Es ist höchste Zeit für eine Frau im höchsten Amt im deutschen Staat. Noch nie standen die Chancen so gut, dass im kommenden Jahr eine Frau zur Bundespräsidentin gewählt wird. Die Wahl wäre ein überfälliges Signal, in diesen brüchigen Zeiten sowieso.
Bisherige Anwärterinnen chancenlos
Bisherige Anwärterinnen für das höchste Amt im Staat waren von vorneherein chancenlos, ihre Kandidaturen wirkten wie ein Feigenblatt. Und das in einem Industriestaat, der sich gerne für sein Wirken bei der Gleichberechtigung rühmt. Das Eigenlob ist aber nur auf formal-rechtlicher Ebene angemessen. Im wirklichen Leben liegen die Dinge anders, die Zustände sind teils beschämend.
Ungleichheit und Frauenfeindlichkeit
Frauen verdienen im Schnitt noch immer deutlich weniger als Männer, nur 4 von 40 Dax-Unternehmen werden von Frauen geführt. Und der Anteil der weiblichen Bundestagsabgeordneten ist nach der letzten Wahl sogar gesunken. Was vor allem alarmiert: Im Schnitt wird in Deutschland jeden Tag eine Frau getötet, in den allermeisten Fällen vom (Ex-) Partner. Feminismus wird ohnehin schon lange als Feindbild kultiviert. Inzwischen gibt es aber sogar eine Welle an Frauenfeindlichkeit im Netz, Alltag und in Männerkreisen. Sie feiern überkommene Rollenbilder und sehen Gleichberechtigung als Angriff auf ihr Selbstbild. Wer jedoch mit Frauen auf Augenhöhe ein Problem hat, wirkt zersetzend auf Gemeinwesen und Staat.
Kandidatinnen für 2027
An dessen Spitze sollte daher im Jahr 2027 eine Frau stehen. Über Bundesfamilienministerin Karin Prien und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (beide CDU) wird bereits spekuliert, nun kommt mit Ilse Aigner (CSU) eine mögliche Kandidatin hinzu, die als Bayerns Landtagspräsidentin über die Parteigrenzen höchstes Ansehen genießt, sie gilt als klug, bürgernah und ausgleichend. Kanzler Merz‘ Einstellung zu Frauenquoten ist ambivalent, er betont aber, man besetze „nach Qualifikation“. Nun, dann dürfte einer Frau in Schloss Bellevue ja nichts im Wege stehen.



