Ostsee-Wal-Rettung: Minister Backhaus watet ins 7 Grad kalte Wasser
Wal-Rettung: Backhaus watet ins kalte Wasser

Das Drama um den in der Ostsee umherirrenden Buckelwal vor der Insel Poel nimmt kein Ende. Umweltminister Till Backhaus (SPD) wagte sich nun persönlich ins kalte Wasser, um sich ein Bild vom Zustand des gestrandeten Meeressäugers zu machen. Wie die Bild-Zeitung berichtet, ließ sich der Minister mit einem Boot der DLRG zum Wal fahren und stieg in die rund sieben Grad kalte Ostsee. Gekleidet in einen gelben Trockenanzug, begutachtete er das Tier aus nächster Nähe, bevor er wieder an Land zurückkehrte.

Neuer Rettungsplan: Rinne zum tiefen Wasser

Die privaten Helfer um Chef-Taucher Fred Babbel arbeiten unter Hochdruck an einem neuen Konzept. Geplant ist, eine 110 Meter lange, zehn Meter breite und zwei Meter tiefe Rinne vom Liegeplatz des Wals zum tiefen Fahrwasser zu schaffen. 40 Meter seien bereits geschafft, weitere 40 Meter sollen am Freitag folgen. Der Wal soll dann am Sonntag oder Montag geborgen werden, so der Zeitplan von Babbel. Die eigentliche Fahrrinne, die aus der Bucht führt, hat im Durchschnitt eine Tiefe von vier bis fünf Metern. Der Wal liegt derzeit im Flachwasser in einer Art Becken, das unter dem Tier freigespült wurde, um ihm das Atmen bei sinkenden Wasserständen zu erleichtern.

Wal-Thema im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern

Der gestrandete Buckelwal wird auch im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern thematisiert. Die Grünen haben einen Antrag vorgelegt, der eine Vielzahl von Maßnahmen fordert – von weniger Düngung der Felder bis zur Ausweisung weiterer Schutzgebiete vor der Küste, darunter die Wismarer Bucht. Dabei nehmen die Grünen auch die Probleme von Kegelrobben und Schweinswalen in den Blick und schlagen nachhaltige Fischereimethoden vor.

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Experten warnen vor zu viel menschlichem Eingriff

Während einige Experten empfehlen, das Tier in Ruhe sterben zu lassen, versucht eine private Initiative weiterhin, es ins offene Meer zu bringen. Die Wal-Expertin Frances Gulland betonte gegenüber dem Spiegel, dass gezielte Beeinflussung des Verhaltens von Walen sehr schwierig sei. „Wir können nicht mit ihnen kommunizieren, und wir können sie nicht durch Handauflegen beruhigen“, sagte sie. Auch die Internationale Walfangkommission (IWC) empfiehlt eine möglichst ruhige und palliative Versorgung des Meeressäugers. Minister Backhaus sieht sich dadurch bestätigt: „Diese Einschätzung deckt sich mit der wissenschaftlichen Bewertung, die von Anfang an Grundlage unseres Handelns war.“

Spannungen im Rettungsteam

Hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Die amerikanische Tierärztin Jenna Wallace aus Hawaii, die zunächst Teil des Teams war, reiste ab und übte scharfe Kritik. Auf Facebook schrieb sie, sie habe eine „sehr schwierige Entscheidung“ treffen müssen. Sie kritisierte sowohl das Ministerium als auch einzelne Teammitglieder, darunter den YouTuber Danny Hilse und den Autor Sergio Bambaren. Wallace forderte deren Ausschluss und wünschte sich stattdessen den Meeresbiologen Robert Marc Lehmann zurück. Auch die leitende Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert musste mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden und schwebt in Lebensgefahr. Das Robbenzentrum Föhr, das sie mitgründete, bittet von weiteren Fragen abzusehen.

Wal hat noch nichts gefressen

Den Angaben zufolge bot man dem rund zwölf Tonnen schweren Tier am Dienstagabend zweieinhalb Kilogramm Fisch an, um seinen Kopf in eine günstige Richtung zu lenken. Der Wal habe die Makrelen jedoch nicht gefressen. Buckelwale können Monate ohne Nahrung überleben, doch der Gesundheitszustand des Tieres ist kritisch. Minister Backhaus sprach von Kurzatmigkeit und betonte, dass ein gesunder Wal am Tag fast das Zehnfache an Strecke zurücklege und bis zu einer Tonne Futter aufnehme.

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Bürgerinitiative will Rettung stoppen

Beim Verwaltungsgericht Schwerin ist ein Antrag einer Bürgerinitiative gegen den laufenden Rettungsversuch eingegangen. Ziel sei es, die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Rettung einzustellen oder hilfsweise erst nach einem speziellen Gutachten durchzuführen. Das Gericht zweifelt jedoch an der Antragsbefugnis. Der Naturschutzbund (Nabu) verfolgt die Aktionen der Privatinitiative mit Sorge und fordert, für die Zukunft Lehren zu ziehen: „Nur wenn wir gemeinsam Meeresschutzgebiete wirksam machen, die Fischerei nachhaltiger und die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft abstellen, hat die Ostsee eine Zukunft, und mit ihr die Wale, Robben und Seevögel an unseren Küsten.“