Mit gemischten Gefühlen blickten die Bürgermeister der Region Jarmen auf den diesjährigen Neugeborenen-Empfang. Während die Teilnahme mit 13 Familien deutlich besser ausfiel als im Vorjahr, bleibt die Geburtenrate alarmierend niedrig. „Mit der Teilnahme können wir zufrieden sein, mit der Geburtenrate nicht“, zog Amtsvorsteher Frank Karstädt, Bürgermeister von Alt Tellin, Bilanz.
Gemeinsamer Empfang im Kulturzentrum
Wie in den Vorjahren luden die Kommunen des Amtes Jarmen-Tutow gemeinsam ins städtische Kulturzentrum von Jarmen ein. Fast alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister waren anwesend, um die Neugeborenen persönlich willkommen zu heißen. Nur Daberkows Oberhaupt fehlte. Die Anzahl der Kinder pro Gemeinde variierte stark – nicht nur aufgrund der Größe, sondern auch wegen unterschiedlichen Engagements in Sachen Familienplanung. Zudem nahmen nicht alle Familien teil.
Deutlich mehr Teilnehmer als 2025
Mit 13 Babys war die Resonanz eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr, als nur sieben Familien gekommen waren. 2025 hatte die geringe Beteiligung für Enttäuschung gesorgt, da die Organisatoren wieder kleine Präsente mit Gutscheinen vorbereitet hatten. Auch Kaffee und Kuchen für eine gemütliche Runde standen bereit. Die meisten Händchen schüttelte Thomas Breitsprecher, Bürgermeister von Völschow, aus dessen Gemeinde die meisten Neugeborenen kamen.
Die meisten der 2025 geborenen Kinder erschienen mit ihren Müttern, viele Väter, Großmütter und Geschwister begleiteten sie. Für die älteren Geschwister gab es Spielmöglichkeiten und kindgerechte Musik.
Sorgen um die Zukunft der Kitas und Schulen
Trotz der besseren Resonanz und der guten Atmosphäre machte sich unter den Lokalpolitikern Sorge breit. Die Zeiten, in denen jährlich 40 bis 50 Kinder geboren wurden, scheinen vorbei. 2024 gab es mit nur 30 Babys einen Negativrekord, 2025 waren es lediglich 31. Bleibt das Niveau so niedrig, werden die Auswirkungen bald in den Kindertagesstätten spürbar sein, befürchtet Karstädt.
Die Region verfügt über zwei Grundschulen in Tutow und Jarmen, letztere durchgängig zweizügig. Doch die Bürgermeister wissen, dass für die Bildung einer neuen Klasse in Mecklenburg-Vorpommern im Durchschnitt 20 bis 22 Schüler nötig sind, mindestens sieben pro Klasse. Zudem schicken viele Familien ihre Kinder in Schulen außerhalb der Region.
Lokale Baby-Prämie als Anreiz
Tutows Bürgermeister Holger Schultz kündigte an, die Baby-Prämie seiner Gemeinde wohl erhöhen zu müssen. Tutow hatte als erste Kommune ein lokales Elterngeld in Form von Gutscheinen im Wert von 200 Euro pro Baby beschlossen. Obwohl die Gemeinde mit eigener Kita und Grundschule ausgestattet ist, gab es 2025 nur zwei Geburten – ebenso viele wie in der kleinsten Gemeinde Daberkow. Alt Tellin verzeichnete nur ein Baby, Kruckow und Völschow jeweils fünf, Bentzin sieben und Jarmen neun.
Appell des Bürgermeisters
Jarmens Bürgermeister André Werner räumte beim jüngsten Fachtag Kultur des Landkreises ein, dass die Zahlen erschreckend seien. Sie werfen die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Kinder- und Bildungseinrichtungen auf, falls sich die Lage nicht bald bessere. Beim Jahresempfang seiner Stadt appellierte er an die Bürger: „Ich bitte darum, dass Stromausfälle echt besser genutzt werden. Denken Sie bitte nicht nur an Kerzen, wir brauchen mehr Kinder.“



