Die britische BBC steht vor einer tiefgreifenden Sparrunde, die den Nachrichten- und Informationsbereich deutlich stärker treffen wird als andere Abteilungen. BBC-News-Chef Richard Burgess kündigte vor Mitarbeitenden an, dass im News-Bereich eine Kostenreduktion von rund 15 Prozent erwartet wird. Dabei seien Stellenstreichungen unvermeidlich. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Vereinigten Königreich will bis 2028 insgesamt rund 600 Millionen Pfund und 2000 Stellen einsparen. Laut dem jüngsten Jahresbericht der BBC hat der Sender 2024/25 rund 324 Millionen britische Pfund (etwa 375 Millionen Euro) für die aktuelle Berichterstattung ausgegeben, wobei der Großteil auf die Gehälter der etwa 800 festangestellten Journalistinnen und Journalisten entfällt.
Hintergrund der Sparmaßnahmen
Im April hatte die BBC einen drastischen Sparplan verkündet, mit dem in den nächsten zwei Jahren die Gesamtkosten um rund 600 Millionen Pfund (etwa 695 Millionen Euro) gesenkt werden sollen. Die konkrete Umsetzung ist jedoch noch offen. Nach Senderangaben wird erst im September feststehen, wo wie viel Personal abgebaut wird. Beobachtern zufolge ist es kein Zufall, dass die schlechten Nachrichten kurz vor dem Amtsantritt des neuen BBC Director General Matt Brittin verkündet werden. Der frühere Top-Manager von Google soll demnach nicht gleich zu Beginn beschädigt werden. Brittins Hauptaufgabe wird dennoch die Umsetzung der Sparmaßnahmen sein. Außerdem muss er mit der britischen Regierung bis 2027 eine neue Finanzierungsgrundlage für die BBC aushandeln, da die aktuelle gesetzliche Grundlage dann ausläuft.
Finanzierungsmodell in der Kritik
Bislang wird die werbefreie BBC hauptsächlich über eine gerätegebundene Fernsehgebühr, die sogenannte Licence Fee, finanziert. Für die alleinige Nutzung der BBC-Hörfunkangebote wird keine Gebühr fällig – sie werden aber ebenfalls aus der Licence Fee bezahlt. Da immer mehr Menschen die Zahlung der 180 Pfund (etwa 210 Euro) pro Jahr verweigern, gilt dieses Modell als überholt. Als Alternative wird auch ein Umstieg auf einen wohnungsbezogenen Rundfunkbeitrag wie in Deutschland diskutiert. Auch Abonnement-Modelle wie bei Streamingdiensten sind im Gespräch.
Bedeutung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk
In Zeiten von Populismus und Fake News braucht es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch in Deutschland mehr denn je. Doch die Sender ARD und ZDF gelten als teuer, träge und belehrend. Statt überfällige Reformen anzustoßen, klammern sich Intendanten an das umstrittene Beitragssystem. Die Krise der BBC zeigt, dass auch etablierte Sender vor großen Herausforderungen stehen und sich an veränderte Mediengewohnheiten anpassen müssen.



