Am 1. Mai 2026 zog die Berliner Polizei eine gemischte Bilanz. Trotz eines überwiegend friedlichen Verlaufs gab es 87 vorläufige Festnahmen und 121 eingeleitete Ermittlungsverfahren wegen Straftaten. Die Beamten sprachen von einem „weitestgehend störungsfreien Maifeiertag“, an dem mehr als 70.000 Menschen an Demonstrationen und Feiern teilnahmen. 5.300 Polizisten waren im Einsatz.
Festnahmen und Straftaten
Die festgenommenen Personen werden verdächtigt, unter anderem Landfriedensbruch, Körperverletzung und Angriffe auf Polizisten begangen zu haben. Auch sexuelle Belästigung, Sachbeschädigung und Beleidigung standen auf der Liste der Delikte. In einem Fall wurde ein Polizist im Volkspark Friedrichshain beim Streit um verbotenes Grillen von einer Gruppe attackiert, getreten, geschlagen und gebissen.
Verletzte Polizisten
Insgesamt wurden 15 Polizisten verletzt, die meisten davon leicht. Nur ein Beamter musste seinen Dienst vorzeitig beenden – die niedrigste Zahl seit Jahrzehnten an einem 1. Mai. Die Polizei betonte die erfolgreiche Deeskalationsstrategie.
Politische Reaktionen
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) zeigten sich zufrieden. Wegner schrieb auf X: „Der 1. Mai in Berlin war friedlich.“ Spranger hob hervor, dass das lang vorbereitete Einsatzkonzept mit angepasster Deeskalation aufgegangen sei. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) widersprach jedoch: Am späten Abend hätten Demonstranten aus dem linksautonomen Spektrum Polizisten angegriffen, weshalb man „weiterhin nicht von einem friedlichen Tag sprechen“ könne.
Demonstrationen und Zwischenfälle
An der großen linken und linksradikalen Demonstration am Abend nahmen laut Polizei rund 11.000 Menschen teil, die Veranstalter sprachen von 30.000. Gleich zu Beginn wurden in Kreuzberg pyrotechnische Gegenstände und Nebeltöpfe gezündet. Vermummte aus dem sogenannten schwarzen Block zündeten Leuchtfackeln, woraufhin die Polizei sie seitlich begleitete. Während und nach der Demonstration wurden Polizisten mit Flaschen beworfen; 18 Teilnehmer wurden festgenommen, unter anderem wegen Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.
Sanitätsdienste und Müll
Die Feuerwehr verzeichnete 1.657 Rettungsdiensteinsätze, vor allem wegen der vielen Feiernden und Alkoholkonsums. Im überfüllten Görlitzer Park musste eine Verletzten-Sammelstelle eingerichtet werden, da sich die Notfälle häuften. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) sammelte rund 350 Kubikmeter Müll – doppelt so viel wie im Vorjahr. 170 Mitarbeiter und 70 Fahrzeuge waren im Einsatz, um die mit Glasscherben bedeckten Straßen zwischen Oranienplatz und Schlesischem Tor zu reinigen. Auch in Parks wie dem Mauerpark, Treptower Park und Volkspark Friedrichshain türmten sich die Abfallberge.
Hintergrund
Ein offizielles Straßenfest gibt es in Kreuzberg seit Jahren nicht mehr, da Anwohner unter Lärm und Müll litten. Dennoch strömen jedes Jahr Zehntausende aus Berlin und Brandenburg in den Bezirk, um zu feiern.



