Es ist der 48. Verhandlungstag im Entführungsprozess um Christina Block, und in Hamburg scheint noch einmal die Sonne. Die Angeklagte hat heute öfter ein Lächeln im Gesicht: Sie feiert ihren 53. Geburtstag. Auf dem Gang zum Gerichtssaal überreicht eine Frau ihr Blumen. Es folgt eine große Umarmung – Christina Block freut sich riesig.
Das vielleicht wichtigste Geschenk jedoch ist, dass der Tag schnell endet. Grund: Ein Zeuge hat sich krankgemeldet. Seit Juli 2025 versucht das Gericht zu klären, welche Rollen die Unternehmerin und sechs Mitangeklagte bei der mutmaßlichen Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder Theo (damals 10) und Klara (damals 13) in der Silvesternacht 2023/24 spielten.
Kurzer Verhandlungstag am Geburtstag
Christina Block strahlt über das ganze Gesicht, als sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Gerhard Delling das Gerichtsgebäude betritt. In der vergangenen Woche hatte ein 35-jähriger Zeuge aus Israel ausgesagt, der nach eigenen Angaben einer der Fahrer bei der Tat war. Er hatte sich mitten im Prozess gemeldet und wie drei andere Beschuldigte sicheres Geleit für seine Aussage erhalten. Heute können die Anwälte Stellungnahmen zu dieser Befragung abgeben.
Erwartungsgemäß stützt die Nebenklage von Blocks Ex-Ehemann Stephan Hensel die Aussagen des Fahrers. „Die Zeugenvernehmung hat ergeben, was für ein traumatisches Erlebnis die Kinder erlebt haben, von dem sie sich nicht schnell wieder erholt haben. Die Aussagen des Zeugen bestätigen die der anderen Zeugen“, so Hensels Rechtsanwalt Christoph Henckel.
Widersprüche in der Aussage
Dem widerspricht Christina Blocks Anwalt Ingo Bott vehement: „Der Zeuge hat sich in zahllose Widersprüche verfangen. Er war unsicher, was Daten und Zeiten angeht und auch, wann er wie viel Geld bekommen haben will.“ Inzwischen hätten die Zeugen aus Israel zahlreiche Varianten eines angeblichen Treffens seiner Mandantin mit den mutmaßlichen Entführern Ende 2023 kurz vor der Rückholaktion geliefert. Blocks Verteidigung hatte in der Vergangenheit mehrfach betont, dass es ein solches Treffen in einem Hotel nie gegeben habe. Auch das genaue Datum sei unterschiedlich angegeben worden, moniert Bott.
Der Zeuge hatte laut Übersetzung berichtet, Christina Block habe bei der kurzen Besprechung mit den maskierten Männern gesagt, auch die Großeltern wünschten sich, dass die beiden Kinder zurückkommen. Doch die Großmutter sei zu diesem Zeitpunkt bereits ein halbes Jahr tot gewesen, betont Bott. Es sei auch unglaubwürdig, dass Block bei einem solchen Treffen nicht zahlreiche Fragen gestellt und die Alarmknöpfe, die die Kinder trugen, nicht erwähnt hätte.
Nach nicht einmal drei Stunden war der Verhandlungstag beendet. Als Christina Block das Gerichtsgebäude verließ, strahlte sie erneut über das ganze Gesicht. Endlich Zeit, Geburtstag zu feiern.



