Wahl zwischen einem europäischen und einem US-Start-up mit ähnlichem Geschäftsmodell, würde ich mich für ein Unternehmen in den USA entscheiden“, so Maschmeyer. Als Gründe nannte er strengere Datenschutzregeln und die europäische KI-Verordnung.
Zusammenarbeit von Tankern und Schnellbooten
Maschmeyer plädierte zudem für eine engere Kooperation zwischen etablierten Industriekonzernen und jungen Firmen. „Große Industrietanker sind oft zu schwerfällig unterwegs. Und genau hier bietet es sich an, diese kleinen Schnellboote dazuzunehmen.“ Diese dürften jedoch nicht in bestehende Strukturen gepresst werden. „Das ist genauso langsam wie der Laden vorher.“
In Start-ups müssten andere Arbeitsweisen möglich sein, forderte Maschmeyer. Mitarbeitende sollten sich „verrückter anziehen“ und später mit der Arbeit beginnen dürfen. „Die programmieren ja lieber nachts.“ Etablierte Unternehmen könnten davon auf mehreren Wegen profitieren – als Kunden, als Investoren und durch gemeinsame Innovationsprozesse. Gerade in Deutschland gebe es „ganz tolle KI-Start-ups“, die bestehende Strukturen optimieren könnten.



