Baggern für den Ostsee-Wal: Geldgeber mit überraschender Reaktion auf Kritik
Das Drama um den in der Ostsee umherirrenden Buckelwal vor der Insel Poel nimmt kein Ende. Die Rettungsaktion sorgt bundesweit für Schlagzeilen und entfacht eine Debatte über das richtige Vorgehen. Nun hat sich einer der Geldgeber, Mediamarkt-Gründer Walter Gunz, überraschend selbstkritisch zu der Kritik geäußert.
Geldgeber Gunz: „Kritik teilweise berechtigt“
Walter Gunz, der gemeinsam mit Unternehmerin Karin Walter-Mommert die private Rettungsaktion finanziert, zeigte sich in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur selbstkritisch. „Die Kritik an dem Geschehen betrachte ich als teilweise berechtigt“, sagte Gunz. Die Hilfsaktion sei sehr kurzfristig geplant gewesen, im Rückblick hätte man möglicherweise einige Dinge anders gemacht. Trotz der Rückschläge will Gunz das Vorhaben jedoch weiter finanzieren: „Wir bleiben dabei und gehen den Weg bis zum Ende.“ Ein mögliches Ende sei für ihn, wenn der Wal stirbt. „Natürlich können die Bemühungen misslingen, aber das sei das Risiko, das damit einhergehe“, so der bayerische Unternehmer.
Der Wal und die Rettungsbemühungen
Seit Ende März hält der etwa zwölf Meter lange Buckelwal die Region in Atem. Mehrfach strandete das Tier auf Sandbänken, verlor an Kraft und wurde schließlich von Experten aufgegeben. Die Bilder des gestrandeten Meeressäugers sorgten bundesweit für eine Welle der Anteilnahme und entfachten eine Debatte über das richtige Vorgehen. Seit einer Woche läuft vor der Insel Poel eine bislang beispiellose Rettungsaktion. Ein Team aus privaten Helfern und Spezialfirmen versucht, den stark geschwächten Wal zu befreien und in die offene See zu schleppen.
Neues Konzept: Rinne zum Fahrwasser
Das ursprüngliche Konzept, den Wal auf einer Plane zwischen zwei Pontons zu transportieren, ist vom Tisch. Stattdessen soll nun eine 110 Meter lange, zehn Meter breite und zwei Meter tiefe Rinne vom Liegeplatz des Wals zum tiefen Fahrwasser geschaffen werden, wie der mit den Baggerarbeiten beauftragte Unternehmer Fred Babbel sagte. 40 Meter seien bereits geschafft, am Freitag sollen weitere 40 Meter folgen. Der Wal soll dann mithilfe eines Lastkahns, einer sogenannten Barge, transportiert werden. Das rund zwölf Tonnen schwere Tier soll auf diese Weise in die Nordsee und den Atlantik gebracht werden.
Kritik und Kontroversen
Die Rettungsaktion ist nicht unumstritten. Experten der Internationalen Walfangkommission (IWC) empfehlen eine möglichst ruhige und palliative Versorgung des Meeressäugers. Umweltminister Till Backhaus (SPD) sieht sich durch diese Einschätzung bestätigt. „Diese Einschätzung deckt sich mit der wissenschaftlichen Bewertung, die von Anfang an Grundlage unseres Handelns war“, sagte er. Auch die Tierärztin Kirstin Tönnies äußerte sich in einer Stellungnahme und betonte, dass der Schutz des Wals Vorrang habe. Maßnahmen müssten nach ihrer Verhältnismäßigkeit bewertet werden. Auch kurzfristige Schmerzen könnten dabei in Kauf zu nehmen sein, sofern sie dem Überleben des Tieres dienten.
Die amerikanische Tierärztin Jenna Wallace, die zwischenzeitlich an der Rettungsaktion beteiligt war, übte hingegen scharfe Kritik. Auf Facebook teilte sie eine lange Nachricht, in der sie unter anderem dem Autor und Helfer Sergio Bambaren vorwarf, die Rettungsaktion gefährdet zu haben. Sie forderte seinen Ausschluss von der Mission. Bambaren wies die Vorwürfe zurück und zweifelte stattdessen an der Kompetenz der Tierärztin.
Bürgerinitiative will Rettung stoppen
Neben der Kritik von Experten gibt es auch rechtliche Schritte gegen die Rettungsaktion. Beim Verwaltungsgericht Schwerin ist ein Antrag einer Bürgerinitiative eingegangen, der die Einstellung der Maßnahmen fordert. Das Gericht zweifelt jedoch an der Antragsbefugnis der Initiative. Die derzeitigen Bemühungen werden nicht von Behörden oder dem Land selbst unternommen, sondern von einer privaten Initiative. Das Land duldet und überwacht die Maßnahmen.
Stimmung auf der Insel Poel
Die Rettungsaktion hat auch Auswirkungen auf die Insel Poel. Während viele Menschen um das Leben des Tieres kämpfen, beklagen Gastronomen auf der Insel Umsatzverluste von bis zu 70 Prozent. Gäste würden ihre Reservierungen absagen, sagte Kellnerin Mandy Hartung vom Restaurant Kröning's Fischbaud gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Die Presseleute kompensierten das Wegbleiben anderer Kunden nicht, da die Journalisten immer nur Kaffee wollten.
Ausblick
Die Rettungsaktion geht weiter. Die Helfer arbeiten mit Hochdruck an der Fertigstellung der Rinne und der Vorbereitung des Transports. Ob das neue Konzept den Segen der Behörden bekommt, ist noch offen. Umweltminister Backhaus sagte, das Land werde das Konzept nach Eingang „mit höchster Priorität“ prüfen. Der Wal selbst liegt derzeit in einer künstlich geschaffenen Kuhle und wird von Helfern betreut. Die Hoffnung ist, dass er bald in tieferes Wasser gebracht werden kann, um von dort aus in die offene See zu gelangen.



